Wirtschaft 11.01.2012

100-Euro-Bonus für mobile Lehrlinge

Wer wegen einer Lehre umzieht, soll monatlich mehr Geld vom AMS bekommen, wünscht sich Tourismus-Obmann Schenner.

Hotels und Gastronomie-Betriebe in Westösterreich sind für Jugendliche offensichtlich wenig attraktiv. Zumindest als Arbeitgeber. Mehr als 1600 Lehrstellen haben Österreichs Tourismusbetriebe derzeit zu vergeben. Mehr als 500 der Ausbildungsplätze haben Salzburger Betriebe gemeldet. Zum Vergleich: In Wien sind es gerade einmal 74 Stellen. Das Problem ist altbekannt: Jugendliche aus Ostösterreich wollen nicht gen Westen ziehen, um dort eine Lehre zu beginnen.

Geht es nach den Vorstellungen von Tourismusobmann Hans Schenner, soll ein Mobilitätsbonus die Jugendlichen von Ost nach West bewegen. Konkret fordert er, dass das Arbeitsmarktservice (AMS) den Auszubildenden über die gesamte Lehrzeit hinweg 100 Euro monatlich als Bonus bezahlt. „Das ist leistbar“, meint zumindest Schenner.

Kritik

Und kassiert postwendend harsche Kritik von Rudolf Kaske, Chef der Gewerkschaft vida: „15-Jährige quer durch die Republik schicken zu wollen, wenn sie bessere Arbeits- und Lohnbedingungen in anderen Branchen als im Gastgewerbe vorfinden, ist schon eine eigenartige Idee“, sagt Kaske. Er sei entschieden gegen eine „Auslagerung der Kosten auf die Allgemeinheit“. In der Branche herrsche der Grundsatz „Personal – möglichst billig und willig“. Auch ein Mobilitätsbonus könne die Personalprobleme nicht lösen. Die Wirtschaftskammer solle „nicht nach Subventionen vom Arbeitsmarktservice schreien, sondern die Hausaufgaben machen“, fordert Kaske einmal mehr höhere Gehälter und bessere Arbeitsbedingungen in Tourismusbetrieben

Schon jetzt zahlt das AMS an Pendler eine Entfernungsbeihilfe in der Höhe von maximal 264 Euro im Monat – allerdings nur als Kostenersatz, etwa für Zugtickets oder die Unterbringung. „In unserer Branche haben nur 52 15- bis 20-Jährige diese Beihilfe bezogen“, betont Rainer Ribing, Geschäftsführer der Bundessparte Tourismus.

Ausblick

Hoteliers und Gastronomen wollen heuer übrigens bei den Personalkosten den Sparstift ansetzen. „Grundsätzlich will man heuer mit weniger Mitarbeitern auskommen“, zitiert David Pfarrhofer vom market-Institut aus einer Umfrage unter 1000 Touristikern. Grund dafür sei die schwächelnde Ertragslage. Urlauber bleiben weniger lange und geben weniger Geld aus, klagt die Branche. Dennoch sei die Stimmung besser als in den Krisenjahren 2008 und 2009.

( Kurier ) Erstellt am 11.01.2012