Manfred Ruthner radelt wieder wie früher

© KURIER/Franz Gruber

Eine neue Hüfte ist erst der Anfang
05/23/2016

Eine neue Hüfte ist erst der Anfang

Ein Jahr nach der Implantation: Ein Patient berichtet über sein Leben mit der Prothese.

2015 erhielt der frühere ORF-Journalist Manfred Ruthner ein neues Hüftgelenk – im KURIER berichtete er damals über die ersten Wochen. Jetzt schildert er seine Erfahrungen aus dem ersten Jahr.

Heute bin ich ein schönes Stück gelaufen, um einen Schnellbahnzug zu erreichen. Genauso wie früher, jedoch etwas bewusster den Fuß aufgesetzt und abgerollt. Jedenfalls zum ersten Mal mit meiner neuen Hüfte. Genau vor einem Jahr war ich bei der Reha auf der Baumgartner Höhe damit beschäftigt, wieder normales Gehen, also mit richtiger Belastung, zu erlernen.

Heute läuft mein Leben so ab, als ob ich nie eine Hüft-OP gehabt hätte. Die Erinnerung an die schmerzvollen Zustände, unter denen ich gelitten hatte, ist verdrängt, fast verloschen. Der Schmerz hat mich im Vorjahr zum KURIER-Gesundheitstalk über Gelenksersatz getrieben, wo ich Prof. Reinhard Windhager kennenlernte, der mich bald darauf perfekt operierte.

Nur der erste Schritt

Dass es mit der OP allein nicht getan war, habe ich noch im AKH erfahren. Die ersten Schritte habe ich mithilfe eines Physiotherapeuten zurückgelegt. Wenige Wochen später begann der dreiwöchige Reha-Aufenthalt. Dort lernte ich zum Beispiel, dass Stiegensteigen statt Liftfahren bereits ein Training für meine verkümmerte Muskulatur bedeutet. Was mich zu Beginn auch einiges an Anstrengung und Überwindung gekostet hat. Unter professioneller Anleitung stand täglich Muskelaufbau im Vordergrund.

Kaum nach Hause entlassen, unternahm ich vorsichtig eine längere Wanderung über einfaches Gelände. Ausgerüstet mit zwei Trecking-Stöcken, um keinesfalls zu stolpern. Früher habe ich es auch schon so gehandhabt, um speziell beim Bergabgehen die Kniegelenke zu schonen. Was für ein wunderbarer Tag! Seit Langem habe ich mich darauf gefreut! Es passt alles, Wetter und Natur waren prächtig, aber vor allem hatte ich keine Schmerzen!

Mein Therapeut hatte mir zum Abschied aus der Reha noch ein Übungsprogramm für zu Hause mitgegeben. Es wurde für die nächsten Wochen mein Begleiter, meistens beim abendlichen Fernsehen. Selbst das Radfahren ging wieder, auch wenn die Beweglichkeit zunächst noch eingeschränkt war und ich beim Auf- und Absteigen vorsichtig sein musste. Deshalb war ich die erste Zeit mit einem Damenrad unterwegs. Um die Muskeln wieder in den ursprünglichen Zustand aufzubauen, soll es weit über ein halbes Jahr dauern, hat man mir gesagt. Vielleicht war ich zu früh sorglos. Jedenfalls wollte ich vor einiger Zeit bei einem schwereren Gegenstand zupacken, da spürte ich plötzlich mein neues Gelenk. "Die Muskulatur ist noch nicht vollständig aufgebaut, daher der Schmerz. Der Gelenksersatz selbst kann auch Belastungen unbeschadet aufnehmen", sagte Prof. Windhager. Bei der routinemäßigen Kontrolluntersuchung ein Jahr nach der OP war aber alles in Ordnung.

Aufs Fahrrad

Also setze ich mein Muskeltraining weiter fort, fahre gerne mit dem Fahrrad entlang der Donau und freue mich schon auf die nächste Bergwanderung. Skifahren habe ich im letzten Winter ausgelassen, erstens waren die Verhältnisse kaum verlockend, zweitens möchte ich alles vermeiden, was schaden könnte. Wie ein unvermuteter Sturz. In Zukunft werde ich als Langläufer auf ebenen Loipen durch die Natur gleiten. Für die warme Jahreszeit habe ich neben Rad fahren und wandern das Rudern wieder entdeckt. Ein wunderbares Gefühl, über die Alte Donau zu gleiten und danach schwimmen zu gehen. Und das alles ohne Schmerzen!

VERANSTALTUNGSTIPP Patienten-Infotag über neueste Erkenntnisse zum Gelenksersatz für Knie und Hüfte, 15. 6. 2016, 15.30 Uhr, Van-Swieten-Saal der MedUni Wien, 1090 Wien, Van-Swieten-Gasse 1a. Eintritt frei, begrenzte Sitzplätze, Anmeldung: 01 / 40400-40830. eMail:alexandra.mayr@meduniwien.ac.at

Generell gilt auch für Patienten mit Endoprothesen, dass Muskelaufbau und Fitnesstraining ständig fortgeführt werden sollen. Das sagt Univ.-Prof. Reinhard Windhager, Leiter der Universitätsklinik für Orthopädie der MedUni Wien: „Nur eine stabile, gefestigte Muskulatur bietet den Gelenken ausreichenden Schutz und Halt.“ Dies gelte für ein gesundes Gelenk genauso wie für einen Gelenksersatz. Prinzipiell könne man auch mit einem künstlichen Gelenk jene Sportarten ausüben, die man schon vorher betrieben hat. Impaktsportarten, skilaufen sollte man frühestens nach einem Jahr moderat betreiben. Lockeres Tennisspiel ist schon sechs Monate nach der Operation erlaubt. Windhager: „Dank verbesserter Techniken können wir nun auch ältere Patienten erfolgreich operieren, der älteste Patient war 101 Jahre alt. Die Wartezeit im AKH beträgt derzeit drei Monate, Akutfälle werden früher behandelt.“ Große FortschritteIn den vergangenen Jahren habe es im Bereich des Knie- und Hüftgelenkersatzes enorme Fortschritte und Verbesserungen gegeben. „Das erhöht nicht nur die Erwartungen der PatientInnen, sondern auch die Anforderungen an die orthopädische Chirurgie.“ Um den höchsten Ansprüchen an die Qualität bei künstlichen Hüft- und Kniegelenken gerecht zu werden, habe die Universitätsklinik für Orthopädie der MedUni Wien als erste Orthopädie Österreichs auch die Zertifizierung zum Endoprothetikzentrum durchgeführt. Bei einem Info-Tag am 15. 6. (siehe links unten) informieren Experten über den aktuellen Stand der Therapie.

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