Wellness
16.09.2017

RunNa: 143 Minuten und acht Sekunden

Was macht eigentlich einen Läufer zum Läufer?

„Der Langsamste, der sein Ziel nicht aus den Augen verliert, geht immer noch schneller als der, der ohne Ziel herumirrt.“ Das Zitat stammt vom deutschen Schriftsteller Gotthold Ephraim Lessing und hat eigentlich nichts mit dem Laufen zu tun und dennoch beschreibt es genau das, worüber ich mir in letzter Zeit ein paar Gedanken gemacht habe: Ziele oder besser gesagt Zeiten und die für viele direkte Verbindung, wann man denn nun ein Läufer ist und wann nicht.

Nur durchkommen

Ich kann mich noch sehr gut an den 15. April 2012 erinnern. 143 Minuten und acht Sekunden voller Emotionen: Euphorie, Schmerz und letztendlich unendliche Freude es geschafft zu haben: den ersten Halbmarathon! Ich war unheimlich stolz es durchgezogen zu haben. Allein das Ziel vor Augen zog mich ins Ziel. Entstanden ist das Vorhaben ganz spontan. Damals noch ohne jeglichen Plan, ohne zig Kilometer die Woche und noch ohne diese brennende Leidenschaft fürs Laufen. „Ich laufe mit 30 meinen ersten Halbmarathon“ hatte ich ein gutes halbes Jahr zuvor auf meiner 30er-Party etwas zu laut gesagt. Und da ein Jahr schnell rum ist, musste ein Termin her. Als Wienerin schien der VCM naheliegend. Die Anmeldung war schnell erledigt und somit stand dem Vorhaben Durchkommen nichts mehr im Weg.

Obwohl ich damals die Laufschuhe nur sehr sporadisch angezogen und sie nach dem Halbmarathon auch wieder schnell für lange Zeit ausgezogen habe, fühlte ich mich als Läuferin. Und war stolz. Nicht auf die Zeit. Die war mir egal. Aber auf mich.

Heute, zig Halbmarathons und vier Marathons später, kann ich sagen: Ja, ich bin eine Läuferin. Aber was ist heute anders als damals? Und vor allem wann ist man denn nun ein Läufer und wann ein Nur-durch-die-Gegend-Jogger? Wann wird man ernst genommen und wann nur mitleidig belächelt?

The best of you

Meine Erfahrung: Vor allem Männer fragen gerne gleich mal nach Zeiten. Was hast du drauf auf 5, 10, dem Halben? Nach dem Ganzen wird selten gefragt. Egal, darum geht es auch nicht. Wann ist man denn nun ein Läufer? Den Halben mindestens Sub 2? Die 10k mindestens unter 50 Minuten?

Was ich damit sagen will: Ich habe mich an diesem 15. April 2012 mit meinen 2:23:08 genauso gefühlt, wie ich mich am kommenden Sonntag in der Wachau fühlen werde: Als Läuferin, die ihr Bestes gibt.

Nun sind seit meiner Premiere ein paar Jährchen vergangen. Die Laufschuhe wurden irgendwann wieder entstaubt und seit drei Jahren läuft alles nach Plan. Das bringt unausweichlich Veränderungen mit sich. Der Vorteil wenn man schneller ist: Dieses Mal muss ich mich weniger quälen als damals – aber nur den Minuten nach zu urteilen. Eine gute halbe Stunde weniger am Anschlag. Ansonsten gibt es keinen Unterschied. Heute wie damals hatte ich ein Ziel. Und jeder Läufer hat sein eigenes Ziel. Das gilt es nicht aus den Augen zu verlieren. Sonst hat man verloren. Und um es abschließend wieder mit Lessing auszudrücken:„Beide schaden sich selbst: Der, der zu viel verspricht und der, der zu viel erwartet.“ Alles Gute für die Wachau oder wo auch immer ihr euer Ziel verfolgt!

Autorin Natascha Marakovits finden Sie auch auf Instagram.