Wellness
01.07.2017

RunNa: Warum tue ich das eigenlich?

Intrinsisch oder extrinsisch? Egal wie, Hauptsache motiviert.

Mein Herz rast, ich schnappe nach Luft, bin schweißgebadet. Nein, ich liege nicht in meinem Bett und bin aus einem Alptraum erwacht, sondern befinde mich mitten in der Läuferhölle – der Laktathölle, sprich Intervalltraining.

Es ist kurz nach sechs Uhr an diesem Dienstag vergangene Woche, genau genommen 06:06 Uhr als ich meine Uhr starte. Ein Blick auf meine Herzfrequenz verrät: Heute steht etwas Großes an. Naja, groß im Sinne von großem Bammel zumindest. Intervalle. Die kurzen. Die, die ich so gar nicht mag. Genau genommen eigentlich hasse. 20x400 Meter. Horror!

Wenn so ein Training auf dem Plan steht, bin ich schon am Tag davor recht hibbelig und nervös. Wie wird’s gehen? Wird es gehen? Und auch: Ich muss es ja nicht machen. Dann lauf ich halt nicht so schnell.

Tja, und dann steh ich doch um fünf Uhr auf, bereite mir meine Henkersmahlzeit, sprich ein paar Bissen samt Kaffee zu. Normalerweise laufe ich morgens nüchtern, nur bei Hardcore-Trainings brauche ich auch um diese Uhrzeit eine Kleinigkeit im Magen. Dann geht’s los und Schritt für Schritt nähere ich mich meinem persönlichen Höllenritt.

Wiederholung 13. Die Beine brennen. Ich schaue auf die Uhr, erst 200 Meter. Nicht dran denken, weiter, gib Gas, gleich gibt's die Pause. Die Meter ziehen sich wie Kaugummi. Wie verdammt lange können eigentlich 400 Meter sein?! Und dann piepst sie doch, die Uhr und zeigt mir die kurze Verschnaufpause an. Nur noch sieben Mal, denke ich mir und versuche mich mit dem Gedanken, über die Hälfte schon geschafft zu haben, zu motivieren und den einen Satz, der immer wieder in meinem Hinterstübchen auftaucht, weiterhin zu verdrängen: Warum tue ich das eigentlich?

Flow und Belohnung

Die Frage nach dem Warum hat sich sicher jeder Läufer schon einmal gestellt bzw. wurde sie ihm sicher schon gestellt. Warum laufe ich? In der Regel gibt es für jede Tätigkeit, die man macht, ein Motiv. Die Motivation dafür kommt entweder aus einem selbst heraus oder wird von außen gelenkt, etwa durch eine Belohnung oder ein Ziel. Intrinsische versus extrinsische Motivation nennen das Psychologen.

In der Regel läuft es bei mir intrinsisch. Ich brauche keinen Motivator von außen. Mir macht es Spaß. Das Gefühl beim Laufen, das Flow-Erleben alleine reicht aus, um beinahe jeden Morgen die Laufschuhe zu schnüren und eine Runde zu drehen und auch um mich dabei ab und an zu quälen.

An diesem Tag um kurz nach sechs war es, Wienerisch ausgedrückt, quasi ein gemischter Satz. Von allem etwas. Einerseits die Lust von innen heraus: Ich will das unbedingt durchziehen, is wie’s is. Es ist ja doch (irgendwie) geil. Und andererseits brauche ich bei solchen Trainings dann doch auch andere Motive. Längerfristig mit neuer PB vor Augen: Das macht dich schneller, also zieh’s durch! Oder einfach kurzfristig: Je schneller beim Durchziehen, umso schneller beim Frühstück!

Im Endeffekt habe ich es an diesem Morgen durchgezogen. Schneller als erwartet. Mega happy ging es im Trab zurück nach Hause. Das Frühstück wartete. Das hatte ich in dem Moment schon vergessen. Die Endorphine stillten meinen Hunger. Zumindest auf Nahrung. Der Hunger auf mehr solcher Trainings blieb. Ich freue mich schon darauf. Auch wenn der Bammel davor groß und die Herzfrequenz beim Einschalten der Uhr hoch ist. Ist doch ein bisschen wie Achterbahnfahren. Das Adrenalin läuft mit. Also gib dir den Kick!