Weihnachten
24.12.2012

Auch das ist Weihnachten

Was um den Heiligen Abend im Lauf der Jahrhunderte passierte

Natürlich ist Weihnachten in erster Linie ein Fest der Freude. Doch die Weltgeschichte hält sich nur selten dran. Katastrophen und Schicksalsschläge machten das Christfest allzu oft zum Fest der Tränen und der Trauer. Wir erleben zu Weihnachten ganz Alltägliches, es wird geboren und gestorben, die Welt von Leid erschüttert. Als wären die Tage um Christi Geburt ganz normale Tage.

In den Weihnachtstagen 2004 ereignete sich eine der größten Tragödien unserer Zeit. Am 26. Dezember zerstörte ein Tsunami im Indischen Ozean weite Teile der Küstenregionen Asiens und Afrikas, und sie haben sich bis heute nicht davon erholt. 230.000 Menschen starben, und es wird Generationen dauern, bis hier wieder Normalität eintritt.

„Christkind“ Sissi

Menschen, die am Heiligen Abend das Licht der Welt erblicken, beklagen sich meist, dass die Weihnachts- und Geburtstagsgeschenke eins sind, und sie summa summarum weit weniger bekommen als andere. Bei Kaiserin Elisabeth, geboren am 24. Dezember 1837, musste man sich da wenig Sorgen machen, sie war mit einem der reichsten Monarchen der Welt verheiratet und wurde das ganze Jahr über beschenkt.

Die Burgschauspielerin Rosa Albach-Retty, deren Enkelin Romy Schneider eben diese „Sissi“ im Film verkörpern sollte, kam am zweiten Weihnachtsfeiertag 1874 zur Welt und durfte nicht weniger als 105 Heilige Abende erleben. Apropos: Romy Schneiders erster „Sissi“-Film feierte zu Weihnachten 1955 seine Uraufführung.

Ebenfalls zu Weihnachten wurde Ägyptens Staatschef Sadat, der wie Kaiserin Elisabeth durch ein Attentat ums Leben kam, geboren. „Christkinder“ waren bzw. sind auch die Hollywoodstars Ava Gardner und Humphrey Bogart sowie „Mr. Wunderbar“ Harald Serafin und Landeshauptmann Erwin Pröll.

Weihnachtswunder

40 Jahre lang feierte der Schauspieler Walther Reyer am 24. Dezember Geburtstag – und das, obwohl er am 4. September 1922 geboren wurde. Er nannte den Heiligen Abend seinen „zweiten Geburtstag“, weil er den 24. Dezember 1958 nur wie durch ein Wunder überlebt hatte. Reyer saß in einer AUA-Maschine, die kurz vor der Landung am Flughafen Wien-Schwechat abstürzte, explodierte und völlig ausbrannte. Neben Reyer befanden sich in dem Flugzeug weitere 33 Passagiere und Besatzungsmitglieder – und alle überlebten das Unglück. Es ging als „Weihnachtswunder von Schwechat“ in die Geschichte ein. Walther Reyer feierte bis zu seinem Tod 1999 zwei Mal im Jahr Geburtstag.

So mache Familie gedenkt gerade in den Christ-Tagen ihrer Toten. So starb zu Weihnachten 1935 der Komponist Alban Berg, und am 25. Dezember 1977 schloss der große Charlie Chaplin für immer seine Augen.

Tod eines Komödianten

Als Maxi Böhm am Stephanitag des Jahres 1982 nicht in seiner Garderobe im Theater in der Josefstadt zur Vorstellung erschien, fand ihn die alarmierte Rettung tot in seiner Wohnung auf. Er war einem Herzinfarkt erlegen.

Die beiden größten Skandale um Arthur Schnitzler brachen just an den hohen Festtagen aus: In der Weihnachtsbeilage der Neuen Freien Presse des Jahres 1900 wurde sein „Leutnant Gustl“ erstmals veröffentlicht, worauf dem Dichter von einem Ehrengericht die Offiziers-Charge „wegen Beleidigung der Armee“ aberkannt wurde. Und am 23. Dezember 1920 führte die Berliner Uraufführung des „Reigen“ zum Theaterskandal des Jahrhunderts, der dann in Wien seinen Höhepunkt fand.

Weltgeschichte schrieb Michail Gorbatschow, als er am 25. Dezember 1991 als Staatspräsident zurücktrat, womit auch das Ende der Sowjetunion besiegelt war.

Ja, auch all das ist Weihnachten. Die Geschichte nimmt ihren Lauf, kennt kein Erbarmen, keinen Weihnachtsfrieden.

Weihnachten. Ein Tag der Freude und des Leids.