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Wirtschaft
04/30/2012

700 Euro für 40-Stunden-Woche

Eine junge Frau verdiente bei der Post weniger als die Mindestsicherung und musste Überstunden einklagen.

von Anita Staudacher

Am Tag der Arbeit wird er wieder allerorts zu hören sein: Der Ruf nach einem Mindestlohn jenseits der 1000 Euro. 1450 Euro brutto etwa fordert Tourismusgewerkschafter Rudolf Kaske aktuell für die Beschäftigten im Hotel- und Gastgewerbe, etwas mehr als 1300 Euro gibt es im Handel, in der Zeitarbeit  und im Reinigungsgewerbe. Davon können Urlaubsersatzkräfte bei der Post nur träumen.

Aktuell stellt die Post Aushilfskräfte für 821,20 Euro brutto im Monat für eine 40-Stunden-Woche ein, netto bleiben nach Abzug der Sozialversicherung  696,38 Euro übrig, Überstunden inklusive. Zum Vergleich: Die bedarfsorientierte Mindestsicherung inklusive Wohnkostenanteil beträgt 773,25 Euro.

Eine 24-jährige Frau aus dem Bezirk Neunkirchen (NÖ) nahm nach längerer Arbeitssuche einen von der Post ausgeschriebenen Aushilfsjob an und  stellte als Urlaubsvertretung  Postsendungen  zu. Wegen der Größe des Zustellbezirks schaffte sie die Arbeit aber nicht immer in den vorgegebenen acht Stunden, weshalb in zweieinhalb Monaten 58  Überstunden anfielen. Doch Überstunden waren im Vertrag nicht vorgesehen.

Die junge Frau wandte sich an die Arbeiterkammer Niederösterreich (AK NÖ), die die Überstunden  einklagte.  „Die Post war der Meinung, dass die Überstunden mit den 821,20 Euro bereits abgegolten sind“, erläutert Karin Matzinger, Arbeitsrechtsexpertin der AK NÖ.  Erst kurz vor dem Verhandlungstermin vor dem Arbeitsgericht lenkte die Post ein und zahlte 371 Euro netto nach. „Aus Angst vor einer Verurteilung“, vermutet Matzinger.

Kein KV

Den Niedrigstlohn von nicht einmal 700 Euro netto erklärt Matzinger mit dem Fehlen eines Kollektivvertrages (KV). „Die Postaushilfen sind im KV nicht erfasst, deshalb gilt das Spiel der freien Kräfte und die Arbeitsverträge werden nach dem Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuch (ABGB) geschlossen“. Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind für Aushilfen nicht vorgesehen.

Die Post bestätigt die aktuellen Tarife, betont aber, dass es sich hierbei um Urlaubsersatzkräfte handelt, die nicht zum Stammpersonal gehören und  nur  in der Urlaubszeit beschäftigt sind. Die KV-freie Zeit sei von 1. Juni bis 31. Oktober begrenzt.  „Mit 821 Euro brutto für Ferialjobs liegen wir im guten Mittelfeld“, sagt Post-Sprecher Stephan Fuchs. Immherin 1400 Ferialaushilfen sind allein heuer in den Sommermonaten beschäftigt.

Viele, aber längst nicht alle davon, sind Studenten. Während die Post fleißig Hilfskräfte aufnimmt, geht der Mitarbeiterabbau weiter. Von den 10.266 beamteten Postlern sind nach wie vor 475 im internen Arbeitsmarkt, erst 320 sind zur Polizei gewechselt. Post-Chef Georg Pölzl will neue Anreize schaffen, damit noch viel mehr  wechseln.

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