Peer Teuwsen bei der NZZ-Podiumsdiskussion zum Thema "Zukunft des Journalismus".

© KURIER/Gerhard Deutsch

NZZ
01/20/2015

Peer Teuwsen im Interview: "Die Zukunft der Medien wird sich an den Inhalten entscheiden"

Der Produktmanager der Neuen Zürcher Zeitung über NZZ.at und die "Herausforderung" Bezahlmodell.

von Karl Oberascher

Am Mittwoch, 21. Jänner, startet die Neue Zürcher Zeitung ihr Online-Portal NZZ.at in Österreich. Peer Teuwsen, bei der NZZ zuständig für Produktentwicklung, im Interview über neue Projekte des Schweizer Medienhauses und die Zukunft des Online-Journalismus.

KURIER: Kann man mit Journalismus allein auch in Zukunft noch Geld verdienen?
Peer Teuwsen: Ja, auf jeden Fall. Die NZZ am Sonntag, aber auch die NZZ selbst sind immer noch gewinnbringend. Also man sieht schon, dass man auch mit anständigem Journalismus noch Geld verdienen kann. Die NZZ ist die wichtigste Zeitung der Schweiz – und darauf kann man sicherlich auch in Zukunft bauen.

Ist das auch in Österreich finanzierbar? Welche Parallelen und Unterschiede sehen Sie im Vergleich zum österreichischen Werbemarkt?
Was die Schweiz betrifft, kann man sagen, dass die Werbewirtschaft sicherlich noch anständig ist. Was man, glaube ich, auch in Österreich mehr thematisieren müsste, ist die Rolle der öffentlich-rechtlichen Medien. In der Schweiz ist es jedenfalls so, dass sich die sehr ausgebreitet haben. Vom Jugendradio über den Online-Auftritt bis zum Info-Radio: In jeder Nische, in der privatwirtschaftliche Initiative möglich gewesen wäre, haben sich die Öffentlich-Rechtlichen sofort reingesetzt. Und da müsste man schon einmal diskutieren und klare Abgrenzungen vornehmen, was staatlich unterstützte Medien machen dürfen und was privatwirtschaftlichen überlassen bleiben soll. Es kann nicht sein, dass die Öffentlich-Rechtlichen überall sind mit den Steuergeldern, und dann auch noch fast grenzenlos Werbung eintreiben können.

Stichwort online: Warum tun sich alteingesessene Verlage so schwer, Produktinnovationen einzuführen und auch entsprechende Geschäftsmodelle dazu zu finden?
Ich glaube, generell kann man das so nicht sagen. Aber es gibt sicherlich diese Tendenz, diese Gefahr. Deswegen musst man Verlage heutzutage so organisieren, dass man die Zellenbildung möglich machst. Dass man also gewisse Leute, die sich auf diese Innovation verstehen, gewähren lässt. Das können kleine Think Tanks mit drei, vier Leuten sein, die man einfach mal machen lässt. Heute muss man Sachen ausprobieren, ohne zu wissen, ob sie wirklich funktionieren.

Ist NZZ.at eine von diesen Sachen?
Ja, wir sind sehr zuversichtlich, dass das funktionieren wird, sonst hätten wir es ja nicht gemacht, aber natürlich bleibt da ein Risiko. Vorbildlich ist NZZ.at zum Beispiel, weil man erkannt hat, dass man die Ressortgrenzen aufheben muss. Dass man die Welt in Themen, und nicht mehr in Ressorts ordnet. Ob dann in einem Land, wo alles gratis ist, jemand etwas dafür bezahlen will, das ist die Herausforderung, der wir uns stellen.

Wie lange geben Sie NZZ.at hierfür Zeit?
Da gibt es keine Vorgaben.

Gibt es auch schon Überlegungen für NZZ.de?
Wenn NZZ.at funktioniert, dann werden wir uns das sicher überlegen, aber im Moment gibt es in diese Richtung überhaupt keine Überlegungen.

Halten Sie die Konvergenz, also das Zusammenwachsen von Print und Online, für einen vernünftigen Weg?
Das geht schon. Man muss sich nur sehr genau überlegen, welcher Journalist was macht. Und da würde ich im Zweifelsfall sagen: Schuster, bleib bei deinem Leisten. Die NZZ hat da den großen Vorteil der Dossierverantwortlichkeiten der einzelnen Journalisten, die sich wirklich auskennen. Manchmal besser, als die zuständigen Beamten, und das muss man unbedingt beibehalten. Ich möchte nur davor warnen, irgendwelchen Generalisten alles machen zu lassen. Natürlich braucht es Community Manager und so weiter, aber wir müssen eigentlich viel mehr über die Publizistik reden: Was wollen wir für die Zeitung machen, was wollen wir online anbieten? Die Zukunft der Medien wird sich an den Inhalten entscheiden. Und da haben alle Medienhäuser viel zu wenig darüber – und stattdessen viel zu viel über Technologie - gesprochen. Dem Leser ist es doch egal, ob er der gute Kommentar oder die Glosse auf Papyrus oder am Tablet bekommt.

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