Wellness
18.08.2017

Wie Sport beim Erlernen einer Sprache helfen kann

Sich eine neue Sprache anzueignen kann ganz schon knifflig sein. Wie körperliche Betätigung dabei helfen kann, haben Forscher herausgefunden und damit erneut einen Beleg dafür geliefert, dass körperliche Bewegung mental mobil macht.

Zugegeben, die Erkenntnis, dass physische Aktivität das Hirn beim Lernen unterstützt, ist nicht gänzlich neu. Bereits in der Vergangenheit konnte bewiesen werden, dass Sport dem Gedächtnis beim Lernen hilft. Vergangenes Jahr zeigte ein niederländisches Forscherteam, dass körperliche Betätigung nach dem Lernen zu einer besseren Speicherung der Inhalte führte. Allerdings nur, wenn zwischen der Lerneinheit und der Sport-Session einer gewisser zeitlicher Abstand lag. Eine 2016 an der Fachhochschule Oberösterreich durchgeführte Erhebung kam zu dem Ergebnis, dass Sport den Kortisol-Spiegel im Körper erhöht, was beim Abspeichern von Gelerntem nützlich ist.

Dennoch: Viele Fragen rund um den genauen Zusammenhang von Sport und Lernen – beispielsweise wann man Sport treiben sollte und wie intensiv beziehungsweise welche Form der körperlichen Betätigung man idealerweise durchführen sollte – sind nach wie vor ungeklärt.

Sport und Sprache

Eine neue Studie aus China widmet sich spezifisch dem Einfluss von Sport auf den Spracherwerb bei Erwachsenen. Publiziert wurde die Untersuchung in der internationalen Online-Fachzeitschrift PLOS One.

Bekannt ist, dass Kinder neue Sprachen im Vergleich zu Erwachsenen recht mühelos erwerben. Studien haben außerdem gezeigt, dass das Erlernen einer zweiten Sprache leichter fällt, je früher man bei den Kindern damit beginnt.

Um zu erfahren, welchen Einfluss Bewegung auf den Prozess der Sprachaneignung hat, wurden 40 chinesische Studierende rekrutiert, die English lernten. Die Probanden wurden in zwei Gruppen unterteilt. Während die einen an regulären Vokabelkursen teilnahmen, wurden die Lerneinheiten der anderen mit sportlicher Betätigung kombiniert. Konkret mussten die Teilnehmer bei mäßiger Intensität am Radergometer strampeln. Begonnen wurde 20 Minuten vor dem Kurs, insgesamt saßen die Probanden 35 Minuten am Rad. In Summe absolvierten die Teilnehmer acht Kurse im Zeitraum von zwei Monaten.

Nach jeder Kurseinheit wurden die Probanden zum Test gebeten. Die Sport-Gruppe schnitt stets besser ab: Sie hatten sich mehr Vokabeln gemerkt. Und: Die Sportler konnten die erlernten Wörter und Satzteile auch besser im Sprachgebrauch anwenden.

Ebenfalls spannend: Das Gelernte schien sich in den Gehirnen der Rad fahrenden Teilnehmer stärker verfestigt zu haben. Das ergab ein finaler Test, der einen Monat nach Beendigung des Experiments durchgeführt wurde. Dazwischen fanden keine Vokabelkurse statt.

Effekt geht über Erinnerungsvermögen hinaus

"Die Ergebnisse legen nahe, dass physische Aktivität während dem Lernen das Lernen verbessert", erklärt Simone Sulpizio, Psychologie-Professorin an der University Vita-Salute San Raffaele in Mailand und Koautorin der Studie. Der förderliche Effekt würde weit über das verbesserte Erinnerungsvermögen hinausgehen, da die Probanden die erlernte Sprache auch besser anwenden konnten.

Ausgehend vom Forschungsdesign könnten jedoch keine Aussagen über andere Sportarten und deren Einfluss auf den Spracherwerb getroffen werden, so Sulpizio. Schlüsse über andere Personengruppen könne man aufgrund der kleinen Stichprobe ebenso wenig ziehen.

Räder im Klassenzimmer?

Die Studie fügt sich jedenfalls in die Bandbreite anderer Erhebung mit ähnlichen Ergebnissen ein. Doch was bedeutet das für die Praxis? Schulklassen oder Hörsäle mit Radergometern auszustatten scheint etwas fernab realer Möglichkeit zu sein.

"Wir raten nicht dazu, dass Schulen oder Lehrer haufenweise Räder kaufen", erklärt Sulpizio. Vielmehr sollte körperliche Aktivität ganz natürlich in den Lernalltag integriert werden. "Stundelanges Sitzen ohne Bewegung ist einfach nicht das beste Lernumfeld."