Wellness
01.12.2016

Mögliche Gründe für Fresskoma erforscht

Nach dem Essen plagt oft die Müdigkeit. © Bild: Getty Images/iStockphoto/g-stockstudio/iStockphoto

Eine neue Studie mit Fruchtfliegen liefert Erkenntnisse zu essensbedingter Trägheit.

Nach dem Essen ist nicht vor dem Essen. Mit dem Völlegefühl tritt meist auch rasch Müdigkeit ein. Im englischsprachigen Raum spricht man davon als sogenanntes "Foodcoma" (zu Deutsch " Fresskoma") - also einem durch Essen herbeigeführten komaartigen Zustand. Doch warum folgt auf ein üppiges Mahl große Trägheit? Bisher tappte man in der Wissenschaft bei der Ursachenforschung im Dunklen. Eine aktuelle Studie mit Fruchtfliegen liefert neue Erkenntnisse und mögliche Erklärungsansätze.

Salz, Eiweiß und Portionsgrößen als Verursacher

Dabei stellte sich zunächst heraus, dass auch Fruchtfliegen nach dem Essen am liebsten ruhen. Insbesondere dann, wenn ihre Nahrung eiweißreich, salzig und/oder die Portion groß war. Die Studie, die im Journal eLife veröffentlicht wurde, untersuchte zum ersten Mal dieses Verhalten bei Fruchtfliegen der Art Drosophila melanogaster. "Bei Drosophila gibt es einen gut dokumentierten Zusammenhang zwischen Schlaf und Stoffwechsel, durch den die Fliegen das Schlafen unterdrücken und ihre Aktivität steigern, wenn sie ausgehungert sind", so Studienleiter William Ja in einer Aussendung zur Studie. Ob die Ergebnisse auch auf den Menschen übertragbar sind, ist den Forschern zufolge unklar. In jedem Fall sei jedoch ein weiterer Schritt in der Erforschung des Zusammenhanges zwischen Essen und Schaf gelungen.

Um das Schlafverhalten der Fliegen nach der Nahrungsaufnahme zu analysieren, sah man sich am kalifornischen Scripps Research Institute das Essverhalten der Insekten an und verfolgte den anschließenden Schlaf der Fliegen visuell. Es zeigte sich, dass die Fruchtfliegen nach der Nahrungsaufnahmen für 20 bis 40 Minuten ruhten. Waren die vertilgten Portionen größer oder die Nahrung reich an Proteinen und Salz, schliefen die Fliegen im Schnitt am längsten. Zuckerhaltige Nahrung hatte keinen nachweislichen Effekt auf den Schlaf, die Fliegen waren sogar kurzzeitig aktiver. Offenbar lasse sich die Schläfrigkeit nach dem Essen also über die Nahrungszusammensetzung steuern, so die Forscher.

Neuronaler Mechanismus als Schlüssel

Um die Ursache für das erhöhte Ruhebedürfnis zu ermitteln, wurden in einem zweiten Schritt auch die Fliegenhirne untersucht. Durch die Identifikation der Nervenschaltkreise, die an der Müdigkeit nach dem Essen beteiligt sind, konnte der neuronale Mechanismus hinter dem Phänomen entschlüsselt werden.

"Mithilfe genetischer Verfahren konnten wir bestimmte Neuronen des Fliegengehirns an- und abschalten. Wir waren überrascht, als wir bestimmte Verschaltungen fanden, die in der Kontrolle dieser Gewohnheit eine Rolle spielen", so Studienautor Keith Murphy. Dahinter stecken sogenannte Leucokinine, Proteine in den Gehirnzellen, die in die Regulation der Nahrungsmenge involviert sind. Sie scheinen auch beim Mittagsnickerchen von Bedeutung zu sein.

Es zeigte sich auch, dass die Funktionsweise der Nervenschaltkreise an Tageszeiten gekoppelt waren. So war der Effekt der Nahrung auf den Schlaf am Abend ausgeprägter, als morgens. Auch die innere Uhr spielt beim Fresskoma also eine Rolle.

Die Arbeit könnte Ausgangspunkt für weitere Studien sein, um die exakten Gene und Schaltkreise im Gehirn aufzudecken, die die Aktivierung des Mittagstiefs hervorrufen und zu verstehen, warum dies für Lebenwesen nützlich ist, so Ja.