Airbnb bringt Hoteliers auf die Palme

Camille Smithwick, James Green
Foto: AP/Damian Dovarganes Urlauber posieren vor Airbnb-Unterkunft in Kalifornien: Private, die ihre Häuser nicht brauchen, vermieten sie tage- oder wochenweise.<span> </span>

Ein OGH-Urteil schiebt Neo-Vermietern einen Riegel vor. Der Trend ist nicht aufzuhalten.

Dietmar Dahmen verbringt die nächsten zwei Wochen in einem Haus in Venice Beach, Kalifornien. Gebucht hat er über die Immobilien-Mietplattform Airbnb, bei der man von Privaten Wohnungen, Häuser oder gleich ganze Schlösser mieten kann.

Dietmar Dahmen… Foto: /Image by Dan Taylor Dietmar Dahmen findet Airbnb unkomplizierter als Hotels  "Das Haus kostet um die 300 Euro am Tag, ein Hotel wäre billiger", macht Dahmen klar. Ihm gehe es um die Infrastruktur, vom Fahrrad und Surfboard in der Garage bis zur Waschmaschine. Irgendwie sei alles unkomplizierter als im Hotel, findet der Kreativ-Berater, der sich mit Zukunftstrends beschäftigt und den Sharing-Gedanken (Teilen) propagiert. Das beginne schon beim Internetzugang im Ausland. Dahmen: "Es ist unfassbar, wie viel Geld einige 5-Stern-Hotels fürs Internet haben wollen. Das würde bei Airbnb nie vorkommen." Neulich hätte er in Rom nach Deutschland telefonieren müssen. "Das war mit meinem österreichischen Handy billiger als mit der Leitung des Hotels", ärgert er sich. In Hotels stehe das Business im Vordergrund, bei Airbnb der Servicegedanke, findet zumindest Dahmen.

Außergewöhnliche Airbnb-Ziele

Airbnb hat eine Menge an originellen Listings. Besonders beliebt ist der "Musroom Dome" in Kalifornien. Den haben die Besitzer eigentlich für ihre Kinder in den Garten gebaut. Mittlerweile ist es das am häufigsten gebuchte Angebot auf der Seite. Imposant und beeindruckend ist ein altes englisches Schloss. Erbaut im Jahre 1841, bietet das viktorianische Haus eine familiäre und freundlichen Atmosphäre. Hier können bis zu 28 Erwachsene und 10 Kinder übernachten. Etwas ausgefallener ist das Seashell House in Mexiko. Ein Architekt und seine Frau konstruierten die zwei Häuser "Moon Shell" und "Queen Conch", um Ihren Aufenthalt auf der tropischen ruhigen Isla Mujeres zu verbessern. Das Thema "Muschel" wird auch innen verfolgt. Sogar eine eigene Fidschi-Insel gibt es im Angebot.&nbsp; Nanuku Island ist ein kleines 10 Hektar großes Paradies, wo die Zeit still steht. Hier kann man es sich mit ein paar Freunden fernab von jeglicher Zivilisation gemütlich machen. Außergewöhnlich ist auch eine umgebaute Tankstelle in New Orleans, die Gästen jetzt als Unterkunft dient. Das Haus bietet eine gut ausgestattete Küche, einen Jacuzzi. eine Dachterrasse und... ... kann als Ganzes (180 Quadratmeter) gemietet werden. Auch wenn Schlafen im Flugzeug für gewöhnlich unbequem ist, sollte man sich diese Unterkunft nicht entgehen lassen, wenn man sich in Costa Rica befindet. Im Gegensatz zum Transportmittel hat man hier nämlich ein bequemes Bett zum Mützen. Einst eine Boeing 727, aus dem Jahr 1965, heute eine Suite mit zwei Schlafzimmern, Badezimmer sowie Küche und Essbereich.

