Wellness
12.12.2016

Mit Kurkuma und Olivenöl gegen das Alter

Beim Thema Altersprävention denken die wenigsten ans Essen. Ein Experte erklärt, warum Anti-Aging in aller Munde sein sollte.

Hyaluron für die Haut, Pillen und Pulver für die innere Jugend und straffende Schönheitsbehandlungen für die Optik: Die Anti-Aging-Industrie boomt. Schließlich wollen immer mehr Menschen immer länger jung bleiben. In der Medizin weiß man, dass sich vor allem die Genetik, die Umwelt, die Psyche und körperliche Bewegung förderlich auf den menschlichen Körper und damit auf den natürlichen Alterungsprozess auswirken. Was viele nicht wissen: Die Ernährung spielt in diesem Zusammenhang sogar eine noch größere Rolle.

Doch was genau passiert im Körper, wenn man sich falsch ernährt? Und wie wirkt sich das aufs Altern aus? Die Antwort darauf ist komplex, wie Dr. Markus Metka, Oberarzt an der Wiener Universitätsklinik für Frauenheilkunde und Präsident der Österreichischen Anti-Aging-Gesellschaft, erklärt.

Stille Entzündungen

Eine unausgewogene Ernährung führt zu Entzündungsprozessen im Körper. "Diese spürt man in der Regel nicht sofort. Ganz im Gegenteil: Sie können bis zu 20 Jahre im Körper schlummern, ohne Beschwerden zu verursachen", beschreibt Metka. Im englischsprachigen Raum spricht man hier von einer "silent inflammation", einer stillen Entzündung. Eine der bekanntesten entsteht in Verbindung mit Bauchfett. Dabei handelt es sich um Fettgewebe, das sich zuerst um die Bauchorgane herum bildet und bei zunehmender Fetteinlagerung in Form eines dicken Bauches sichtbar wird. "Hat man nun starkes Übergewicht und zu viel Fett am Bauch, wirkt das im Körper wie ein Abszess, der Entzündungshormone ausschüttet", so der Mediziner. Das trägt wiederum zur Bildung von Krankheiten wie Bluthochdruck, Herzkreislauferkrankungen und Diabetes und einem schnelleren Alterungsprozess bei.

Neben diesem Entzündungsstress (inflammatorischer Stress), lässt uns auch der oxidative Stress altern. Dieser entsteht, wenn im Körper zu viele freie Radikale vorhanden sind, für deren Abbau nicht genügend Antioxidantien, also Radikalfänger, verfügbar sind. Freie Radikale sind maßgeblich am Alterungsprozess des Körpers beteiligt, da sie die Reparatur- und Entgiftungsfunktion der Körperzellen beeinträchtigen. Der Mensch leidet infolge häufiger an Erschöpfungssymptomen und Erinnerungslücken und neigt zu Entzündungen. Hier schließt sich der Teufelskreis zum schädlichen Entzündungsstress.

Neue Anti-Aging-Wunder

Was der Mensch braucht, um gesund alt zu werden? Eine Ernährung, die Antioxidantien liefert und Entzündungen im Körper hemmt. Eine neue und Metka zufolge bahnbrechende Erkenntnis im Bereich der Altersprävention durch Nahrungsmittel ist, dass bestimmte chemische Anti-Aging-Substanzen sich durch pflanzliche Äquivalente ersetzen lassen.

Herausgefunden hat man das durch Forschungen mit Glucagon-like Peptide 1 (GLP-1) und Metformin, Stoffe die unter anderem in Antidiabetika vorkommen, Entzündungen hemmen und den Stoffwechsel verlangsamen, der Telomerase, einem lebensverlängerndem Enzym des Zellkerns, und Nicotinamidadenindinukleotid (NADH), das als Treibstoff der Mitochondrien am Zellstoffwechsel beteiligt ist. Bisher hatte man angenommen, dass man diese Substanzen lediglich in isolierter Form zu sich nehmen und sich so die förderlichen Effekte (verringertes Krebsrisiko, niedrigerer Blutzuckerspiegel, geringeres Gewicht) zunutze machen kann. Seit kurzem ist bekannt, dass gewisse Nahrungsmittel diese Wirkungen auf natürlicher Basis liefern.

"Da wäre zum Beispiel das Gewürz Kurkuma, beziehungsweise das darin enthaltene Kurkumin. Es wirkt im Körper wie Metformin, sprich entzündungshemmend und blutzuckersenkend", so Metka. Zudem senkt es den Cholesterinspiegel und kann damit vielen Krankheiten vorbeugen.

Ebenfalls wissenschaftlich erwiesen sei, dass natives Olivenöl sich gut auf den Körper auswirkt. Einerseits wird dadurch die Zeltalterung verhindert, andererseits wird auch die Zellenreparatur angekurbelt. Ganz ähnlich wirkt der sekundäre Pflanzenstoff Quercetin, der in großen Mengen in Zwiebeln vorkommt.

Eine bisher unbekannte Pflanze ist die Astragalus Wurzel. Sie wird in China bereits seit Jahrtausenden traditionell verwendet und zählt dort zu einer der wichtigsten Volksheilpflanzen. Neben der Eigenschaft die Lebensdauer der Zellen zu verlängern, regt die Pflanze auch die Blutzirkulation an und verbessert die Aufnahme von Eisen aus Nahrungsmitteln. In Amerika wird die Pflanze bereits seit geraumer Zeit als Nahrungsergänzungsmittel verkauft.

Die bösen Drei

Bevor man diese konkreten Ernährungsempfehlungen beherzigt, gilt es auch darüber zu sprechen, welche Lebensmittel dem Körper schaden. "Sonst zäumt man das Pferd nur von hinten auf", betont Metka. Der Großteil der Bevölkerung sei heutzutage überzuckert, überfettet und übersalzen - ein besorgniserregender Zustand. Das resultiere daraus, dass die Menschen zu viele Lebensmittel mit Zuckerzusätzen konsumieren, zu viel und vor allen die falschen Fette essen und zu viel salzen. Zucker, Fett und Salz bezeichnet Metka daher als "das Trio Infernale".

Die neuen Erkenntnisse seien zwar ein wichtiger Schritt im Sinne einer funktionalen Altersprävention durch Nahrungsmittel, ganz allgemein vertritt der Mediziner aber die Auffassung, dass man vor allem unverfälschte Lebensmittel zu sich nehmen und einen großen Fokus auf pflanzliche Nahrung legen sollte. Beim Kochen gilt es weniger zu salzen, Fleisch, Frittiertes sowie Süßes ist nur in Maßen ratsam. Dann bietet es sich in jedem Fall an die Wissenschaft in die Tat umzusetzen und beispielsweise im Restaurant statt Butter Olivenöl zum Gedeck zu bestellen, öfter mit Kurkuma zu kochen und in jedem Fall viel gutes Olivenöl zu verwenden."