Wirtschaft
04.07.2018

1400 BMW pro Tag, made in the USA

Das größte Werk des BMW-Konzerns steht in den USA – ein Lokalaugenschein in Spartanburg.

„Baut sie hier!“ twitterte US-Präsident Donald Trump vor Kurzem, als er wieder mit Importzöllen auf Autos drohte.

Wie ein Damoklesschwert schwebt die Ankündigung des US-Präsidenten vor allem über den deutschen Autoherstellern. 20 Prozent will Trump auf importierte Autos aufschlagen. Trump hatte im Mai beim Handelsministerium eine Prüfung in Auftrag gegeben, ob die EU-Autoeinfuhren den nationalen Sicherheitsinteressen der USA schaden.

Allerdings bauen bereits viele namhafte Autohersteller Fahrzeuge auf dem Gebiet der USA. BMW schon seit 1994 in Spartanburg im Bundesstaat South Carolina. Fast 40 Prozent aller in den USA verkauften BMW werden mittlerweile in South Carolina hergestellt.

Begonnen hat man mit 3ern für den US-Markt und dem Roadster Z3. Seit 1999 läuft der X5 hier vom Band und heute ist Spartanburg das größte Werk im BMW-Konzern. 2016 fertigte man 411.171 Autos, ausgelegt ist das Werk auf eine Kapazität von 450.000 Stück. Spartanburg ist das BMW-Werk für SUV, aktuell baut man die mittleren und großen SUV-Modelle: X3, X4, X5, X6 und ab Herbst den neuen X7.

 

Wir sind hier im Süden der USA, außer an Autos verdient man hier vor allem an land- und forstwirtschaftlichen Produkten. Gewählt wird in South Carolina republikanisch – 55 Prozent der Wahlberechtigten haben bei der letzten Präsidentenwahl für Trump gestimmt. Bei der Einfahrt zum Werksgelände werden Besucher daran erinnert, dass Waffen, die man verbergen kann, hier nicht erlaubt sind. Sicherheit geht vor – nicht nur fürs Personal, auch für die Besucher. Es gibt ausgewiesene Schutzräume für den Fall eines Tornados und wir werden von unserem Guide angewiesen, im Gänsemarsch zu folgen.

Man soll niemandem im Weg stehen und nicht von den herumrasenden Transportwagen umgefahren werden. Bei einer Fläche von 560.000 steigen sich die Mitarbeiter in den Hallen aber nicht gerade auf die Füße. Vieles passiert hier automatisiert, in der Karosseriefertigung liegt der Automatisierungsgrad bei 99 Prozent, die Fenster werden beispielsweise überhaupt nur von Robotern eingesetzt. Trotzdem: Insgesamt arbeiten hier fast 10.000 Menschen. Von den Arbeitern macht keiner den ganzen Tag die gleiche Arbeit, nach einem Rotationsprinzip wechselt man während der Schicht die Arbeitsplätze. Ganz offensichtlich sind die Menschen, die hier für BMW arbeiten, zufrieden, die Kündigungsrate liege bei lediglich drei Prozent, berichtet unser Guide nicht ohne Stolz.

1400 Autos pro Tag

Über 1400 Autos spuckt die Fabrik pro Tag aus, sechs Tage die Woche. 70 Prozent der produzierten Autos gehen in den Export, der Großteil wird über den Hafen von Charlotte im benachbarten North Carolina in die ganze Welt verschifft.

Drei Minuten dauert die so genannte Hochzeit, wenn Karosserie und Motor zusammengeführt werden. „Die Benzinmotoren kommen aus München, die Diesel aus Steyr in Österreich“, erklärt unser Guide.

Der Großteil der Autos ist praktisch verkauft und wurde so von einem Kunden bzw. Händler geordert. Bevor die Autos das Werk verlassen, werden sie noch kurz auf einer Teststrecke Probe gefahren. Wer mag (bzw. es extra bezahlt) kann sich sein Auto noch mit einer Kunststoffverpackung für den Transport bestücken lassen.

 

Acht Milliarden Dollar hat BMW seit Anfang der 90er-Jahre in sein US-Werk investiert. Laut einer Studie der University of South Carolina (aus dem Jahr 2014) beträgt die Wirtschaftsleistung des Werks jährlich 38,5 Milliarden Dollar. 235 Lieferanten hat man in den USA, 40 davon in unmittelbarer Nähe in South Carolina.

Und der Konzern wird weiter investieren und expandieren. Weitere 600 Millionen Dollar wollen die Münchner bis 2021 in den Standort stecken und weitere rund 1000 neue Mitarbeiter einstellen. Der KURIER war auf Einladung von BMW in South Carolina.