APA9747612-2 - 09102012 - WIEN - ÖSTERREICH: ZU APA-TEXT KI - ORF-Fernsehdirektorin Kathrin Zechner am Dienstag, 9. Oktober 2012, während der Präsentation der neuen ORF-Sendeformate "Im richtigen Leben - Der neue Mittwoch" in Wien. APA-FOTO: HERBERT NEUBAUER

© APA/HERBERT NEUBAUER

Zechner-Bilanz

Vom frischen Wind zur dicken Luft

Kathrin Zechners erstes Jahr als ORF-Programmdirektorin war durchwachsen.

von Anna Gasteiger

01/08/2013, 05:40 PM

Unverdrossen oder unverbesserlich? Hängt davon ab, wen man fragt. ORF-TV-Direktorin Kathrin Zechner ist jedenfalls fest entschlossen, den ORFeins-Mittwoch neu aufzustellen. Erfolgreich neu aufzustellen. Der erste Anlauf im Herbst ging daneben, kommende Woche startet mit „Undercover Boss“ (16. 1., 22 Uhr) eine neue Dokusoap: Firmenbosse werden als einfache Mitarbeiter in ihre eigenen Unternehmen eingeschleust. Fünf Folgen lang hat das Format, das schon seit Jahren auf RTL läuft, Gelegenheit, sich zu beweisen. Dann soll was Neues nachkommen. Bei der Präsentation von „Undercover Boss“ am Dienstag sprach Zechner von „sieben, acht Ideen“, die noch der Umsetzung harren.

Ein Jahr lang ist die ehemalige Musical-Chefin der VBW jetzt im Amt – ein durchwachsenes Jahr. Es begann mit Ruhe im Windschatten der Pelinka-Affäre und endete im Sturm der Kritik. Nicht nur der ORFeins-Mittwoch – „Hast du Nerven?“ mit Mirjam Weichselbraun kam zuletzt auf magere sieben Prozent Marktanteil und wird eingestellt –, auch die Stermann & Grissemann-Show „Keine Chance“ ging daneben. Für ihre Entscheidung, Sido nach der Prügelei mit Dominic Heinzl in die „Große Chance“-Jury zurückzuholen, wurde Zechner u. a. von ORF-Stiftungsräten heftig kritisiert. Und dass sie Nadja Bernhard zur neuen „Zeit im Bild“-Moderatorin machte, sorgte für Wirbel. Andererseits: Das neue Mittagsmagazin und ORF 2-Nachmittagsschiene funktionieren, die Verlegung der Donnerstagsnacht auf Dienstag verlief unfallfrei.

Experimente

Zechner selbst verweist auf die Umstände: große Konkurrenz, eingeschränkte Ressourcen. Und fordert Mut zum Experiment. Man müsse Ausprobieren, um herauszufinden, was funktioniert. Ihr Programm ist Leidenschaft: „Wenn man nur Dienst nach Vorschrift machen würde, wäre es langweilig.“

Ein Zugang, der polarisiert. (ORF-interne) Kritiker berichten etwa von enormen Problemen bei der Vorbereitung der neuen verlängerten „ZIB 20“. Will die Frau zu viel? Bringt sie zu wenig zustande? Das ist in der Hitze des Gefechts und nach nur einem Jahr an der ORF-Front oft schwer zu unterscheiden. „Dieses Land ist schon geübt in einer Verwobenheit, die nicht immer nur das Leistungsprinzip im Auge hat“, analysiert Zechner.

Die neue „ZIB 20“ soll im März starten. Fiktionale Entwicklungen für den Vorabend befinden sich noch in – budgetärer – Schwebe.

Das Gesamtpaket ist wichtig

Kathrin Zechner, geboren 1963 in Graz, war von 1994 bis 2002 bereits ORF-Programmintendantin. Nach zehn Jahren bei den Vereinigten Bühnen kehrte sie 2012 zum ORF zurück. Vor ihrem Antritt kündigte sie an, österreichische Produktionen ausbauen zu wollen. Zechner beschreibt sich als „Workaholic-Frau, die sich nur am Programm und am Publikum“ orientiert.

KURIER: Wie sieht Ihre Bilanz nach einem Jahr aus?
Kathrin Zechner: Die Herausforderung war, mit extrem begrenzten Ressourcen in einem extrem harten Wettbewerbsumfeld zu bestehen. Vor diesem Hintergrund ist mein Resümee ein solides, bis auf das eine oder andere Mittwochformat. Mit null Mehrbudget täglich 45 Minuten mehr im Infobereich zu stemmen, das kann kein anderer Sender. Und auch wenn Grissemann/Stermann „nur“ das Publikum mitgenommen haben, das sie im Spätabend haben – das Wichtigste ist, dass wir ausprobieren. Das ist das, wofür ich brenn’. Wenn man nur Dienst nach Vorschrift machen würde, wäre es doch langweilig.

Wäre es nicht Zeit für einen großen Erfolg „made by Zechner“?
Wir haben diese Woche mit dem Mittagsmagazin zum ersten Mal die 200.000-Zuschauer-Marke geknackt. Das ist für mich ein großer Erfolg. Die „Comedy-Chance“ und das Stratos-Projekt, das ich von Red Bull mit eigenständiger Präsentation in den ORF gebracht habe, waren große Erfolge. Wichtig ist, dass man neue Projekte entwickelt, die das Programm nachhaltig prägen. Ob die im Hauptabend, im zweiten Hauptabend oder untertags erfolgreich sind – das Gesamtpaket ist wichtig. Dazu gehört auch „Selbstverständliches“, wie dass wir etwa die besten Themen im „Report“ haben oder die Heeresreformdebatte begleiten.

Sie weisen immer wieder auf „begrenzten Ressourcen“ hin. Haben Sie zu wenig Spielraum?
Das ist nicht als Beschwerde gemeint. Es ist nur faktisch so, dass die Zeiten des barocken Daseins eines Programmdirektors vorbei sind. Man kann sich nicht jeden Wunsch erfüllen, sondern muss auf Eckpfeiler achten: unverwechselbare Serien und Dokumentationen, die beste aktuelle Berichterstattung, das größte Korrespondentennetz. Oder zum Beispiel die Ski-WM in Schladming: auch hier wollen wir die Besten sein – mit neuer Brillenkamera, neuem App-Angebot, Rundumprogramm und als Host- Broadcaster für die Welt.

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