AT&S-Aktienkurs steigt durch besseren Ausblick rasant
IC-Substrate verschaffen AT&S satte Einnahmen.
Zusammenfassung
- AT&S hebt Prognose für 2026 deutlich an und erwartet 45 bis 55 Prozent Umsatzwachstum, was den Aktienkurs um über 30 Prozent steigen lässt.
- Das Unternehmen investiert bis zu zwei Milliarden Euro in den Ausbau seines Werks in Malaysia, um die hohe KI-Nachfrage zu bedienen und gewinnt weitere Großkunden.
- Die Produktionserweiterung in Kulim schafft 3.000 neue Arbeitsplätze, wird durch langfristige Kundenzusagen finanziert und stärkt die Position von AT&S am europäischen Markt.
Das steirische Unternehmen AT&S hat den Ausblick auf sein Geschäftsjahr 2026 nach oben korrigiert und damit seinen Aktienkurs nach oben katapultiert. Im Frühhandel stieg der Kurs um mehr als 30 Prozent von 160 auf knapp 200 Euro. Statt 30 bis 35 Prozent Umsatzwachstum erwartet AT&S nun 45 bis 55 Prozent Umsatzwachstum. Die EBITDA-Marge soll zwischen 32 und 37 Prozent liegen. Zuvor lautete die Prognose 25 bis 29 Prozent.
Großer Ausbau des Werkes in Malaysia geplant
Der Leiterplatten- und IC-Substrat-Hersteller rüstet sich mit einem bis zu zwei Milliarden Euro schweren Investitionsprogramm in Malaysia für den Boom bei Künstlicher Intelligenz (KI). Gemeinsam mit dem US-Chipkonzern AMD und einem weiteren Technologieunternehmen fließt das Geld in den Standort Kulim. „Wir werden unseren Park in Kulim vollständig ausbauen“, sagte AT&S-Chef Michael Mertin am Montag der Nachrichtenagentur Reuters in einem Interview.
An der Wiener Börse feierten Anleger das Vorhaben. AT&S verzeichnete den besten Handelstag seiner Geschichte. Seit Jahresbeginn hat sich der Wert der Papiere damit fast verfünffacht.
Das AT&S-Werk in Kulim, Malaysia, wird ordentlich vergrößert.
Mehrere der größten Chip-Konzerne als Kunden
Den Namen des zweiten Großkunden nannte das im steirischen Leoben ansässige Unternehmen, das weltweit zu den Top-5-Anbietern zählt, nicht. Insidern zufolge handelt es sich um Intel. Letztlich werde das Werk für weitere Abnehmer produzieren. „Wir gehen davon aus, dass wir mindestens fünf der Top-Hightech-Kunden, die wir als Tech-Partner aus den USA kennen, vertreten haben werden“, sagte Mertin.
Bekannt ist bereits eine Partnerschaft mit Marvell Technology. Wegen der gewaltigen KI-Nachfrage könne AT&S derzeit kaum alle Kundenwünsche erfüllen. Dass die neuen Kapazitäten in Malaysia entstehen, komme den US-Konzernen entgegen, die aus geopolitischen Gründen eine Fertigung außerhalb Chinas bevorzugten.
Technologiesprung bei Chips geschafft
Treiber des Booms sei ein Technologiesprung bei Hochleistungsrechnern hin zu mehr „Interkonnektivität“ statt nur schnelleren Einzelchips, erklärte Mertin. Beim sogenannten „Advanced Packaging“ würden bis zu 16 Prozessoren und Speicherbausteine auf einem einzigen IC-Substrat vernetzt, um auf engstem Raum extrem schnell Daten auszutauschen.
„Das wird die Performance der Supercomputer der Zukunft wesentlich steigern.“ Zudem seien die neuen Bauteile deutlich energieeffizienter. Anders als in früheren Halbleiterzyklen gehe es nicht nur um Geschwindigkeit, sondern um völlig neue Geschäftsmodelle für die Tech-Konzerne. Die Produktion erfordere jedoch deutlich mehr Platz und treibe die Investitionskosten in die Höhe.
