330 Euro im Monat für Essen und Trinken

Gemüse
Foto: KURIER/Gruber Die Österreicher aßen 2011 weniger Frischwaren.

2011: Die EHEC-Krise lässt den Gemüsekonsum fallen; Fleisch- und Milchumsatz steigen. Wie sich die Österreicher ernähren.

500.000 frische österreichische Gurken musste die Erzeugergemeinschaft LGV allein am 3. Juni des Vorjahres vernichten: Die EHEC-Krise ließ Gurken zu Ladenhütern werden. Die Verunsicherung der Konsumenten damals spiegelt sich nun auch in der Statistik wider: Zwar stieg der Umsatz mit Frischeprodukten (ohne Brot) im Vorjahr um 0,5 Prozent auf vier Milliarden Euro an, der Umsatz mit Obst und Gemüse im Lebensmitteleinzelhandel sank aber um 5,2 Prozent auf 887 Mio. Euro.

„In Summe bleiben die Ernährungsgewohnheiten aber recht konstant“, fasst Agrarmarkt Austria-Chef Stephan Mikinovic die Ergebnisse einer Auswertung von 2500 Haushalten zusammen. Die beliebtesten Frischeprodukte sind Milch (38,3 kg/Kopf und Jahr) vor Erdäpfeln (9,8 kg) und Äpfeln (7,0 kg). Der Umsatz mit Milchprodukten legte 2011 vor allem dank neuer Heumilchprodukte um 3,6 Prozent zu, auch der Fleischumsatz stieg um 1,6 Prozent auf 1,58 Milliarden Euro.

Nach den ersten Durchfallerkrankungen durch das EHEC-Bakterium vermutete man Gurken als Überträger. Das frische Gemüse wurde daraufhin kaum noch gekauft und tonnenweise wurden vernichtet. Foto: Reuters Gurken wurden aus Angst vor EHEC 2011 tonnenweise weggeworfen.

Während der Umsatz steigt, sind die Mengen leicht rückläufig – sprich, die Preise steigen: „Seit 2003 verteuerten sich Frischeprodukte um durchschnittlich 26 Prozent“, erklärt Studienautorin Micaela Schantl von der AMA. Die Preise für Eier legten mit dem Aus für Käfigeier mit 42 Prozent am stärksten zu, Emmentaler hingegen wurde günstiger. In Summe gibt ein österreichischer Haushalt laut Statistik Austria heute 220 Euro pro Monat für Ernährung und Getränke aus. Das entspricht 11,7 Prozent des Einkommens. Hinzu kommen 110 Euro Ausgaben in Cafés und Restaurants.

Das konstante Wachstum der Diskonter sieht Mikinovic seit drei Jahren gebremst. Grund dafür seien zahlreiche Aktionen auch bei den anderen Lebensmittelhändlern. „Schon 25 Prozent der Ware wird in Aktionen gekauft“, meint Schantl.

Essen im Müll

Laut Mikinovic werde durch die „Aktionitis“ aber mehr weggeworfen: Die Uni für Bodenkultur spricht von Lebensmitteln im Wert von 35 Euro pro Monat. Und eine am Dienstag in Deutschland veröffentlichte Studie spricht von 81,6 Kilogramm Lebensmittel pro Bürger, die jährlich in den Müll wandern. In Summe würden die deutschen Nachbarn elf Millionen Tonnen Essen wegwerfen, 61 Prozent davon stamme aus Privathaushalten.

Kinder-Schmäh

Eines anderen Problems nahm sich am Dienstag die deutsche Verbraucherorganisation Foodwatch an: Sie nahm 1514 Lebensmittel unter die Lupe, die sich speziell an Kinder wenden. Fazit: 73,3 Prozent waren fette und süße Snacks, nur 12,4 Prozent gesund. Sprecherin Anne Markwardt: „Die Industrie will Kinder so früh wie möglich auf ungesundes Junkfood programmieren.“ Schließlich würden die Margen bei Obst und Gemüse unter fünf Prozent liegen, bei Süßwaren oder Snacks hingegen bei über 15 Prozent.

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(kurier / P. Trummer) Erstellt am
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