Wirtschaft
15.08.2017

Air Berlin insolvent: Was Kunden wissen müssen

Für Niki Luftfahrt wurde kein entsprechender Antrag gestellt. Flugbetrieb wird fortgeführt.

Die Fluggesellschaft Air Berlin hat Insolvenzantrag gestellt. Der Flugbetrieb werde aber fortgeführt, teilte die Fluggesellschaft am Dienstag mit. Nachdem Hauptaktionär Etihad erklärt habe, keine weitere finanzielle Unterstützung zur Verfügung zu stellen, sei man „zu dem Ergebnis gekommen, dass für die Air Berlin PLC keine positive Fortbestehensprognose mehr besteht“, hieß es in einer Pflichtmitteilung an die Börse.

Was Kunden jetzt wissen sollten

Was, wenn ich ein Ticket für einen Flug in nächster Zeit habe?

Alle Flüge finden weiterhin statt. Sowohl Flugpläne als auch Tickets haben weiter ihre Gültigkeit. Kunden können ebenso weiterhin einen Flug mit Air Berlin buchen. Laut Ministerin Zypries wird der Flugbetrieb die nächsten drei Monate aufrecht bleiben. Aufgrund des Insolvenzrechtes wäre Air Berlin eigentlich verpflichtet gewesen, den Flugbetrieb direkt nach Einreichung des Insolvenzantrags einzustellen, teilten das Wirtschafts- und das Verkehrsministerium gemeinsam mit.

Was passiert, wenn ich ein Ticket habe und der Flubetrieb eingestellt wird?

Für Kunden könnte es in so einem Fall schwierig werden, die Kosten rückerstattet zu bekommen. Theoretisch könnte man die Forderung über das Insolvenzverfahren abwickeln, allerdings sind die Chancen so zu seinem Geld zu kommen, praktisch null, erklärt ein Experte.

Wer ersetzt mir etwaige Folgekosten?

Kunden bleiben auf den Kosten für Mietwagen, Hotels, etc. sitzen, wenn der Flug storniert wird. Außer sie haben eine Reiseversicherung abgeschlossen, berichtet ein Konsumentenschützer.

Was passiert, wenn ich einen Pauschalurlaub gebucht habe und Air Berlin fliegen soll?

In diesem Fall sind die Kunden besser abgesichert. Die Veranstalter müssen dafür sorgen, dass die Kunden im Fall einer Airline-Pleite befördert werden bzw. die Kosten rückerstattet bekommen.

Niki Luftfahrt nicht betroffen

Es sei derzeit nicht beabsichtigt, einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens für die Niki Luftfahrt und die Leisure Cargo zu stellen.

Vor diesem Hintergrund hätten sie beim zuständigen Amtsgericht Berlin-Charlottenburg einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt, teilte Air Berlin mit. Bei dieser Variante des Insolvenzverfahrens würde das Management des Unternehmens weiter die Geschäfte führen.

„Es werden Verhandlungen mit Lufthansa und weiteren Beteiligten zur Veräußerung von Betriebsteilen geführt“, teilte Air Berlin weiter mit. Die Bundesregierung unterstütze Air Berlin mit einem Übergangskredit abgesichert durch eine Bundesbürgschaft, um den Flugbetrieb aufrecht zu erhalten.

Die deutsche Regierung sichert den Flugbetrieb von Air Berlin in der Urlaubszeit mit einem Übergangskredit von 150 Mio. Euro. Aufgrund des Insolvenzrechts wäre Air Berlin eigentlich verpflichtet gewesen, den Flugbetrieb direkt nach Einreichung des Insolvenzantrags einzustellen, teilten das Wirtschafts- und das Verkehrsministerium am Dienstag gemeinsam mit.

Der Kredit werde durch die staatliche Kfw-Bank gewährt und sichere den Betrieb in vollem Umfang. Air Berlin befinde sich seit längerem in Verkaufsverhandlungen mit der Lufthansa und einer weiteren Fluggesellschaft, teilten die Ministerien weiter mit. Diese Verhandlungen seien so weit fortgeschritten, dass Entscheidungen in den nächsten Wochen fallen könnten.

Flugpläne weiter gültig

Air Berlin betonte, dass ihre Flugpläne weiter gültig blieben und alle Flüge stattfänden. Gebuchte Tickets behalten demnach ihre Gültigkeit, alle Flüge seien weiterhin buchbar. "Wir arbeiten unermüdlich daran, in dieser Situation das Beste für das Unternehmen, für unsere Kunden und unsere Mitarbeiter zu erreichen", teilte Unternehmenschef Thomas Winkelmann mit.

Der 150-Millionen-Euro-Kredit des Bundes sichert den Flugbetrieb der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin für ungefähr drei Monate. Davon geht Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) aus, wie sie am Dienstag sagte. Zugleich äußerte sie sich zuversichtlich, dass in den nächsten Monaten eine Übernahme von Teilen der zweitgrößten deutschen Airline durch die Lufthansa gelingen könnte. Der Kredit schaffe für den Übergang einen Rahmen. Zypries schloss aus, dass der Bund Schulden von Air Berlin übernehmen könnte, um eine Übernahme zu ermöglichen.

Air Berlin fliegt seit Jahren Defizite ein, 2016 lag der Verlust bei 780 Millionen Euro. Die Lage verschärfte sich Ende März mit der Umstellung auf den Sommerflugplan. Flugausfälle und Verspätungen häuften sich danach.

Lufthansa-Aktien haben ihre Gewinne am Dienstag nach der Bekanntgabe eines Insolvenzantrages der Air Berlin auf mehr als 2 Prozent ausgebaut. Wie Air Berlin mitteilte, werden Verhandlungen mit der Lufthansa und weiteren Beteiligten über die Veräußerung von Betriebsteilen geführt. Die Air-Berlin-Aktien waren zuletzt noch vom Handel ausgesetzt.