Rojava: Warum die kurdische Autonomie in Syrien vor dem Aus steht

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Rojava steht vor dem Ende. Warum das kurdische Autonomieprojekt jetzt zu zerbrechen droht.

Rojava galt lange als eines der ungewöhnlichsten politischen Projekte im Nahen Osten. Inmitten des syrischen Bürgerkriegs errichteten kurdische Kräfte im Nordosten des Landes ab 2013 eine Selbstverwaltung, die sich bewusst von den autoritären und religiös geprägten Machtstrukturen der Region absetzte.

Die sogenannte „Demokratische Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien“ verstand sich als basisdemokratisch, säkular und mehrsprachig. Frauen spielten eine zentrale Rolle, Minderheiten wie Christen und Jesiden waren in die Verwaltung eingebunden. International wurde Rojava für viele zum Hoffnungssymbol eines denokratischen Zusammenlebens im Nahen Osten.

Gleichzeitig blieb das Projekt von Beginn an fragil. Die kurdisch dominierten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) wurden ab 2014 zu den wichtigsten Verbündeten der USA im Kampf gegen den „Islamischen Staat“. Städte wie Kobanê wurden weltweit zum Symbol des Widerstands. Politisch jedoch wurde die Autonomie nie anerkannt.

Vor allem die Türkei betrachtete die kurdische Selbstverwaltung stets als Bedrohung der eigenen nationalen Einheit und griff wiederholt militärisch ein. Mit dem Sturz des Assad-Regimes 2024 schien sich die Lage zunächst zu entspannen: Die neue Übergangsregierung unter Ahmed al-Sharaa stellte Dialog und einen multiethnischen Staat in Aussicht.

Doch Ende 2025 verschärfte sich die Situation erneut. Regierungstruppen, unterstützt von der Türkei, rückten in kurdische Gebiete vor, strategisch wichtige Staudämme und Ölfelder wurden eingenommen, hunderttausende Menschen flohen. Ein neues Abkommen sieht nun die Eingliederung der kurdischen politischen und militärischen Strukturen in den syrischen Staat vor. Zugeständnisse sind angekündigt. Die bisherige Autonomie würde damit jedoch faktisch enden.

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