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Wirtschaft
09/24/2020

AMS-Wien-Chefin: "Personal wird nicht ganz ausreichen"

Petra Draxl über die Herausforderung von AMS-Schulungen und Job-Vermittlung bei steigenden Covid-19-Zahlen.

von Anita Staudacher

Mehr Arbeitslose im Herbst und Winter bei zugleich steigenden Corona-Infektionszahlen stellen das Arbeitsmarktservice (AMS) vor riesigen Herausforderungen. Wien trifft es besonders stark. Hier ist die Arbeitslosenquote mit 15 Prozent weit höher als im Bundesschnitt. Der KURIER sprach mit AMS-Wien-Chefin Petra Draxl über Kurse im Ampelmodus, Personalnot und das Comeback des umstrittenen Algorithmus.

KURIER: Nächste Woche endet die zweite Kurzarbeitsphase. Rechnen Sie damit, dass viele Kurzarbeiter in der Arbeitslosigkeit landen?

Petra Draxl: Ja, die Kurzarbeit wird in Wien sinken, die Arbeitslosigkeit dafür steigen. Besonders für den Wiener Tourismus sieht es für den Winter schlecht aus. Aus der Stadthotellerie- und Gastronomie werden viele Kündigungen kommen.

Für Jänner wird ein neuer Arbeitslosen-Höchststand erwartet. Auch in Wien?

Ja, wir rechnen auch mit einem Höhepunkt im Winter.  Für die Baubranche hängt es auch davon ab, wie streng der Winter wird. Klar ist auch: Die Langzeitarbeitslosigkeit wird sich verfestigen. Diese Sorge haben wir vor allem bei den Frauen. Viele   haben Corona-bedingt Betreuungspflichten und stehen deshalb  für den Arbeitsmarkt nur eingeschränkt zur Verfügung.

Ist das AMS für den Ansturm gerüstet?

Wir sind gut aufgestellt. Ich denke, wir haben unsere Leistungsfähigkeit schon während des Lockdowns im Frühjahr bewiesen ...

Der Betriebsrat schlug zuletzt wegen Personalnot Alarm. Wurde nachgerüstet?

Es freut uns, dass wir von den zusätzlichen 400 Planstellen 64 für Wien bekommen haben. Aber nach unserer Rechnung wird das nicht ganz ausreichen. Das hat auch der Betriebsrat klargemacht. Die Hälfte des neuen Personals ist erst für 2021 und muss eingeschult werden. Für die volle Ausbildung zum AMS-Berater braucht es neun Monate. Dazu kommen 100 externe Kräfte von der Buchhaltungsagentur und es gibt bis Ende Oktober einen Vertrag mit der KPMG für die Abrechnung der Kurzarbeit.

Sollen die Arbeitslosen derzeit überhaupt persönlich zum AMS kommen?

Dort, wo es geht, sollen die eAMS-Services genutzt werden. In den Beratungsstellen haben wir Maskenpflicht und den Sommer dazu genutzt, die Beratung Covid-fit zu machen. Wir haben auch einheitliche AMS-Regeln, was bei einer orangen Corona-Ampel zu beachten ist ...

Was zum Beispiel?

Bei Orange werden etwa Veranstaltungen mit externen Gästen abgesagt.

Finden die AMS-Kurse wie geplant statt?
Ja, wir haben die Zahl der Kurse aufgestockt und ein striktes Covid-Management bei allen unseren Kurs-Trägern eingeführt.   Alle Träger haben strenge Sicherheitskonzepte ausgearbeitet.  
 
Was ist, wenn Corona-Fälle in Kursen auftauchen?
Es gelten   im Prinzip ähnliche Regeln wie an den Schulen. Gibt es einen Covid-19-Fall, wird die ganze Gruppe für sieben Tage ins Homeschooling verlegt. Damit dies möglich ist, werden den Teilnehmern Leihgeräte zur Verfügung gestellt. Sehr hilfreich wären für uns die neuen Corona-Schnelltests.

Gab es schon Corona-Fälle beim AMS?
Hausintern schon. Aber es gab bis dato keinen Fall beim AMS, dass ein Kunde jemanden angesteckt hätte. Wir machen  rasch ein Contact Tracing und wissen daher, woher die Ansteckungen kommen.

In der  Corona-Arbeitsstiftung sollen 100.000 Arbeitslose geschult werden.  Bis wann kann der Plan umgesetzt werden?
Wir ziehen gerade alle Aufstockungsoptionen bei den Kursen und bereiten Ausschreibungen vor. Bei den Jugendlichen können wir im November um 1.000 Kurs-Plätze aufstocken. Bei den  Erwachsenen  planen wir  im Bürobereich,  Klimatechnik, Handel, Pflege und  Tourismus. Hier geht es etwa ums Nachholen von Lehr-Abschlüssen.

Ist überregionale Vermittlung ein Thema? In Tirol werden heuer im Winter wohl weniger Köche benötigt...
Wir würden gerne in andere Bundesländer vermitteln, aber   im Westen  gibt es selbst hohe Arbeitslosenzahlen, daher wenig Interesse.

Wo gibt es aktuell die besten Job-Chancen?
Es ist nicht so, dass wir keine Stellen haben. Im hoch qualifizierten Bereich werden nach wie vor Mitarbeiter gesucht und es gibt   eine hohe Fluktuation  im Handel oder in der Reinigung.  

Der umstrittene AMS-Algorithmus hätte die AMS-Berater zeitlich entlasten sollen, wurde aber kürzlich von der Datenschutzbehörde gestoppt. Was nun?
Wir müssen die Entscheidung der Datenschutzbehörde zur Kenntnis nehmen.  Die automatisierte Einstufung  nach Arbeitsmarktchancen war aber noch nicht in Vollbetrieb. Einführung samt Schulungen waren daher eher eine Belastung für die AMS-Berater. Längerfristig kann es sehr wohl was bringen.

Gibt es ein Comeback für den Algorithmus?
Es wird gesetzliche Anpassungen und Nachschärfungen geben müssen. Ich glaube, ein Vollbetrieb wird sich daher erst  2022 oder 2023 ausgehen.

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