Wirtschaft
05.12.2011

AUA drohen weitere Einschnitte

Tiefrote Halbjahresbilanz: Japan-Beben und Nahostkrise setzten der Airline massiv zu. Konzernmutter Lufthansa erhöht jetzt den Spardruck.

Sie fliegt und fliegt und kommt dennoch nicht vom Fleck: Die Austrian Airlines (AUA) blieben auch im ersten Halbjahr 2011 tief in der Verlustzone. Das operative Ergebnis lag mit minus 63,1 Millionen Euro nur leicht über dem Vorjahr und damit deutlich unter den eigenen Erwartungen. Der Umsatz blieb mit 1,018 Milliarden Euro stabil.

War es im Vorjahr die Aschewolke, die der AUA ihre Halbjahresbilanz vernebelte, so beeinträchtigten heuer gleich mehrere Turbulenzen das Fluggeschäft. Die Unruhen in den arabischen Ländern, die Katastrophe in Japan, der steigende Kerosinpreis sowie die neue Ticketsteuer verursachten Ertragsausfälle und Zusatzkosten von rund 100 Millionen Euro: "Bei derart massiven Problemen, wie sie im ersten Halbjahr auftraten, wäre die AUA, wie sie vor einigen Jahren noch war, völlig am Ende gewesen", glaubt AUA-Vorstand Peter Malanik. Allein das teurere Kerosin kostete im Halbjahr 40 Millionen Euro mehr. Am Ziel, bis Jahresende in die Gewinnzone zu kommen, hält das Management dennoch fest. "Wir werden versuchen, es noch hinzukriegen", so Vorstand Andreas Bierwirth. Muss er auch. Gelingt dies nämlich nicht, so droht die Konzernmutter Lufthansa mit einer Drosselung der Investitionen in Wien. "Ich glaube nicht, dass wir bei einem operativen negativen Ergebnis mehr Geld für Wachstum und Investitionen bekommen. Und ganz ehrlich: Wir würden das auch gar nicht beantragen", sagt Bierwirth.

Einstellungsstopp

Den 6900 AUA-Mitarbeitern (minus 650 gegenüber 2010) droht weiteres Ungemach. Die Lufthansa verordnete der AUA sowohl einen Einstellungsstopp als auch ein Einfrieren der Personalkosten. Die Belegschaftsvertretung ist alarmiert. "Wir sind jetzt schon zum Teil unterbesetzt, da wird halt der eine oder andere Flug ausfallen müssen", kontert AUA-Betriebsrat Karl Minhard. Das AUA-Führungsduo sieht auch noch Spielraum bei den Pilotengehältern. "Da ist nix mehr drin", so Minhard. Auslagerungen ganzer Abteilungen, wie zuletzt im Technik-Bereich erwogen, schließt Malanik aus.

Bis Jahresende soll der Personalstand wie geplant auf 6000 reduziert werden. An der vom Betriebsrat zuletzt heftig kritisierten Boni-Politik für die Führungskräfte hält die AUA-Spitze weiter fest: "Unsere Managergehälter haben real deutlich an Kaufkraft verloren", verteidigt Malanik das "rigide Bonussystem". Boni gäbe es nur dann, "wenn wir das Sanierungsziel erreichen".

CO2-Streit: USA gehen auf Kollisions-Kurs

Ab 2012 müssen nicht nur Industriebetriebe, sondern auch Airlines in Europa am -Emissionshandel teilnehmen. Wenn eine nicht-europäische Fluglinie auf einem EU-Flughafen startet oder landet, gilt das auch für sie.
Den US-Airlines stoßt dies sauer auf. Es würde Mehrkosten von 3,1 Milliarden Dollar bis 2020 mit sich bringen, monieren sie. Der US-Luftfahrtverband hat geben das Gesetz bereits beim Europäischen Gerichtshof Klage eingereicht. Zudem scheint die Lobbying-Arbeit der US-Airlines sehr erfolgreich zu sein - die bedingungslose Unterstützung von Washington scheint ihnen sicher. Die Obama-Regierung habe ihre Ablehnung der Pläne bereits in Brüssel deponiert, schreibt die New York Times, und werde nun "zahlreiche Möglichkeiten prüfen". Sogar ein Gesetz sei in Vorbereitung, das den US-Airlines verbieten soll, am EU-Emissionshandel teilzunehmen.
Ein Handelsstreit steht also im Raum. Europäische Unternehmen, allen voran der Flugzeugbauer Airbus, bangen um Aufträge. Ob diese Ängste berechtigt sind, sei dahingestellt - Airbus hat vergangene Woche immerhin den größten Auftrag der Luftfahrtgeschichte abgesahnt. Der Auftraggeber? American Airlines.