Mehr als eine Million Gäste haben im Vorjahr in einer österreichischen Airbnb-Unterkünften gebucht

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Wirtschaft
05/09/2019

Airbnb lockt mehr Gäste an und Politiker auf den Plan

Das Portal meldet für 2018 ein Gästeplus von 40 Prozent. Die Gäste geben laut einer Studie 390 Millionen in Österreich aus.

von Simone Hoepke

Mehr als eine Million Urlauber in Österreich haben 2018 eine Unterkunft über Airbnb gebucht und damit um 40 Prozent mehr als noch ein Jahr zuvor, teilte der Zimmervermittler aus den USA am Donnerstag mit. In der Branche wird gemunkelt, dass das Plus wohl auch durch eine gestiegene Meldemoral zustande gekommen ist. Sprich, jetzt weniger Wohnungsbesitzer an der Steuer vorbei vermieten – speziell in Wien, wo die Plattform mit knapp 12.000 Unterkünften am stärksten vertreten ist. Statistiken zufolge sind Airbnb-Gäste bereits für rund 2,5 Prozent der heimischen Gästenächtigungen verantwortlich.

Von den vielen Buchungen würde die Wirtschaft in Österreich im hohen Maß profitieren, rechnen Mitarbeiter der Eco Austria im Auftrag von Airbnb vor. Die Rede ist von Konsumausgaben in Höhe von 390 Millionen Euro, die vor allem in die Gastronomie, den Handel und in Kulturbetriebe fließen. Wie viel Geld in die Kassen der Plattform und ihrer Vermieter fließt, wird nicht verraten. „Es ist natürlich interessant, dass in einer Studie zu Nächtigungsgästen ausgerechnet die Ausgaben für Nächtigungen fehlen“, sagt Martin Stanits, Sprecher der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV). Die Interessensvertretung ärgert seit langem, dass der Zimmervermittler seine Geschäftspartner nicht offen legt. Aus seiner Sicht ist für die heimische Volkswirtschaft vor allem die Frage relevant, ob die Vermieter von Airbnb Umsatzsteuer, Einkommenssteuer und Ortstaxe zahlen oder an der Steuer vorbei arbeiten. Ein Thema, das die Branche schon lange bewegt.

Verschärfte Gangart

Ab 2020 sollen Buchungen über Online-Plattformen daher an das Finanzamt gemeldet werden. All jenen, die gegen die Meldepflicht verstoßen, drohen künftig Strafen von bis zu 50.000 Euro. „Ausschlaggebend für den Erfolg der Meldestelle wird letztlich die Kontrolle sein“, sagt Tourismusobfrau Petra Nocker-Schwarzenbacher. Derzeit laufen die Gespräche über die Ausgestaltung einer bundesweiten Meldestelle. Parallel dazu verschärfen einzelne Bundesländer bereits die Meldepflichten ihrer Vermieter. So hat der Tiroler Landtag Mitte der Woche beschlossen, dass Besitzer von Freizeitwohnungen ab 2020 jährlich eine gestaffelte Pauschale von mindestens 100 und maximal 2.200 Euro an die Gemeinde abliefern müssen, berichtet der Standard.

Tirol ist mit 6.300 angebotenen Airbnb-Unterkünften das zweitstärkste Bundesland des Zimmervermittlers, gefolgt von Salzburg und der Steiermark. Die Zimmervermittlungsportale sind längst kein städtisches Phänomen mehr. Tourismushochburgen wie Mayrhofen oder Wilder Kaiser haben sogar Tourismuscoaches engagiert, die Vermietern zeigen, wie sie sich am besten auf den Plattformen präsentieren, um neue Gäste ins Haus zu holen.