Aufnahmen für „Taan“ in einem Fernsehstudio in Islamabad

© dpa/dpa

Musical-Serie
08/26/2013

Pakistans "Glee"-Version kämpft mit Musik gegen Tabus

Die 26 Episoden der neuen TV-Serie behandeln mitunter kontroverse Themen wie Extremismus oder Homosexualität.

Hitzige Debatten stehen Pakistan bevor, sollten von September an die 26 ersten Episoden von "Taan" im Fernsehen laufen. Die Musicalserie berührt kontroverse Themen wie Homosexualität, Extremismus und Intoleranz gegen Minderheiten. Ihr Name bedeutet "Note" in der Nationalsprache Urdu. Gesungen wird viel - so wie in "Glee", der Erfolgs-Musicalserie aus den USA, die als Inspiration diente. "Taan" spielt an der fiktionalen Hayat Haveli Musikschule in Lahore. Mit Cover-Versionen von Hits des Landes spielen und singen sich die Darsteller durch die Handlung.

"So etwas wurde noch nie zuvor in Pakistan versucht", sagt der Autor und Produzent der Serie, Nabeel Sarwar. "Zum ersten Mal haben wir Musik mit Schauspiel verheiratet." Es geht um Liebe, Loyalität und Rivalitäten. Moral und Moderne, Realismus und Idealismus werden abgewogen - und das in dem tiefkonservativen islamischen Land.

Extremismus

Ein Strang folgt einem Talibanrebellen, der zunächst einen Anschlag auf die Musikschule plant, sich dann aber in eine christliche Mitschülerin verliebt. Zart geknüpfte Bande werden auf die Probe gestellt, als sie von seinem extremistischen Hintergrund erfährt.

Wie die pakistanischen Zuschauer auf solche Geschichten reagieren, ist abzuwarten. Momentan verhandeln die Produzenten mit mehreren Sendern über eine Ausstrahlung. Fernsehserien unterliegen in Pakistan keiner staatlichen Vorzensur, allerdings überprüft jeder Sender die Inhalte selbst auf Problematisches. Die Zensurbehörde kann öffentlich gezeigte Inhalte verbieten, wenn sie ihrer Meinung nach nicht den ethischen Richtlinien entsprechen. So wurde kürzlich die Ausstrahlung eines indischen Films verboten - eine Romanze zwischen einem Hindu und einer Muslimin.

Homosexualität

In "Taan" wird die Homosexualität eines Charakters angedeutet. Zuschauer könnten auch dies als Provokation auffassen. Nicht zum ersten Mal könnte dann Entrüstung in Gewalt umschlagen. Seit 2001 sind nach Angaben von Präsident Asif Ali Zardari mehr als 49.000 Menschen bei extremistischen Gewalttaten gestorben.

Kritiker fürchten, dass "Taan" Spannungen eher erzeugen könnte als sie zu lösen. "Ich glaube an die Meinungsfreiheit, aber wir sollten auf unser Umfeld achten, wenn wir etwas sagen oder zum Ausdruck bringen", sagt der Kunstkritiker Jamal Shah. "Ich denke, wir sollten bestimmte Anliegen darstellen, aber sie nicht aufbauschen, weil das mehr Angst erzeugt als dass es die Menschen informiert."

Musik

Das Produktionsteam gibt sich unbesorgt. "Wir haben keine Angst, da 'Taan' ein künstlerisches Erzeugnis ist und als solches gesehen werden sollte", sagt Regisseur Samar Razar. Die ausgewählten Themen sollten im zeitgemäßen Zusammenhang gesehen werden.

Hauptstütze der Serie ist ihre Musik. Für 100 der Top-Hits aus Pakistan haben die Produzenten die Lizenzen erworben. Die Idee mit der Musik als Teil des Drehbuchs kommt von der US-Erfolgsserie "Glee". Bei "Glee" wollen sich die Mitglieder eines Schulchors an die Spitze des Landeswettbewerbs singen und haben nebenbei mit der Gesellschaft und dem Erwachsenwerden zu kämpfen.

Auch wenn die Grundidee importiert sein mag, bringt "Taan" eigene Geschichten und einheimische Musik mit. Auch folgt die Serie der pakistanischen Fernsehtradition, Unterhaltung mit Information zu kombinieren. "Taan" sei für ihn auch der Versuch, "sich der wachsenden Verzweiflung und der 'Nichts zu verlieren'-Haltung, die sich immer häufiger unter der pakistanischen Jugend breitmacht, entgegenzustellen", sagt Autor und Produzent Sarwar. Die Serie biete eine hoffnungsvollere Botschaft: Dass das Leben, die Wünsche und Träume junger Leute eine Filmdarstellung wert sind.

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