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Wirtschaft
08/26/2020

Adamah Bio-Bauer Zoubek: „Wir sind definitiv keine Verlierer“

Warum trotz Krise mehr Bio-Kistln bestellt werden und der Bio-Hof jetzt auch im Wiener Prater einzieht

von Simone Hoepke

An sich ist im Hochsommer Saure-Gurken-Zeit am Adamah Bio-Hof. Zumindest was die Bestellungen für die Bio-Kisterln angeht, die der niederösterreichische Betrieb an die Haustüren der Wiener liefert. Traditionell ist im August der Großteil der Abnehmer auf Urlaub und der Nachschub abbestellt. Nicht so diesen Sommer.

„Wir liefern derzeit rund 5.000 Kistln die Woche aus, um 1.500 mehr als im August des Vorjahres“, sagt Gerhard Zoubek, der den Marchfelder Betrieb 1997 übernommen und auf Bio umgestellt hat. „Wir sind definitiv keine Verlierer in der Corona-Krise.“ Im Gegenteil.

Während andere Kurzarbeit angemeldet haben, mussten die Zoubeks neue Mitarbeiter einstellen, um der Nachfrage gerecht zu werden. Aktuell beschäftigt der Hof 130 Mitarbeiter, die 140 Hektar Fläche vor den Toren Wiens bewirtschaften. Der Jahresumsatz liegt jenseits der 10-Millionen-Euro-Marke.

Verschwendung

Aber ist die aktuelle Wirtschaftskrise ein guter Nährboden für die Biobranche? Als eingefleischter Öko lässt Zoubek das Argument, dass Bio nicht für alle erschwinglich ist, nicht gelten. „Würden wir weniger Lebensmittel wegwerfen, würde der Preis ganz anders ausschauen. Hier müssen wir umdenken. Für die Lebensmittelqualität darf nicht länger die Optik und eine besonders schöne Verpackung ausschlaggebend sein“, wettert Zoubek.

„Wir versuchen unseren Kunden zu kommunizieren, dass ein Apfel mit einem Schalenfehler nicht schlecht ist.“ Ins Verkaufsregal eines Supermarktes würde es so ein Apfel allerdings nicht schaffen – er besteht den Beauty-Contest an der Supermarkttheke nicht. Da ihn kein Kunde kaufen würde, schlichten ihn die Supermarktmitarbeiter erst gar nicht ins Regal. Die B-Ware landet auf dem Mist.

Apropos Mist. Das Thema bringt Junior-Chefin Elisabeth Zoubek auf die Palme. Sie hat einen Komposthaufen anlegen lassen – mit Mist eines Bio-Rinderbauernhofs in der Gegend und Abfällen vom eigenen Hof. Ein No-Go aus Sicht eines Beamten, der bei ihr vorstellig wurde. Denn der Komposthaufen war auf dem Feld angelegt, das wiederum in einem Wasserschutzgebiet liegt. Geht gar nicht, erklärte der Beamte. „Die Behörde fordert, dass wir die Fläche erst zubetonieren, bevor der Kompost dort lagern“, ärgert sich Zoubek über die „sinnlose Bodenversiegelung“.

Einen Erfolg verbuchen die Zoubeks währenddessen in der Gastronomie, die nicht gerade als großer Abnehmer von Bio-Produkten bekannt ist. „Wir beliefern seit Kurzem die Luftburg im Prater, ein Restaurant der Familie Kolarik mit 1.200 Sitzplätzen im Normalbetrieb“, ist Gerhard Zoubek stolz. Die Luftburg mache vor, dass es möglich sei, auf Bio zu setzen. „Die Preise sind nicht ausgeufert, die Stelze kostet rund zwei Euro mehr als früher.“

Mit dem Verkauf auf Wiener Märkten haben die Zoubeks dagegen aufgehört, was viele Kunden bedauert hätten. „Doch viele sind nach einem Plausch am Stand zum Diskonter gegangen und haben dort den Großteil des Einkaufs erledigt“, sagt Elisabeth Zoubek. „Für uns haben sich die Marktstände so einfach nicht rentiert.“

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