CEO Michael Mertin: AT&S-Technologie wird die Leistung von Supercomputern steigern.
Von 5.000 auf 8.000 Mitarbeiter in Kulim
Der Ausbau in Kulim umfasst drei Stufen: Neben der AMD-Erweiterung wird ein zweites, bisher leeres Gebäude für den zweiten Großkunden komplett ausgestattet. Zudem baut AT&S ein drittes, neues Werk für die Herstellung sogenannter Cores, des inneren Teils der Substrate. Dort sollen künftig auch elektronische Komponenten direkt eingefügt werden („Embedding“).
In maximal zweieinhalb Jahren solle die volle Kapazität erreicht sein, sagte Mertin. Die Mitarbeiterzahl in Kulim steige um mindestens 5.000 auf rund 8.000. Sorgen vor rohstoffbedingten Engpässen, vor denen AT&S in der Vergangenheit selbst gewarnt hatte, trat Mertin entgegen: Dank alternativer Lieferanten für spezielle Glasfasermatten erwarte er im laufenden Jahr keine Beeinträchtigungen mehr.
Kunden finanzieren Milliardenausbau
Finanziert wird das Vorhaben im Volumen von 1,5 bis 2,0 Milliarden Euro durch langfristige Kundenzusagen. Man bilde eine „Schicksalsgemeinschaft“, bei der die Abnehmer die Investitionen mittrügen und nicht einfach aussteigen könnten, sagte Mertin. Vorverträge seien bereits unterzeichnet. Die geplante Wandelschuldverschreibung über bis zu 500 Millionen Euro diene dagegen ausschließlich der Refinanzierung bestehender Strukturen und nicht dem Ausbau in Malaysia, stellte der Konzernchef klar.
Trotz glänzender Geschäfte werde es voraussichtlich auch für das laufende und kommende Geschäftsjahr keine Dividende geben, da AT&S zunächst seine Eigenkapitalquote stärken müsse, betonte Mertin. Den rasanten Kursanstieg hält der AT&S-Chef für gerechtfertigt, da das Unternehmen sein Kapital sehr werthaltig nutze. Zusätzlichen Auftrieb erhält die Aktie durch den Aufstieg in die europäische Börsenliga: Die AT&S-Titel werden zum 22. Juni in den Stoxx Europe 600 aufgenommen.
Kursanstieg könnte so weitergehen
Dass es einen so deutlichen Kursanstieg bei AT&S geben würde, ist laut Erste-Bank-Analyst Daniel Lion schon überraschend. Man habe damit gerechnet, dass Kunden in die Produktion des österreichischen Unternehmens investieren würden. Es sei aber nicht klar gewesen, dass dadurch 100 Prozent der Kosten gestemmt werden. „Damit müssen 1,2 Milliarden Euro nicht selbst aufgetrieben werden. AT&S erspart sich das Risiko, dieses Geld zurückzuzahlen“, so Lion. Das Vorgehen bezeichnet er „vom operativen Risiko her sehr smart“.
Substrate stellen laut Lion im aktuellen Trend zu KI und Hochleistungsrechnern einen Engpass dar. Zulieferer werden für größere Technologieunternehmen dadurch immer öfter zu Partnern. Die Preise steigen, die Marge dadurch ebenso. Die Steigerung des Aktienkurses von AT&S um 1.000 Prozent innerhalb eines Jahres sei beachtlich. Im Vergleich zur Konkurrenz sei die Bewertung aber immer noch niedrig. Der Anstieg könnte also weitergehen. „Das heißt aber nicht, dass es aufgrund von externen Faktoren, auf die AT&S keinen Einfluss hat, keine Neubewertung geben kann.“ Wie sich die geopolitische Situation oder die Versorgung mit Rohstoffen entwickeln, sei etwa unklar.
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