Apotheker versorgen im Nachtdienst im Schnitt 17 bis 18 Kunden.

© APA/BARBARA GINDL

Hilferuf
03/04/2016

Apotheker fordern 15 Millionen für Bereitschaft

Der Staat soll die Hälfte der Kosten für Nachtdienste tragen, fordert der Apothekerverband.

von Simone Hoepke

Die Apotheker wollen die Kosten für ihre Nachtdienste nicht mehr länger alleine tragen. "Jede Nacht haben 280 Apotheken in Österreich geöffnet, das kostet 33 Millionen Euro im Jahr", rechnet Christian Müller-Uri, Präsident des Branchenverbandes vor. Durchschnittlich 17 bis 18 Kunden würden pro Bereitschaftsdienst bei den Betrieben klingeln. Die Nachtgebühr von maximal 3,80 Euro, die Kunden ab 20 Uhr abends bezahlen müssen, würde aber keine drei Millionen Euro im Jahr einbringen. Die Branche bleibt demnach auf Kosten von 30 Millionen Euro im Jahr sitzen. Der Apothekerverband fordert jetzt 15 Millionen Zuschuss von der öffentlichen Hand – solche Zuschüsse würde es schließlich in Nachbarländern auch geben.

Auch wenn viele in einer Apotheke noch immer die Lizenz zum Gelddrucken sehen: Fast jede dritte Apotheke schreibt Verluste. Schuld daran sei der Sparzwang im Gesundheitswesen. Apotheken machen im Durchschnitt 70 Prozent ihres Umsatzes mit rezeptpflichtigen Medikamenten, die von Ärzten auf Kassenkosten verschrieben werden. Sonderrabatte, Finanzierungsbeiträge für die Krankenkassen sowie geringe Aufschläge für hochpreisige Arzneimittel drücken die Apotheker-Spannen auf historische Tiefstände, klagt Müller-Uri: "Von zehn Euro netto, die wir von der Krankenkasse bekommen, bleiben uns 1,60 für die Bezahlung der Mitarbeiter, Mieten und sonstigen Kosten."

Andrang trotz Verlusten

Auch wenn jede dritte Apotheke Verluste schreibt, geht kaum eine Pleite. Das liege an "Auffangmechanismen" in der Branche, heißt es. Trotz all dem Wehklagen gibt es in den Städten für jede frei werdende Apotheke eine Reihe von Interessenten. Das werde sich in fünf bis zehn Jahren ändern, glaubt Sven Abart, Direktor des Apothekerverbandes: "Ein Drittel der Apotheker ist jetzt über 60 Jahre alt. Sie profitieren von alten Mietverträgen und derzeit von niedrigen Zinsen bei Krediten." Mit dem Generationenwechsel werde es vor allem in entlegenen Gebieten schwer, Nachfolger zu finden, so Abart. In der Vergangenheit hat nur etwa alle 15 Jahre ein Apotheke aufgegeben. Dagegen kamen bis zu 40 neue Standorte im Jahr dazu. Österreichweit gibt es 1360 Apotheken.

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