Milchbauern protestieren in Wien gegen die sinkenden Milchpreise.

© KURIER/Franz Gruber

Bauern-Demo in Wien
03/31/2016

50 Cent für Bio-Heumilch, nur 27 Cent für konventionelle

Milchpreise driften immer mehr auseinander. Bauern protestierten am Donnerstag in Wien.

Kuhglocken wurden gebimmelt, Milchkannen und Deckel aneinandergeschlagen und extra-laute Traktor-Hupen betätigt. Symbolisch wurde zur Veranschaulichung zum problematischen Welt-Milchmarkt eine kleine Weltkugel mit Milchpulver aus Europa überflutet.

Österreichische Milchbauern, die sich um ihre Existenz sorgen, haben am Donnerstag nur wenige Meter entfernt vor dem Haus der EU in der Wiener Innenstadt mit ohrenbetäubenden Lärm gegen eine aus ihrer Sicht falsche Agrarpolitik demonstriert. Sie sorgen sich vor allem wegen sinkenender Milchpreise.

Preisverfall

Der Verfall der Erzeugermilchpreise von 40 auf bis zu 27 Cent pro Liter in den vergangenen zwei Jahren trifft die Milchbauern am härtesten, die konventionelle Milch produzieren. Für Heumilch und Biomilch erhalten die Landwirte deutlich höhere Preise. Für Bio-Heumilch zahlen Molkereien aufgrund des knappen Angebots sogar bis zu 50 Cent.

Mühlviertel, Südamerika, China

Derzeit laufe vieles falsch, sagte ein Bauer, der netto acht Stunden lang mit seinem Traktor aus dem oberösterreichischen Mühlviertel in die Bundeshauptstadt getuckert war. Es gebe eine "politisch gewollte Überproduktion in der EU". Nur die Politik, auch die heimische, würde das nicht offen sagen. Zusammengefasst würden in den großen EU-Milchländern Leistungsmilchkühe mit Gen-Soja aus Südamerika gefüttert, um schlussendlich so viel Milch zu erzeugen, dass Milchpulver bis nach Indien exportiert werde - wo die ansässigen Milchbauern ebenso sterben würden, da sie auch preislich unterboten würden.

Beispiel Salzburg

In Salzburg haben viele Bauern schon auf Bio- und Heumilch umgesattelt. Nur mehr ein Drittel der dortigen Produktion ist konventionelle Milch, zwei Drittel sind Bio- und Heumilch, sagte der Salzburger Agrar-Landesrat Josef Schwaiger (ÖVP) zur APA. Deswegen wirke sich auch der Milchpreisverfall in Salzburg nicht so dramatisch aus. Um die Milchproduktion zu senken und den Milchpreis zu stabilisieren, appelliert der Agrar-Landesrat an die heimischen Bauern weniger Kraftfutter an Milchkühe zu verfüttern und die Kälber länger mit Milch aufzuziehen. Als "notwendigen und besten Weg" bezeichnete er die von der EU erlaubten "strategischen Gespräche" zwischen Molkereien zur Mengensteuerung. "Dies hat nichts mit Preisabsprachen zu tun", betonte er.

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