Anlegerkrimi „Green Finance“: Drei Beschuldigte enthaftet
Davon kann René Benko nur träumen. Im mutmaßlichen Anlagebetrugskrimi Green Finance/Sun Contracting sind die drei Hauptbeschuldigten Christian S., Martin H. und Michael K. vor wenigen Tagen nach eineinhalb Monaten U-Haft in die Freiheit entlassen worden. Dabei besteht laut der Wiener Haft- und Rechtsschutzrichterin weiterhin ein dringender Tatverdacht.
Mitte Dezember 2025 war es zu umfangreichen Hausdurchsuchungen und zu den Festnahmen gekommen. Dem Trio wird unter anderem vorgeworfen, die Photovoltaik-Firma GW Energie Holding GmbH mit 125 Photovoltaikanlagen in Österreich und Liechtenstein um einen Euro gekauft zu haben und diese dann am selben Tag um sechs Millionen Euro an die Sun Contracting AG weiterverkauft zu haben. Den Verkaufserlös in Höhe von sechs Millionen minus ein Euro soll das Trio zu gleichen Teilen eingesackt haben.
„Ich habe bei der WKStA mehrere Beweisanträge eingebracht und die WKStA selbst hat die Enthaftung meines Mandanten beantragt“, sagt Johannes Zink, Verteidiger des früheren Green-Finance-Chefs Christian S.
Gelöbnis abgegeben
Laut Richterin sei „die Aufrechterhaltung der U-Haft nicht das einzige Mittel, das Risiko der Tatbegehungsgefahr hintanzuhalten“, es gebe gelindere Mittel. So musste Ex-Finanzmanager S. bloß ein Gelöbnis abgeben, dass er die Ermittlungen nicht erschwert, dass er zu den anderen Beschuldigten und Aktionären keinen Kontakt aufnimmt, dass er keinen Finanzdienstleistungen mehr nachgeht und seinen Beratervertrag mit Green Finance kündigt. Außerdem wurde Christian S. die Weisung erteilt, seine Ausbildung zum Sanitäter fortzusetzen und eine derartige Beschäftigung aufzunehmen.
150 Millionen Euro
Anwalt Zink ist verwundert darüber, dass die WKStA beim Kaufpreis für die GW Energie Holding von einem Euro ausgegangen ist, denn es sind auch Schulden in Höhe von 1,5 Millionen übernommen worden. Auch soll dem Verkäufer eine zehnprozentige Beteiligung an einem Unternehmen übertragen worden sein.
Indes geht es im Hauptstrang der Causa Green Finance/Sun Contracting um einen mutmaßlichen Anlagebetrug in Höhe von zumindest 150 Millionen Euro.
„Das wird vehement bestritten und wir werden Schritt für Schritt den Verdacht entkräften“, sagt Verteidiger Zink. Die WKStA ermittelt u. a. auch im Zusammenhang mit Aktienverkäufen wegen des Verdachts der Untreue und betrügerischen Krida gegen fünf Green-Finance-Macher.
Totalverlust droht
So soll Sun Contracting von Mai 2023 bis September 2024 Namensaktien im Wert von 44 Millionen ausgegeben haben. Aus den „daraus generierten Einnahmen flossen (...) in mehreren Tranchen“ insgesamt 8,11 Millionen Euro an Gesellschaften der drei Hauptbeschuldigten Christian S., Martin H. und Michael K. sowie zweier weiterer Handlanger. „Der Schaden ist daher um ein Vielfaches höher als der zuletzt angenommene Betrag von 1,432 Millionen Euro“, heißt es im Haftprüfungsprotokoll.
Die Anleger der Sun-Contracting-Gruppe müssen mit einem Totalverlust ihres Investments rechnen, weil die Gesellschaften mit insgesamt 91 Millionen Euro Schulden pleite gegangen sind.
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