Wirtschaft
29.08.2017

Air Berlin: Lauda im Anflug, sechs Bieter in der Warteschleife

Lauda schaut in die Bücher, Lufthansa will Langstrecke ab Berlin ausbauen, Airline streicht Flüge.

Bei der Air Berlin geben sich die Unternehmer die Klinke in die Hand. Gestern Nachmittag war auch Niki Lauda nach Berlin gejettet, um einen Blick in die Bücher zu werfen. Er interessiert sich vor allem für die Zahlen der Tochtergesellschaft NIKI, die er einst gegründet und an Air Berlin verkauft hat. Jetzt will er wissen, wie sie finanziell dasteht. Dann erst werde er entscheiden können, ob er in den Bieterring steigt, sagt er im KURIER-Gespräch.

Lauda geht als klarer Außenseiter ins Rennen. So wie auch der Nürnberger Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl, dessen Interesse an der gesamten Air Berlin anfangs als PR in eigener Sache abkanzelt wurde, während die Lufthansa bereits als klarer Favorit galt. "Es drängt sich der Eindruck auf, dass wir in Deutschland auf dem besten Weg zu einer sozialistischen Planwirtschaft sind, bei der nur noch Großbetriebe erwünscht sind", ätzte Wöhrl und schlug damit in dieselbe Kerbe wie Niki Lauda.

Währenddessen warnt Berlins Bürgermeister Michael Müller vor einem Einstieg der irischen Billigfluglinie Ryanair. Diese sei ein "arbeitnehmerfeindliches Unternehmen", sagt Müller dem Tagesspiegel. "Es ist für alle Beteiligten unstrittig, dass bei mehreren seriösen Bewerbern die Lufthansa die für Verlässlichkeit steht."

Es soll bereits sechs Bieter für Air Berlin geben, das Airline-Management verhandelt laut eigenen Angaben mit der Lufthansa und drei weiteren Unternehmen. In der Favoritenliste stehen – abgesehen vom gelben Kranich – die britische Easyjet und der Ferienflieger Condor weit oben.

Easyjet soll Interesse an bis zu 40 Maschinen haben, Condor an einer "zweistelligen Zahl". Bei den Verhandlungen mit Lufthansa geht es dem Vernehmen nach um bis zu 90 Maschinen. Der deutsche Kranich will mit seiner Billigfluglinie Eurowings die Langstreckenflüge der Air Berlin weiterführen, sprich ab Düsseldorf und Berlin nach Übersee fliegen, berichtet Reuters.

Die Uhr tickt

Noch bis 15. September haben Interessenten Zeit, sich beim Insolvenzverwalter zu melden. Die Zeit drängt, denn die Buchungen gehen zurück. Und es werden Strecken gestrichen – etwa ab kommenden Monat jene von Berlin nach Abu Dhabi und Chicago. Auch Verbindungen nach LA und San Francisco werden nicht weitergeflogen, betroffene Passagiere sollen umgebucht werden.