© Franz Gruber

Wirtschaft
09/29/2012

150.000 Österreicher pleite

Betroffene sind in der Regel durch Konsum verschuldet. Nur ein geringer Prozentsatz der Zahlungsunfähigen meldet Privatkonkurs an.

von Irmgard Kischko

Zumindest 150.000 Österreicher können ihren Kredit nicht mehr bedienen oder haben ihr Konto um mehr als 10.000 Euro überzogen. Meist sind zu hohe Konsumausgaben daran schuld. "All diese Menschen sind eigentlich insolvent. Aber weniger als ein Zehntel davon meldet Privatkonkurs an", sagt Hans-Georg Kantner, Insolvenz-Experte des Kreditschutzverbandes (KSV).

Nur rund 10.000 Private gingen in Österreich pro Jahr in Konkurs. Dass es eigentlich viel mehr sein müssten, leitet Kantner aus der "Warnliste der Banken" ab: Das ist jene zentrale Datei, in die Banken Personen melden, die mit der Zahlung von mehr als zwei Kreditraten im Rückstand sind oder deren Konto stark im Minus ist. Insgesamt 350.000 Österreicher stehen auf dieser "schwarzen Liste", die allerdings nicht öffentlich einsehbar ist. Kantner hat aus der Liste alle Kleinschuldner – unter 10.000 Euro – herausgenommen und kommt so auf seine Schätzung von 150.000 insolventen Personen.

Stigma

Dass sich die überwiegende Zahl der Schuldner nicht für einen Privatkonkurs entscheidet, hat laut Kantner zwei Gründe: Viele Menschen würden den Gang zum Konkursrichter als Schande empfinden, sie fühlten sich stigmatisiert. Immerhin werden Pleitiers in einer öffentlichen Ediktdatei, die von jedermann weltweit einsehbar ist, eingetragen. Kantner hält dem die Vorteile eines Privatkonkurses entgegen: "Wenn man zumindest zehn Prozent der Schulden zahlt, ist man nach fünf bis sieben Jahren entschuldet. Vielleicht ist der Konkurs ein Ende mit Schrecken. Aber das ist doch besser als ein Schrecken ohne Ende", sagt der Experte.

Als zweiten Grund für die vergleichsweise geringe Zahl von Privatinsolvenzen nennt Kantner den Engpass bei den Schuldnerberatern. "Hätten die Schuldnerberatungsstellen mehr Personal, würden wohl mehr Menschen in Privatkonkurs gehen", sagt er. So aber würden die Betroffenen ihre Schulden wie ein Schneepflug den Schnee vor sich herschieben – oft mit schlimmen Folgen.

Schuldner würden sich aus Angst vor den Gläubigern verstecken: Sie lebten als U-Boote ohne Meldezettel bei Bekannten. In diesem Fall aber bekämen sie auch keine soziale Unterstützung. Und ohne Meldezettel nehme sie auch kein Arbeitgeber.

Tipps

Wer auf einem Schuldenberg sitzt, sollte als Sofortmaßnahme – raten die Schuldnerberatungen – die Struktur seiner Schulden analysieren. Denn es gibt einige "gefährliche" Schulden mit existenzgefährdenden Konsequenzen, um diese sollte man sich zuerst kümmern und, falls nötig, Ratenzahlungen dafür vereinbaren.

Mietrückstände Chronischer Rückstand bei de Miete kann die Delogierung, also den Verlust der Wohnung zur Folge haben.

Alimente/Unterhalt Rückstände bei Alimenten und Unterhaltszahlungen können ebenso wie Rückstände bei Strafen (Polizei, Finanz, Verwaltungsstrafen) zu einer Haftstrafe führen.

Strom/Gasrechnung In diesem Fall droht die Sperre der Strom- und Gaslieferung, dabei bleibt in der Regel auch die Heizung kalt.

Kontoüberziehung Ist das Konto über den vereinbarten Rahmen hinaus überzogen, kann die Bank den Betrag fällig stellen. Gibt es keine neue Vereinbarung, kann die Bank alle eingehenden Beträge (etwa den Lohn) für die Kontodeckung einbehalten. Daueraufträge wie Miete, Stromrechnung, etc. werden dann nicht mehr durchgeführt.

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