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Wirtschaft
07/01/2019

Alle Fragen zu Glyphosat in Österreich

Die Ergebnisse und Schlussfolgerungen der Glyphosat-Studie der Universität für Bodenkultur

Montag-Vormittag wurde eine neue Glyphosat-Studie der Universität für Bodenkultur in Zusammenarbeit mit er Agentur für Ernährungssicherheit (AGES) präsentiert. Ein generelles Glyphosat-Verbot sei in Österreich aus EU-rechtlichen Gründen nicht möglich, fasst die Universitätsprofessorin und Studien-Autorin Siegrid Steinkellner die Ergebnisse zusammen. Bezahlt haben die Studie der Bund und die Bundesländer.

Wie lauten die Fragestellungen der Studie ?

Bestehen auf nationaler und EU-Ebene rechtliche Möglichkeiten, Glyphosat einzuschränken bzw. zu verbieten? Können Glyphosat-Rückstände in Lebensmittel festgestellt werden? Hat die sachgerechte Anwendung Auswirkungen auf die Biodiversität und gibt es Alternativen zur Glyphosat-Anwendung? Welche wirtschaftliche Auswirkungen hat ein Glyphosatverbot?

Warum also ist ein generelles Glyphosatverbot nicht möglich?

Glyphosat wurde in der EU bis 2022 zugelassen. Ein generelles Verbot in Österreich wäre nur möglich, wenn der Wirkstoff wissenschaftlich nachweisbar ein größeres Problem ist, als andere in der EU zugelassene Pflanzenschutzmittel. Doch das ist laut Studie nicht der Fall. „Es konnte kein erhöhtes Risiko für diesen Wirkstoff im Vergleich zu anderen zugelassenen Herbiziden abgeleitet werden“, heißt es in der Zusammenfassung der Studien-Ergebnisse.

Sind Teilverbote bei der Anwendung möglich?

Ja. Laut Studie sind im Grünland oder im Wein- und Obstbau Teilverbote möglich. Die Gemeinden können ein Verbot für den eigenen Wirkungsbereich beschließen. Auf die Landwirtschaft haben derartige Gemeinde-Verbote keine Auswirkungen. Einer der größten Glyphosat-Anwender in Österreich sind die ÖBB für die Beseitigung von Pflanzen auf den Bahntrassen. Die ÖBB wollen ab 2022 auf Glyphosat verzichten. Sie sind aber bei der Suche nach Alternativen bisher noch nicht weitergekommen.

Was sind die weiteren wichtigsten Ergebnisse der Studie?

Die Rückstandsdaten der untersuchten Lebensmittel zeigen, dass „von den in Österreich und international erhältlichen Proben keine Gefahr für die menschliche Gesundheit ausgeht“. Von den in 1124 in Österreich untersuchten Proben aus konventioneller Produktion lag eine Probe mit Honig über dem Rückstandshöchstgehalt. In 92 Prozent der untersuchten Proben waren keine Rückstände feststellbar. Auch die Auswirkungen auf die Biodiversität wurden untersucht. Es liegen „keine gesicherten Ergebnisse vor, dass Glyphosat die Artenvielfalt stärker beeinflusst als andere Maßnahmen zur Unkrautregulierung“. Alternativen sind kaum vorhanden.

Warum heißt es dann Glyphosat sei „wahrscheinlich krebserregend“?

Die bei der Weltgesundheitsorganisation angesiedelte internationale Krebsforschungsagentur (IARC) hält Glyphosat bei hohen Dosierungen für „wahrscheinlich krebserregend“. Glyphosat wurde in dieselbe Gruppe eingeordnet wie Fleisch und Wurst. Beide Lebensmittel gelten als sicher krebserregend. Wer regelmäßig in größeren Mengen Fleisch und Wurst zu sich nimmt, hat daher ein garantiert höheres Krebsrisiko. Die Zulassungsbehörden für Pflanzenschutzmittel sind überzeugt, dass bei Einhaltung der Anwendungsvorschriften keine Krebsgefahr besteht.

Warum sind sie davon überzeugt?

Glyphosat beeinflusst den Stoffwechsel bei Pflanzen und nicht beim Menschen.

Welche Daten wurden für die Studie verwendet?

Alle, die die Zulassungsbehörde für relevant erachtet. Da Monsanto einst den Wirkstoff eingereicht hat, wurden auch Studien von Monsanto übernommen. Das ist kein Beleg für ein unseriöses Verhalten der Zulassungsbehörde.

In Frankreich gibt es ein Totalverbot für die ebenfalls umstrittenen Neonicotinoide. Lässt sich daraus ableiten, dass auch Glyphosat in Österreich generell verboten werden kann?

Nein. In der EU sind bereits drei Wirkstoffe aus der Gruppe der Neonicotinoide verboten. Glyphosat ist hingegen bis 2022 zugelassen. Jeder Wirkstoff ist einzeln zu bewerten.

Wie werden die Parteien demnächst im Parlament entscheiden?

Der Stand bei Redaktionsschluss: Die ÖVP stimmt für ihren eignen Antrag mit einem Glyphosat-Teilverbot in sensiblen Bereichen, wie Schulen oder Kindergärten. Die FPÖ entscheidet am Montag-Abend über ihr Abstimmungsverhalten. Die SPÖ ignoriert die Studie .

Warum hält die SPÖ am Glyphosat-Totalverbot fest?

Der Wahlkampf hat bereits begonnen.