Zukunft der Apotheken: Von der Impfung bis zum Lieferservice

Apotheken können Experten zufolge das Gesundheitssystem entlasten. Wegen fehlender Profitabilität drohen aber einige Insolvenzen.
Eine Apothekerin misst den Blutdruck eines Kunden.

Die Zeiten sind hart für die heimischen Apotheken. Die wirtschaftliche Lage sei „durchaus angespannt“, sagt Filip Conic, Berater im Gesundheits- und Life Sciences-Bereich beim Beratungsunternehmen Roland Berger. Die Profitabilität der Apotheken würde im Durchschnitt immer weiter abnehmen. Das zeige sich im In- und Ausland. „In Deutschland gibt es ein wahres Apothekensterben. Da sperren jedes Jahr mehrere Hundert Apotheken zu. In Österreich gab es zum Glück bis dato kaum Insolvenzen.“

Um solche auch in Zukunft zu verhindern, müsse sich die Rolle der Apotheken wandeln, so der Experte. „In Österreich sind sie in dem, was sie machen dürfen, aktuell noch relativ beschränkt.“  In der Schweiz würden Apotheken nicht nur Impfungen durchführen, sondern auch verschiedene Beratungsleistungen anbieten, etwa zu den Themen Diabetes oder Nikotinentzug. Auch im Nachbarland Italien dürfen sie mittlerweile nach einer Gesetzesreform deutlich mehr Serviceleistungen anbieten. 

Ein Mann im Anzug steht lächelnd vor einer grauen Wand.

Filip Conic, Berater im Gesundheits- und Life Sciences-Bereich bei Roland Berger.

Gesundheitssystem könnte durch Apotheken entlastet werden

Pläne, die Rolle der Apotheken zu stärken und das Gesundheitssystem so zu entlasten, gibt es auch in Österreich. Ab 2027 sollen sie ebenfalls Impfungen anbieten dürfen. Dadurch sollen die Impfquoten erhöht werden. Laut Apothekerkammer haben bereits mehrere Tausend Pharmazeuten die erforderliche Impfausbildung absolviert. Die Ärztekammer lehnt das Vorhaben der Regierung ab. Impfungen seien „aus gutem Grund eine ärztliche Leistung“, heißt es, mit Verweis auf die Patientensicherheit. Conic wiederum hält es „nicht für verkehrt“, Gesundheitsausgaben wie Impfungen in die Hände von Apotheken zu legen. 

Auch der Markt habe sich in den vergangenen Jahren stark verändert. „Eine Apotheke steht nicht direkt im Wettbewerb mit einer benachbarten Apotheke. Dafür sorgt etwa auch der Gebietsschutz.“  Stattdessen sei der Versandhandel der größte Konkurrent. Anbieter wie etwa shopapotheke.at  können beim Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten seit Jahren Marktanteile gewinnen. Conic schätzt, dass 20 Prozent des Absatzes von rezeptfreier Arzneien aus den stationären Apotheken in den Online-Handel abgewandert sind.

Auch von Drogerieketten wie etwa dm gab es in der Vergangenheit wiederholt den Versuch, ebenfalls ins Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten einzusteigen. Conic sagt dazu: „Einerseits ist die Margenlage für alle Marktteilnehmer schon jetzt nicht dort, wo sie sie gerne hätten. Andererseits ist das Marktpotenzial groß.“ So würde etwa die Überalterung die Nachfrage nach Arzneimitteln immer mehr steigern.

Eine Schwachstelle der Online-Apotheken sei die Lieferzeit. „Eine Person mit akuten Beschwerden wartet nicht zwei Tage, bis die Medikamente da sind“, sagt Conic. Gerade dort sieht er eine Chance für stationäre Apotheken, und zwar in Form des „Quick-Delivery“, also der schnellen Lieferung. Solche Angebote gibt es in Österreich aktuell nur vereinzelt. Sie könnten in Zukunft aber zunehmen.

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