Wellness
17.06.2017

RunNa: Schoki ade, ohne Laufschuhe tut weh

Verbote sind nicht immer einfach einzuhalten.

Es gibt Dinge im Leben, auf die man nicht verzichten möchte. Schokolade zum Beispiel. Man braucht sie nicht zum Überleben, aber zum gut leben. Jedes Jahr pünktlich zur Fastenzeit nehme ich mir vor, keine Schokolade zu essen. Und jedes Jahr wird mein Vorsatz aufgeweicht. Da waren schon viele Varianten dabei: Kekse mit Schokoüberzug zählen nicht – das ist ja keine richtige Schokolade oder ein fetter Schokobrownie – zählt ja als Kuchen. Heuer war es dunkle Schokolade mit 90 Prozent Kakaoanteil. Schließlich heißt es, die ist gesund und auf gesunde Sachen soll man ja nicht verzichten.

Einmal ist es mir dann doch gelungen. Komplette 40 Tage schokifrei. Nothing, nada, niente. Und dabei dachte ich immer, ich bin süchtig, kann nie und nimmer ohne leben. Doch das Experiment war nur die ersten Tage hart. Irgendwann merkte ich, dass mir die braune süße Sünde gar nicht abgeht. Ich dachte gar nicht mehr daran. Als die 40 Tage rum waren, hatte ich kein Verlangen mehr und das erste Stück schmeckte viel zu süß.

Und dann gibt es Dinge im Leben, auf die man nicht verzichten möchte, aber verzichten muss. Ohne Aufweichungen, ohne, aber das zählt ja nicht.

Schlag ins Gesicht

Etwas zu lange schweigt mein Gegenüber. Auf Nachfrage, was denn los ist, zieht er die Augenbrauen hoch. „Hm, das ist nicht normal“, sagt er und beginnt Dinge aufzuzählen, die selbst mir als Laie sagen: Du hast gerade die Arschkarte gezogen. Und dann kam der Satz, den ich mit Abstand am wenigsten hören wollte: "Bis nicht klar ist, woher das kommt, sollten Sie jetzt keinen Sport machen.“ Kein Laufen, auch nicht locker? "Nein.“ Radfahren? "Nein.“ Krafttraining? "Nein. Nichts das anstrengt. Spazierengehen können Sie", sagt er und schaut mich nochmals eindringlich an: "Sie halten sich doch sicher daran. Wir wollen schließlich kein Risiko eingehen.“ Wusch. Das hat gesessen. Ich nicke und denke mir: "Wir ist gut..."

Bevor ich an diesem Nachmittag zum Kardiologen ging, der mit mir diesen ersten Befund durchgesprochen hat, war ich in der Früh noch gelaufen. Locker. Zumindest vom Tempo. Von der Puste pfiff ich eh schon längst aus dem letzten Loch. Dass das nicht normal sein kann, wusste ich längst. Nur den Grund kannte ich noch nicht. Jetzt also schwarz auf weiß und im ersten Moment war ich froh, dass nun endlich etwas gefunden wurde. Dass ich mir das alles nicht einbilde. Dass da wirklich was ist, das mich körperlich schwächt, mir die Luft raubt, mich unendlich müde und kraftlos macht. Nicht nur beim Laufen, auch im Alltag.

Wie war das noch gleich mit der Schokolade: Gar nicht mehr daran gedacht, kein Verlangen. Hm, mit dem Laufen verhielt sich das leider gar nicht so. Ich vermisste es. Vom ersten Tag an. Die Entzugserscheinungen gingen nicht weg und es ließen sich auch keine Aufweichungen vornehmen. "Nein“ hieß in dem Fall: Nicht ein bisschen. Nicht locker. Gar nicht. Punkt.

Es war eine gefühlte Ewigkeit – in Wahrheit nur drei Wochen – bis ich nach mehreren weiteren Untersuchungen endlich das OK bekam: "Locker dürfen Sie wieder.“

Wie war das noch gleich mit dem Verlangen? Fünf Kilometer wurden es an dem Tag noch, die sich nach der Pause unendlich gut, aber auch unendlich anstrengend anfühlten.

Doch anders als bei der Schokolade behielt die ganze Sache einen bitteren Nachgeschmack: Wie geht es weiter? Was kommt raus? Nie wieder Marathon? Nur noch easy bis zum Abwinken?

Mittlerweile bin ich komplett durchgecheckt und beim Abschlussgespräch hat mein Gegenüber die Augenbrauen nicht hochgezogen. "Es ist nicht wie bei allen anderen Menschen. Bei einem geringen Prozentsatz ist das so. Aber die gute Nachricht: Sie dürfen wieder alles machen. Auch Marathon laufen. Viel Spaß beim Training.“

Go with the Flow

"Sei froh, dass du nicht im Rollstuhl sitz“, hatte ich in dieser Zeit unter anderem zu hören bekommen. Ja, es gibt immer etwas Schlimmeres. Auch in meinem Leben. Aber das hat hier keinen Platz. Laufen ist die Schokoladenseite, die mein Leben versüßt und auf die ich nicht verzichten möchte. Ich kann mich glücklich schätzen diese Leidenschaft entdeckt zu haben. Es gibt viele Menschen, die in ihrem Leben nicht so eine Begeisterung für eine Sache aufbringen können. Die nicht voll und ganz in ihrem Tun aufgehen und sie die schlimmen Sachen in dieser Zeit vergessen lassen. Von dem her bin ich der glücklichste Mensch. Und um es wieder mit einem meiner Lieblingshashtags zu sagen: #runningmakesmehappy

and #nothingmoretosay

Autorin Natascha Marakovits finden Sie auch auf Instagram.