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Interview
05/06/2014

ORF-Chef Wrabetz: Strategie bis 2020

Alexander Wrabetz lässt Frage über dritte Amtszeit unbeantwortet.

Die Umsetzung der ORF-Strategie 2020, das Standortprojekt am Küniglberg, stabile und positive ORF-Finanzen, ein neuer Kollektivvertrag und die Weiterentwicklung digitaler Projekte sind für ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz die zentralen Schwerpunkte in der Zusammenarbeit mit dem ORF-Stiftungsrat, der sich am Mittwoch zu seiner vierjährigen Amtsperiode konstituiert.

Dass das oberste Aufsichtsgremium des Senders zuletzt einmal mehr wegen seiner Nähe zu den Regierungsparteien für negative Schlagzeilen sorgte, sieht Wrabetz im Interview mit der APA weniger kritisch. Von "Vorgaben" aus Parteizentralen, wie Anfang der Woche die der SPÖ nahestehende scheidende Stiftungsratsvorsitzende Brigitte Kulovits-Rupp kritisierte, will Wrabetz jedenfalls "keine Wahrnehmungen" gemacht haben.

Quote für Musik aus Österreich? "Intern klären"

Die jüngste Diskussion um österreichische Musikquoten in den ORF-Radios will ORF-General Alexander Wrabetz Sender-intern klären. Von gesetzlichen Vorgaben hält der ORF-Chef wenig. "Ich halte das aus grundsätzlichen und rechtlichen Gründen für gesetzlich nicht lösbar. Europarechtlich ginge allenfalls eine Quote für österreichisches Mundartliedgut, aber das will ja wohl niemand", so Wrabetz.

Das in der Kritik stehende ORF-Radio Ö3 dürfe darüber hinaus nicht auf die Förderung österreichischer Musikschaffender reduziert werden. Ö3 habe auch die Aufgabe, ein breites Publikum anzusprechen und mit Information zu versorgen. Darüber hinaus finanziere der ORF mit Ö3 einen erheblichen Teil von Ö1 und des Radio Symphonie Orchesters. Ein "gutes Verhältnis zur Musikwirtschaft" ist dem ORF-General aber ein Anliegen. "Ich habe ja 2009 die Musikcharta ins Leben gerufen, und wir sind dadurch einige Schritte weitergekommen. In den letzten Monaten ist es aber nicht so gut gelaufen. Ich habe deshalb mit Ö3 vereinbart, dass wir dort im Mai beim österreichischen Musikanteil schon wieder über zehn Prozent liegen."

Weiterer Radiosender geplant

Zugleich plädiert der ORF-Chef für eine Diskussion über das Radioangebot des öffentlich-rechtlichen Senders. Probleme ortet er vor allem beim Musikangebot im ganz jungen Segment, da Ö3 zunehmend auf ältere Junge fokussiere. "Wenn sich die Radiolandschaft weiter segmentiert, dann sollten wir auch darüber diskutieren, ob der ORF nicht auch einen Radiosender für ganz Junge anbieten sollte, wie es die Bayern etwa mit dem Projekt Bayern 3 plus vorhaben, zunächst im digitalen Bereich." Wrabetz schwebt ein weiterer ORF-Radiosender vor. Arbeitstitel: 21 FM.

Digital ist besser

Als wesentlichen Schwerpunkt der ORF-Geschäftsführung bis zum Ende der laufenden Funktionsperiode im Dezember 2016 nennt Wrabetz die "Weiterentwicklung unserer digitalen Projekte". Am Dienstag stellte der Sender denn auch seine neue News-App vor - "eine wichtige Weiterentwicklung von ORF On". Im Herbst soll laut Wrabetz eine Sport-App kommen, dem werden danach erste Implementierungen eines Social Media Programmguides folgen. Am Ende steht das "strategisch wichtige Projekt 'My ORF'". Als "weiteren wichtigen Schritt" führt der ORF-Chef die HD-Umstellung der "Bundesland heute"-Sendungen sowie der Spartenkanäle ORF III und ORF Sport + an. "Ziel ist es, bis 2020 etwa 90 Prozent aller Haushalte auf HD umzustellen", so Wrabetz.

Dritter Schwerpunkt ist die Programmstrategie. "Wir haben nächste Woche eine Klausur, wo wir zum ersten Mal eine Content-Strategie für die vier Kernbereiche Information, Kultur/Bildung, Sport und Unterhaltung medienübergreifend diskutieren wollen", berichtet der ORF-General. "Besondere Aufmerksamkeit" und eine "stabile Entwicklung" brauche es darüber hinaus für ORF eins.

Dritte Amtszeit?

Ob sich Wrabetz bei der nächsten planmäßigen Wahl der ORF-Geschäftsführung im Sommer 2016 wieder als Generaldirektor bewerben wird, ließ dieser am Dienstag offen. Das Nachrichtenmagazin "profil" hatte ja zuletzt darüber spekuliert, dass der ORF-Chef bereits seine dritte Amtszeit vorbereite.

Die geplanten Kooperationen mit der "Kronen Zeitung" rund um die Fußball-WM-App der Tageszeitung sowie bei der Umweltinitiative "Mutter Erde braucht dich" will der ORF-Chef dabei nicht überbewertet wissen. In der Medienbranche wird die Zusammenarbeit der beiden größten Medien des Landes seit jeher kritisch beäugt.

Personelle Änderungen in der Geschäftsführung plane Wrabetz nicht. In Medienberichten war jüngst etwa die Rede davon, dass die TV-Information wieder aus der Fernseh-Direktion herausgezogen und unter eigene Verantwortung gestellt werden könnte. "Es gibt von meiner Seite derzeit keine Überlegungen für personelle Veränderungen", stellt Wrabetz dazu klar.

Dass Wrabetz und sein Finanzdirektor Richard Grasl schon jetzt eine Art Doppelspitze bilden, sieht der ORF-Chef nicht so. "Der Kaufmännische Direktor des ORF hatte immer schon eine relativ starke Rolle, weil er eine bereichsübergreifende Funktion ausübt, und er hat eine wichtige Rolle bei der finanziellen Entwicklung des Senders. Aber es gibt eine klare, dem ORF-Gesetz entsprechende Aufgabenverteilung."

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