© dapd

ZDF-Show
07/09/2012

Störfall bei ZDF-Schlagerparty

Mitten im Auftritt des Schlagerstars Roland Kaiser wurde Sonntagmittag beim ZDF-"Fernsehgarten" ein Millionenpublikum mit einer Deutschland-Beschimpfung konfrontiert.

von Peter Temel

Es sollte einer der Höhepunkte des ZDF-"Fernsehgarten" am Sonntagmittag werden, der diesmal unter dem Motto "Aber bitte mit Schlager!" stand. Schlagerveteran Roland Kaiser sang auf der sogenannten Pool-Bühne am Mainzer Lerchenberg ein Medley aus drei seiner größten Hits.

Nach "Santa Maria" dann plötzlich die böse Überraschung: Statt Kaisers sonorer Stimme zu "Dich zu lieben" hörte man im Fernsehen junge Männer im Chor grölen: "Deutschland ist Sch...e - ihr seid die Beweise!" Und das vor bis zu 2,72 Mio. Fernsehzuschauern. Nach einer Wiederholung der Parole war dann wieder Kaiser am Wort, der ohne mit der Wimper zu zucken weitersang. Der Sänger hatte offenbar selbst nichts von der Aktion mitbekommen (siehe YouTube-Video), das Publikum bejubelte seine Darbietung.

Auf Twitter wurde der Vorfall vielfach kommentiert ("Muhahahahahaha was war das denn gerade??????"). Das ZDF zeigte hingegen keinerlei Reaktion oder Distanzierung von den Störgesängen. Auf KURIER-Anfrage konnte das Rätsel um die vermeintliche akustische Hacker-Attacke auf die heile Schlagerwelt nun aber gelöst werden: Laut der ZDF-Presseabteilung hatten einige Besucher während der Livesendung in ein Hintergrund-Mikrofon gerufen, welches dann jedoch nach dem Eklat von den Tontechnikern kurzerhand abgeschaltet wurde.

Laut ZDF-Pressesprecher Rainer Stumpf sieht sich der öffentlich-rechtliche Sender durch den Vorfall nicht zu verschärften Sicherheitsmaßnahmen - etwa einer leicht zeitversetzten Ausstrahlung - veranlasst. "Es handelte sich hierbei um einen Scherz, nicht um eine Kundgebung," so Stumpf, der die Sache mit Humor nimmt: "Den Charme des Fernsehgartens macht ja gerade auch die Live-Übertragung aus - 26 Jahre ohne Zwischenfall zeigen, dass man solch einem Scherz nicht allzuviel Gewicht beimessen sollte."

"Occupy Fernsehgarten"

Scherz hin oder her: Weil sich eine kleine Facebook-Gruppe namens "Occupy Fernsehgarten" gegründet hatte, die ihr Kommen für die aktuelle Show angekündigt und auch bereits einen "Schlachtplan" im Internet gepostet hatte, gab es im Vorfeld des "Fernsehgartens" bereits leichte Unruhe. Hatte man sich hier statt harmloser Twitterer etwa Krawallmacher ins Boot geholt? Auch der Redaktionsleiter der traditions- und quotenträchtigen Sonntagshow, Christoph Hillenbrand meinte, der Name der Aktion sei "eher unglücklich" gewählt. Die munteren Twitter-Aktivisten bezeichneten sich selbst als jene, die sonst "sonntagvormittags gemütlich mit dickem Schädel, Aspirin und einem Glas Rollmöpse vor der Glotze" hängen.

Der KURIER fragte eines der Mitglieder von "Occupy Fernsehgarten", ob die Gruppe mit der Störaktion zu tun gehabt hat. Facebook-User "Tackle Man" meint, am Showgelände gar nichts von den Rufen mitbekommen zu haben. Er mutmaßt: "Es wäre höchstens denkbar, dass irgendwelche alkoholisierten Zwischenrufer dies von sich gegeben haben, von Occupy FSG ging dies jedenfalls nicht aus".

Ob die Störer aber zumindest - als Trittbrettfahrer - durch den Facebook-Aufruf angelockt worden sein könnten, wird sich schwer feststellen lassen. Das ZDF konnte zumindest die Botschaft herauslesen, dass die Show, die dem Sender regelmäßig Traumquoten für die frühe Sendezeit beschert (diesen Sonntag lag der Marktanteil bei 22,3 Prozent), auch für ein jüngeres Publikum - unter dem Aspekt Party - interessant sein kann.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.

Kommentare