Wirtschaft
13.04.2012

Anker: Tauziehen in der Eigentümer-Familie

Anker-Chef Peter Ostendorf will mehr Anteile an der Großbäckerei und soll bereits auf der Suche nach Partnern sein.

In Deutschland bäckt die Familie Ostendorf künftig kleinere Brötchen. Ihre Müller-Brot-Fabrik bei München wurde am 30. Jänner wegen Hygienemängeln geschlossen, das Unternehmen ging in die Insolvenz. Der Versuch von Ex-Eigentümer Klaus Ostendorf, die Firma von seinen Gläubigern zurückzukaufen, scheiterte.

Auch in seiner Wiener Großbäckerei Anker dürfte es bald eine neue Eigentümerstruktur geben. Die Familie von Klaus Ostendorf hält seit 2003 die Mehrheit an Anker, Sohn Peter führt seit neun Jahren die Geschäfte. Und der 40-Jährige will jetzt noch mehr in der Firma zu sagen haben, ist in der Branche zu hören.

Derzeit halten die Ostendorfs über die Famos GmbH 60 Prozent an Anker. Hinter Famos stehen zu je 25 Prozent Peter Ostendorf, einer seiner Brüder, sowie seine Eltern. 40 Prozent an Anker hält Investor Michael Philips.

Peter Ostendorf, der in dieser Konstellation 15 Prozent an Anker hält, kann nichts ohne Zustimmung der anderen Gesellschafter entscheiden. Deshalb soll er jetzt auf mindestens 50 Prozent aufstocken wollen. Und auch nicht abgeneigt sein, neue Partner ins Unternehmen zu holen. Ostendorf selbst hält sich zu den Gerüchten bedeckt und spricht von einer "mittelfristigen Perspektive".

Er soll aber schon recht umtriebig auf Partnersuche sein und erste Angebote haben. Interesse wird dem Vorarlberger Großbäcker Ölz nachgesagt, der bereits einen Teil der Auslieferung von Anker-Brot übernommen hat. Firmenchef Bernhard Ölz dementiert aber: "Anker ist nicht eine Schuhnummer, sondern eine Schuhschachtel zu groß für uns. So viel Geld haben wir nicht." 2005 ist Ölz bei der Zuckerbäckerei Jomo eingestiegen, 2011 hat er Thurner Beugl übernommen. 2011 hat Ölz 187 Mio. Euro umgesetzt.

Täglich 200 Tonnen

Anker ist tatsächlich keine kleine Nummer. Bis zu 200 Tonnen Backwaren laufen täglich in Wien (90 Prozent) und Leoben 10 Prozent) vom Band. Anker nennt sich den größten Verarbeiter von heimischen Mehl und mit 140 eigenen Shops den größten Bäcker-Filialisten im Land. 2011 setzte Anker mit 1700 Mitarbeitern 135 Mio. um.

Mit der Insolvenz in Deutschland haben die aktuellen Überlegungen zur Umstrukturierung nichts zu tun, so Ostendorf. Die Müller-Pleite habe keine Auswirkungen auf Anker. Die Darlehen, die Anker aus Deutschland bekommen hat, seien von den Gesellschaftern, nicht von Müller gekommen. Daher hätte er auch vom Müller-Brot-Insolvenzverwalter nichts zu befürchten.

Bäcker setzen auf Rohlinge

Der Backwarenmarkt ist im Umbruch. Da immer mehr Lebensmittelhändler Backshops einrichten und tiefgekühlte und halb gebackene Ware aufgebacken, spielt es keine Rolle mehr, wo die Teiglinge vom Band laufen.

Für die Bäcker wächst damit die Konkurrenz aus dem Ausland – und die Chance, den eigenen Radius zu erweitern. Viele reduzieren den Bauchladen an Artikeln und setzen auf Tiefgekühltes und Halbgebackenes.

Anker hat den Tiefkühl-Anteil binnen sechs Jahren von 30 auf 50 Prozent erhöht. Im Vergleich zu 2003 ist die Zahl der angebotenen Artikel um 40 Prozent gesunken. Das Werk in Leoben wurde jüngst auf Spezialitäten wie Ciabatta ausgerichtet. 2011 hat Anker 700.000 Euro in eine neue Anlage investiert. Die acht steirischen Anker-Filialen wurden geschlossen. Damit sind nur noch fünf der 140 Filialen außerhalb Wiens. Die Exportquote von Anker liegt noch im einstelligen Prozentbereich. Erst seit rund einem Jahr wird ins Ausland, vor allem nach Ungarn und Tschechien, geliefert.