Händler an der New Yorker Wall Street

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Wirtschaft
03/16/2020

Alle Börsen stürzen ins Bodenlose

Noch ein tiefroter Montag: Nicht nur Aktienanleger, auch Investoren in Anleihen und Gold mussten herbe Verluste verkraften.

von Irmgard Kischko

Entwicklung der Börsenkurse am Montag, 16. März 2020 (Schlusskurse bzw. 22.40 Uhr):

Dow Jones Industrial (USA): -12,93%; S&P 500 (USA): -11,98%; Technologieindex Nasdaq (USA): -12,32%, ATX (Wien): -10,46 %, DAX (Frankfurt): -5,31 %; Gold: -1,01%; Rohöl Brent: -11,99%

Nur wenige Sekunden, nachdem die New Yorker Börse am Montag eröffnet hatte, wurde der Aktienhandel auch schon wieder gestoppt: Der S&P-500-Index hatte binnen der ersten Sekunden mehr als acht Prozent verloren. Die Wall-Street-Regeln sehen für diesen Fall eine 15-minütige Unterbrechung des Handels vor.

Aber auch nach dieser kleinen Atempause ging der Kursverfall weiter – so wie zuvor schon an den anderen großen Aktienmärkten der Welt.

Die Frankfurter Börse sackte zeitweilig um mehr als elf Prozent ab. Am späten Nachmittag reduzierten sich die Verluste etwas, von einer Trendumkehr konnte aber keine Rede sein. Der Wiener Leitindex ATX verlor 10,5 Prozent an Wert.

An der katastrophalen Stimmung an den Börsen konnte auch die US-Notenbank Federal Reserve nichts ändern, die am Sonntag kurzerhand die Zinsen auf Null gesetzt hatte.

Notenbanken machtlos

„Mit Zinssenkungen ist die Stimmung auch nicht zu ändern“, ist Peter Brezinschek, Chefanalyst der Raiffeisen Bank International (RBI), überzeugt. Die Händler an den Finanzmärkten seien höchst verunsichert. Das ist Gift für die Börse. Wenn die Einschätzung, wie lange die Krise dauern könnte, völlig fehlt, wird nichts gekauft.

Und derzeit wächst die Verunsicherung noch Tag für Tag. Die Einschränkungen des täglichen Lebens werden stetig größer. „Da stellt sich für die Aktienhändler die Frage; dauert es noch ein, zwei, drei oder sogar mehr Monate, bis wieder Normalität einkehrt?“, beschreibt der RBI-Chefanalyst die Situation an den Finanzmärkten.

Noch dominieren also die Ängste die Märkte: Der Tourismus liegt am Boden, Teile der Transportwirtschaft ebenso wie die Service-Branche. Niemand weiß, ob und wie rasch sich die Wirtschaft erholen kann.

Sorgen um Staatsbudgets

Der Abverkauf hat am Montag auch die Anleihen erfasst. Sie waren jahrelang der Zufluchtsort für auf Sicherheit bedachte Anleger. Der Kursverlust bewirkt ein Ansteigen der Renditen (Zinsen in Prozent des Kurses).

Deutsche Staatsanleihen rentieren zwar noch immer negativ, aber das Minus ist geschrumpft, und zwar von -0,86 Prozent auf -0,52 Prozent. Österreichs Staatsanleihen werfen sogar wieder positive Renditen ab. Der Grund für den Renditeanstieg: wachsende Staatsdefizite und daher hoher Finanzierungsbedarf der Regierungen.

Schwellenländer gefährdet

Besonders arg trifft die Krise die Schwellenländer. Dort klettern die Zinsen rasant in die Höhe. Bei russischen Anleihen gab es am Montag einen Sprung von sechs auf acht Prozent Rendite, bei ukrainischen von 11 auf 18 Prozent. Auch italienische und griechische Anleihe-Renditen steigen wieder.

Hochschaubahn für Gold

Nicht einmal jene vorsichtigen Anleger, die ihr Geld in Gold investiert haben, konnten zuletzt Gewinne verbuchen. Der Goldpreis stürzte binnen weniger Tage um 210 Dollar je Feinunze ab und notierte am Montagnachmittag bei nur noch 1.489 Dollar je Feinunze. Am Abend ging es wieder bergauf bis auf 1.515 Dollar.

Worauf die Börsianer nun warten? Mitte bis Ende April werden die Unternehmen die Zahlen für das erste Quartal bekannt geben. „Dann werden die Karten neu gemischt“, sagt Brezinschek.