Die letzte Ausgabe der International Herald Tribune in Bangkok

© APA/NARONG SANGNAK

International Herald Tribune
10/15/2013

New York ist überall

Warum die "International Herald Tribune" umbenannt wurde.

von Georg Leyrer

Es scheint – angesichts der lustvoll verbreiteten Hiobsbotschaften aus der Medienbranche – eine Kleinigkeit: Eine Zeitung wurde umbenannt. Gestern erschien die letzte Ausgabe der International Herald Tribune, ab heute heißt das in 180 Ländern vertriebene Blatt International New York Times. Und doch ist die Umbenennung ein überdeutliches Symptom jenes Umbruches, den die Medien, insbesondere die Tageszeitungen, derzeit erleben.

Dass es die Herald Tribune überhaupt noch gibt, widerspricht vehement der Tageszeitungs-Untergangsrhetorik: Die einzige wirklich internationale Zeitung wird in Paris, Hongkong und New York konzipiert und erscheint an sechs Tagen die Woche auf Papier. Mit hohem Aufwand wird sie in 38 verstreuten Druckzentren gedruckt und – auch in Wien – bis vor die Haustür geliefert.

Ein Riesenaufwand, insbesondere da der Mutterkonzern, die renommierte New York Times, den internationalen Lesern eine aufwendige Webseite und eine innovative Nachrichten-App bietet. 20 Millionen Leser aus aller Welt nützen Monat für Monat die Webseite. Doch anstatt die Papierzeitung angesichts dessen zurückzufahren oder überhaupt einzustellen, gilt die Umbenennung als Aufwertung – zwar nicht unbedingt der Zeitung, aber der Marke New York Times.

Denn diese positioniert sich zunehmend als internationales Medienhaus, das die weltweite Berichterstattung über Großereignisse bestimmt. Der Anspruch, der höchstwertige „24-Stunden-Newsroom“ für die ganze Welt zu sein, soll durch die Namens-Einverleibung der internationalen Printausgabe nun einzementiert werden. Die Pariser Heimat der Zeitung – dort wurde sie vor 125 Jahren gegründet – soll bestehen bleiben. Wie eigenständig diese Redaktion aber in Zukunft sein wird, darüber hält sich das Unternehmen bedeckt.

Nicht weinen

Am Montag ging mit der Umbenennung vorerst einmal ein Stück Mediengeschichte zu Ende. Wie sehr die Herald Tribune im medial benachteiligten Wien einst Tor zur Welt war, ist im vernetzten Heute kaum mehr vorstellbar: Höchstwertiger internationaler Journalismus oder auch die Basketballergebnisse aus der US-Profiliga waren bis in die 1980er anderweitig kaum zu bekommen. „Nicht weinen“, hieß es zum Abschied in der Zeitung, mit nur ein bisschen Selbstironie.

Info: International Herald Tribune

Das englischsprachige Blatt wurde vor 125 Jahren als Europa-Ausgabe des „New York Herald“ gegründet. Seit 1967 als International Herald Tribune am Markt. Die Zeitung war lange Jahre die einzige Möglichkeit, die hochwertigen Artikel der New York Times (und auch des ehemaligen Mitbesitzers Washington Post) international zu lesen. Ab heute heißt sie International New York Times.

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