Norwegen, 2010: Ein Eisbär mit dem Kadaver eines Finnwals

© Florian Schulz

National Geographic
10/17/2013

125 Jahre Abenteuer auf der Lesecouch

Seit 125 Jahren erforschen Fotoreporter weit entfernte Ecken der Welt für uns.

von Martin Burger

Die Bananenkiste ist bis oben vollgestopft mit Bildern. 30.000 grob geschätzt. Die Bilder müssen alle gesichtet werden, am Ende bleiben acht Fotos für die Belichtung übrig. Das sind die frühesten Erinnerungen von Erwin Brunner an seine Arbeit bei National Geographic, dem Traumziel jedes Fotografen und Reporters. Vergleichsweise luxuriöse Arbeitsbedingungen herrschten und herrschen zum Teil immer noch bei dem US-Magazin.

Kaum vorstellbare 18 Monate, eineinhalb Jahre, war Fotograf Michael („Nick“) Nichols zuletzt für sein 50-seitiges Special „Löwen der Serengeti“ (National Geographic, August 2013) draußen, um Bilder zu machen, Land und Leute richtig kennenzulernen und dem Autor des Berichts, der später dazu gestoßen ist, zu sagen, mit wem er unbedingt reden muss. Der lange Atem ist eine Tradition des Magazins. Die Macher feiern am 17. Oktober das 125-jährige Bestehen dieses Zentralorgans für Entdeckungsreisende.

Dabei hatten die Gründerväter von National Geographic in den Anfangsjahren durchaus tagesaktuelle Ambitionen, schildert der Chefredakteur von National Geographic Deutschland (seit 1999), Erwin Brunner.

Anfangs-Aktualität

Als im Mai 1902 der Vulkan Mont Pelée auf Martinique ausbrach, brach in der Society „tageszeitungsmedialer Ehrgeiz“ aus, sagt Brunner, „man hatte die Mittel, also schickte man jemand dorthin“. Der Bericht erschien ein halbes Jahr später. Und so ist es bis heute. „Der Antrieb war damals derselbe: dort draußen ist etwas, bringen wir es unseren Lesern auf die Couch nach Hause.“

In Zeiten des Internet und der sozialen Medien, wirkt das langsame Herantasten an ein Thema antiquiert. Das war nicht immer so. „In den Anfangsjahren gab es keine Medien im heutigen Sinn. Aber es kamen Leute zurück, Forscher, Abenteurer, Reisende, und die haben ihre Erlebnisse geschildert. Heute sind wir medial dermaßen überflutet, dass wir bewusst auch wieder unsere Protagonisten in den Vordergrund stellen“, erläutert Brunner.

Ein Mann, sagen wir er heißt Arved Fuchs und ist Polarforscher, spricht zu einem Auditorium und zeigt seine Bilder her. Es funktioniert: „Da ist keine Mattscheibe dazwischen, da ist kein Fernsehen, der ist einfach da, diese Unmittelbarkeit der Berichterstattung ist das Geheimnis, so brechen wir die Mittelbarkeit des Fernsehens. Sie dürfen sich das nicht wie einen Diavortrag aus den 80ern vorstellen, das sind tolle Bilder und hervorragende Erzähler“, schwärmt Brunner.
(Runterscrollen um weiterzulesen)

Bilder: 125 Jahre Fotoreportage

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In this photo provided on Friday Feb. 15, 2013 by …

erstes Cover des deutschsprachigen NG…

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Das Herz von National Geographic ist aber immer noch das Magazin. Zwei aktuelle Beispiele:

Der NG-Autor Michael Finkel lebte drei Wochen bei den Hadza, einem Jäger-Volk in Tansania. „Er geht mit ihnen auf die Jagd, isst, was die Hadza essen, er taucht wirklich als Begleiter in ihre Lebenswelt ein.“

Der Fotograf David Alan Harvey arbeitet am liebsten auf Kuba. Bevor er dort zum ersten Mal den Auslöser drückt, treibt er sich eine Woche lang in der Gegend herum. An Plätzen, an denen er später fotografieren möchte, zeigt er sich, er trinkt Schnaps an der Bar, schaut Kindern beim Fußball spielen zu, und wartet geduldig auf den richtigen Moment. Daran, sagt Brunner, erkenne man einen NG-Fotografen auf Expedition: „Die haben es nie eilig.“

Das sollten Sie lesen: Das große National Geographic Buch von Mark Collins Jenkins, 125 Jahre Bilder, Abenteuer und Entdeckungen, die die Welt veränderten, 383 Seiten, Preis: 41,10€.

Atemberaubende Bilder aus aller Welt

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