Wellness
12.04.2017

Fauxpas: Frauenmagazin verkauft Krebs als Diät

Um Leser zu locken, brachte das Magazin Cosmopolitan die Krebserkrankung einer Frau mit ihrem drastischen Gewichtsverlust in Verbindung. Das sorgt für Aufsehen.

"Liebe Cosmopolitan: ' Krebs ist kein Diätplan'", schreibt Travis M. Andrews in einem Artikel für die Washington Post und bezieht sich dabei auf einen aktuellen Artikel der US-amerikanischen Frauenzeitschrift.

Problematisch ist im konkreten Fall nicht das Thema "Diät", welches seit jeher einen redaktionellen Schwerpunkt des Magazins darstellt, sondern die inhaltliche Aufbereitung im Speziellen. Am 11. April teilte die Cosmopolitan auf Twitter einen Link zu einem Artikel. Im Bildtext war Folgendes zu lesen: "Wie diese Frau 20 Kilogramm verlor *OHNE* dabei Sport zu machen." Passend dazu war auf dem im Tweet eingebetteten Bild eine sportliche, lächelnde Frau zu sehen.

Jene User, die sich von dem verführerisch klingenden Bildtext zu einem Klick auf den Link verleiten ließen, sollten von dessen Inhalt jedoch "betroffen zurückgelassen werden", wie Travis M. Andrews schreibt.

Simone Harbinson verlor 20 Kilo

Im Artikel wird das Schicksal der 31-jährigen, krebskranken Simone Harbinson geschildert, die nach ihrer Diagnose 20 Kilogramm abnahm. Der Aspekt der Krebserkrankung, die damit verbundenen schicksalhaften Ereignisse und gesundheitlichen Probleme werden im Text thematisiert, um eine möglichst große Reichweite zu erzielen, wurde der Aspekt des Gewichtsverlusts herausgestrichen. Eine Tatsache, die für erboste Reaktionen bei der Leserschaft sorgen und Medienberichte nach sich ziehen sollte.

Unmittelbar nach der Veröffentlichung des Tweets hagelte es negative Kommentare auf dem Kurznachrichtendienst: "Krebs ist keine Diät. Löscht das." Ist da beispielsweise zu lesen. "Seid ihr verrückt", beschwert sich eine Userin.

Krebs als "Geheimtipp"

In einem Artikel für die Huffington Post schreibt Journalistin Jenna Amatulli: "Wie bei einem Buchcover sind Headlines dazu da Leser zu locken – bei der Cosmopolitan ist man aber einen Schritt zu weit gegangen." Amatulli zufolge werde das Schicksal der jungen Frau, die als Fitness-Bloggerin arbeitet, als "Geheimtipp" für einen schnellen Gewichtsverlust verkauft.

Im Text werde man zwar über die gesundheitlichen Probleme der 31-Jährigen informiert, dann rücke aber eine Diätmethode ins inhaltliche Zentrum. Mit dieser hat Harbinson laut eigenen Angaben 20 Kilogramm verloren, obwohl sie aufgrund ihrer Erkrankung nicht ins Fitnessstudio gehen konnte. Auch ein Link zur Website der genannten Diätmethode, der wie Werbung daherkommt, wurde platziert.

Zwar wird niemals ein direkter Zusammenhang zwischen der Krebserkrankung der Frau und ihrem Gewichtsverlust hergestellt, in Summe wirkt die Aufbereitung dennoch deplatziert.

Daily Mail & Women’s Health ziehen nach

Das hat man offenbar auch bei der Cosmopolitan realisiert und den Titel der Story abgeändert. Auf der Website ist nun die Titelzeile "Ein ernstzunehmendes Gesundheitsproblem hat mir dabei geholfen meinen Körper mehr denn je zu lieben" zu lesen. Aus einer Anmerkung der Redaktion am Ende des Artikels geht hervor, dass der Text abgeändert wurde. Doch die Cosmopolitan ist nicht die einzige Zeitschrift, die Simone Harbinsons Geschichte in einen bizarren Kontext stellt. Wie ein Blick auf Harbinsons Instagram-Account verrät, haben auch die Daily Mail und Women’s Health ihr Schicksal unter der "Diät-Klammer" veröffentlicht.

Tweet gelöscht, Betroffene berichten

Mittlerweile wurde jedenfalls auch der Tweet vom offiziellen Twitter-Account des Cosmo-Magazins gelöscht. Der Ärger über die absurde Publikation bleibt.

Als Reaktion auf den Artikel teilen Krebspatienten und Angehörige Erkrankter auf Twitter ihre eigenen Geschichten und untermauern die ihrer Meinung nach plumpe und unpassende Herangehensweise der Zeitschrift.