© APA/Tobias Hase

Nach 45 Jahren
04/11/2014

Bravo spart bei "Dr. Sommer"

Nach 16 Jahren muss die "Dr. Sommer"-Teamleiterin Jutta Stiehler gehen.

Generationen pubertierender Jugendlicher holten sich hier Rat zu Sex und Liebe - nun spart die Zeitschrift Bravo beim "Dr.-Sommer"-Team. Die Diplom-SozialpĂ€dagogin Jutta Stiehler muss nach vielen Jahren als Teamleiterin gehen. Einen entsprechenden Bericht der SĂŒddeutschen Zeitung bestĂ€tigte am Freitag ein Sprecher der Bauer Media Group.

Die Rubrik "Dr. Sommer" - seit 45 Jahren ein fester Bestandteil des Hefts - werde es aber weiterhin geben. Bravo steht unter großem Spardruck. Die Auflage ist seit 1998 von fast 970.000 verkauften Exemplaren pro Woche auf 192.000 gesunken. Stiehlers Vize Sabine Kadolph soll kĂŒnftig mit freien Mitarbeitern die Fragen der Leser beantworten. Christina Bigl, Leiterin der Foto-Redaktion und seit 38 Jahren bei Bauer, muss ebenso gehen.

"Das Alleinstellungsmerkmal von "Dr. Sommer" war immer die persönliche Beratung", sagte Stiehler der SZ. "Aber tatsÀchlich bekommen die Leser jetzt offenbar hÀufig vorgefertigte Antworten, da bleibt ein bitterer Nachgeschmack."

"BeratungsqualitÀt bleibt"

Der Sprecher der Bauer Media Group hielt dagegen: "Die Anfragen werden in der Regel persönlich beantwortet. Die hohe BeratungsqualitÀt ist der Kern des "Dr.-Sommer"-Teams. Das bleibt auch so." Die Themen Liebe, Sex und AufklÀrung spielten weiter eine wichtige Rolle bei Bravo.

Erster "Dr. Sommer" war 1969 der DĂŒsseldorfer Psychotherapeut Martin Goldstein gewesen. 15 Jahre lang leitete Goldstein die Rubrik, die das Heft 1972 zweimal auf den Index der BundesprĂŒfstelle fĂŒr jugendgefĂ€hrdende Schriften brachte. Als Goldstein die Selbstbefriedigung enttabuisierte, befanden die staatlichen JugendschĂŒtzer: "Die Geschlechtsreife allein berechtigt noch nicht zur Inbetriebnahme der Geschlechtsorgane."

Damals gingen tausende Briefe wöchentlich in der Redaktion ein. Die Bravo stellte ein ganzes Team ein, um sie nach Goldsteins Vorgaben "unverklemmt" zu beantworten. Dabei war der AufklÀrer Goldstein, der 2012 im Alter von 85 Jahren starb, selbst nie aufgeklÀrt worden. "Mit 23 Jahren hatte ich das erste Mal nÀheren Kontakt zu einer Frau", erzÀhlte er einmal aus seiner Zeit als Medizinstudent im PrÀparierkurs: "Sie hatte keinen Kopf und schwamm in einer giftigen Lauge."

BRAVO: Teufelszeug und Achselhaare

Jederzeit und ĂŒberall top-informiert

UneingeschrÀnkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.