Wickel schaffen nicht nur bei einer Erkältung Abhilfe.

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Bei Fieber & Co.: Wie man Wickel richtig anwendet
10/18/2016

Bei Fieber & Co.: Wie man Wickel richtig anwendet

Wickel sind ein wirksames Mittel zur Aktivierung der körpereigenen Kräfte. Die Anwendungsmöglichkeiten sind vielfältig.

Wickel helfen nicht nur gegen Fieber. Auch bei Hauterkrankungen, Halsentzündungen, Gelenksschmerzen, Stress oder Ohrenschmerzen hat sich das Hausmittel bewährt. Neben der richtigen Technik gilt es auch die unterschiedlichen Anwendungsmöglichkeiten zu beachten.

Gut gewickelt?

Wickel haben eine lange Tradition. Jüngeren Generationen sind sie meist von den Großeltern bekannt. Bei der Wahl des Tuches ist von synthetischen Stoffen abzuraten, da sich Hitze und Feuchtigkeit in ihnen stauen. Stattdessen sollte man zu Baumwolltüchern greifen. Wichtig ist auch, dass der Wickel nicht zu locker und nicht zu fest sitzt. Hier achtet man am besten auf das individuelle Empfinden. Da es neben kalten Wickeln (entziehen Wärme und wirken dadurch fiebersenken und entzündungshemmend) auch heiße Wickel (fördern die Durchblutung und wirken krampflösend) gibt, ist auch die Temperatur entscheidend. Heißt: Der Wickel sollte keinesfalls zu heiß (Verbrennungsgefahr) sein. Friert der Wickelträger, muss man die Kompresse sofort entfernen.

Wickel für alle Fälle

Gegen Fieber: Fieber ist eines der klassischsten und bekanntesten Anwendungsgebiete. Hier helfen beispielsweise Wadenwickel mit Pfefferminz. Ziel ist es dem Körper Wärme zu entziehen und das Fieber so zu senken. Pfefferminze unterstützt den Effekt, indem sie die Kälterezeptoren der Haut reizt. Für den Wickel gießt man vier Teebeutel Pfefferminztee mit 500 Milliliter kochendem Wasser auf. Nach fünf Minuten Ziehzeit kommt ein Liter kaltes Wasser hinzu. Dann tränkt man das Baumwolltuch darin, wringt es aus und wickelt es eng aber nicht zu fest um die Wade. Darüber kommt ein trockenes Tuch. Zusätzlich sollte man dicke Socken tragen, um nicht zu frieren. Nach spätestens einer halben Stunde wird das Tuch entfernt und durch ein neues ersetzt.

Auch Essigwickel werden bei Fieber gerne angewandt. Für die sogenannten "Essigpatscherl" tränkt man Socken in kaltem Essigwasser und zieht sie danach an. Darüber kommen trockene Strümpfe.

Bei Erkältungen

Bei Halsweh werden traditionell Topfenwickel empfohlen. Dabei handelt es sich um einen kalten Wickel, der die Durchblutung und damit die Ausbreitung der Entzündung im Hals hemmt. Kälte wirkt außerdem abschwellend und schmerzlindernd. Für den Topfenwickel den Topfen ein Zentimeter dick auf das Tuch auftragen und anlegen. Mit einem zweiten Tuch fixieren. Ist die Kompresse warm und trocken, ist der Wickel abnehmbereit und der Vorgang kann wiederholt werden.

Verschleimte Bronchien bekommt man mit heißen Wickeln in den Griff. Dafür ein Tuch in heißes Wasser tauchen und um den Oberkörper wickeln. Der Bereich zwischen Achseln und unteren Rippen soll bedeckt sein. Dann mit einem zweiten, trockenen Tuch umwickeln.

Nebenhöhlenentzündungen bekämpft man am besten mit Wickeln aus Heilerde oder Leinsamen. Dafür Heilerde mit warmem Wasser anmischen oder Leinsamen kochen. Den warmen Brei auf ein Tuch auftragen und für etwa 20 Minuten im Nasenbereich anlegen. Das fördert die Durchblutung und unterstützt die Heilung.

Bei Husten kann man mit Kartoffelwickeln den Schleim lösen und die Keime abtransportieren. Da gekochte Kartoffeln Wärme besonders gut speichern und zudem Feuchtigkeit spenden, eignen sie sich hervorragend für Wickel. Dafür kocht man Kartoffeln ca. 20 Minuten lang weich. Dann in ein Tuch legen und dieses zu einem Rechteck falten. Danach die Kartoffeln "im Päckchen" zerdrücken und es auf die Brust legen. Mit einem Schal umwickeln und ca. eine Stunde auf der Haut liegen lassen.

Bei Stress & Schlafstörungen

Stress und Schlafprobleme kann man ebenso mit Wickeln lindern. Ein kalter Lendenwickel regt die Wärmebildung des Körpers an. Das hat wiederum einen entspannenden Effekt. So geht's: Tuch in kaltes Wasser tauchen und auswinden. Dann zwischen Rippenbogen und Oberschenkelansatz platzieren. Darüber wickelt man ein großes Handtuch. So kann der Wickel bis zu eine Stunde lang auf der Haut bleiben.

Bei Kopfweh

Bei Kopfschmerzen kann ein Kartoffelpaket (siehe Nebenhöhlenentzündungen) Abhilfe schaffen. Auch Essigwickel (siehe Fieber) eignen sich zur Schmerzlinderung. Ein Umschlag mit Kartoffel-oder Gurkenscheiben lindert ebenso die Kopfschmerzen. Kümmel kann laut Kräuterkunde auch von Kopfschmerzen befreien. Tauchen Sie hierfür einen Stirnwickel in Kümmeltee.

Bei Ohrenschmerzen

Hier kann man die antibakteriellen Wirkstoffe der Zwiebel (Senföl) nutzen. Dafür Zwiebel klein schneiden und in ein Tuch legen. Zu einem Säckchen zusammenbinden und über heißem Wasserdampf erwärmen. Noch im warmen Zustand ans Ohr legen und es dort mittels Schal oder Stirnband fixieren. Nach 20 Minuten entfernen. Auch Ölwickel sind ratsam. Hierfür das Tuch in warmes Speiseöl tauchen und hinters Ohr legen. Öl speichert Wärme besonders gut.

Bei Gelenksschmerzen

Schmerzen an den Gelenken kann man mit Heilerde behandeln. Paste aus Heilerde mit Wasser anrühren und auf die betroffene Stelle streichen. Mit Tuch umwickeln und erst abnehmen, wenn die Feuchtigkeit eingezogen ist. Bei chronischen Schmerzen kann Senfmehl helfen. Ebenfalls mit Wasser anrühren und auf ein dünnes Tuch auftragen. Die Senfmehlpaste darf nicht direkt auf die Haut aufgetragen werden, da diese sonst gereizt reagieren kann. Dann kommt der Wickel auf die Haut und wird nochmals mit einem zweiten Tuch abgedeckt. 10-15 Minuten einwirken lassen.

Auch Wirsing kann helfen. Dafür die Blätter mit einem Nudelholz bearbeiten, bis der Saft austritt. Dann auf die betroffene Stelle auflegen und mit einem Tuch fixieren. Der Wickel kann bei Bedarf auch über Nacht auf der Haut verweilen.

Bei Bauchweh

Tuch in heißen Kamillentee tränken. Auf den Bauch legen und mit zwei trockenen Tüchern umwickeln. Auch warme Essigwickel können Bauchweh lindern.