Nicht alle sind so begeistert von der neuen Welt der Vermietung wie er. Airbnb, 2008 in San Francisco gegründet, ist in einer Reihe von Ländern im Streit mit den Behörden. Die New Yorker Staatsanwaltschaft pochte auf die Herausgabe der Daten von 15.000 Nutzern, um von gewerbsmäßigen Vermietern die gesetzliche Hotelsteuer einzutreiben. In Hamburg werden Leute ausgeforscht, die Wohnungen illegal untervermietet haben. Und in Österreich hat der Oberste Gerichtshof Vermietern von Portalen wie Airbnb, 9flats oder Wimbu einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wer seine Eigentumswohnung wochen- oder tageweise vermietet, diese aber nicht als Ferienappartement gewidmet hat, müsse dafür erst das O. k. der anderen Hauseigentümer einholen. Wer seine Mietwohnung ohne Zustimmung des Vermieters weitervermietet, riskiere die Kündigung. Die Wohnung muss zumindest zur Hälfte selbst genutzt werden. Das OGH-Urteil haben Hausbewohner ins Rollen gebracht, die sich über die fremden Leute in den Wohnungen der Nachbarn geärgert haben.

Streit um Steuern

INTERVIEW MIT MICHAELA REITTERER Foto: APA/HERBERT PFARRHOFER Hoteliervertreterin Reitterer machen neue Anbieter fuchsig  Michaela Reitterer, Präsidentin der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV) und selbst Hotelier in Wien, begrüßt das OGH-Urteil: "Endlich hat sich jemand dieses Themas angenommen." Reitterer ärgert die Ungleichbehandlung von den Neo-Vermietern und Hoteliers. Letztere müssten sich an bauliche Auflagen, etwa beim Brandschutz, halten, Steuern und Tourismusabgabe zahlen, im Gegensatz zu Airbnb. "Das macht mich so fuchsig", sagt Reitterer. "Ich habe nichts gegen diese Art von Reisen, aber ich will, dass die Vermieter die gleichen Pflichten haben und Steuern zahlen wie wir." Allein in Wien konkurrieren gewerbliche Vermieter bereits mit mehr als 1000 Wohnungen auf Plattformen wie Airbnb.

Für Dietmar Dahmen ist der scharfe Wind, der Airbnb entgegen bläst, keine Überraschung. "Kommt etwas Neues, versucht das Establishment es immer zu stoppen. Das war bei der Elektrizität oder als die ersten Musik-Streaming-Dienste kamen auch so."

Neue Urlaubswelt

"Social travelling"

Auf Plattformen wie Airbnb (Airbed and breakfast) bieten Privatleute ihre Zimmer, Wohnungen und Häuser für Tage, Wochen oder Monate zur Vermietung an. Airbnb erhält für die Vermittlung der Gäste Provision. Mittlerweile sind auf Airbnb 350.000 Gastgeber in 192 Ländern registriert. Der Wert des erst 2008 gegründeten Start-ups wird mit 10 Milliarden Dollar beziffert. Geschäftszahlen veröffentlicht Airbnb keine. Hoteliers kritisieren, dass die Neo-Vermieter ihre Gäste nicht melden und keine Steuern und Tourismusabgaben zahlen.

Konsumtrends

Vom Auto bis zum Fahrrad: Es wird immer mehr geteilt

Car2go Carsharing…
Foto: Car2go

Großstädter wollen oft gar kein Auto mehr besitzen und dafür vielleicht auch noch einen teuren Garagenplatz bezahlen. Sie wollen Autos nur fallweise nutzen – etwa in dem sie es über Dienste wie car2go mieten. „Nutzen statt besitzen“ lautet das neue Motto. Laut den Beratern von Roland Berger wird der Carsharing-Markt bis 2020 jährlich um 30 Prozent zulegen – auf 5,6 Mrd. Euro Umsatz weltweit. Dank Smartphones könnte auch ein lukrativer Markt für die Weitervermietung freier Privatparkplätze entstehen.

In Großstädten werden wohl auch mehr Menschen auf geliehene Fahrräder umsteigen – auch Dank des Ausbaus von E-Bike-Angeboten.  Roland Berger sieht Wachstumsraten von 20 Prozent im Jahr auf die Verleiher zukommen und 2020 einen Jahresumsatz von 5,3 Mrd. Euro.

Die stärksten Wachstumsraten (+35 Prozent) sehen die Berater bei organisierten Mitfahrgelegenheiten. 2020 werde das Marktvolumen 5,2 Mrd. betragen, prophezeien sie. 

(kurier) Erstellt am
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