„Cute Sunburn“: Warum Experten vor diesem TikTok-Trend warnen
Auf der Social-Media-Plattform wird zurzeit geraten, sich absichtlich einen Sonnenbrand zuzuziehen, um einem bestimmten „Look“ nachzueifern. (Symbolbild)
Auf TikTok verbreitet sich im Moment der Begriff „Cute Sunburn“ – zu Deutsch „süßer bzw. niedlicher Sonnenbrand“. Vor allem weibliche User zeigen, dass sie absichtlich länger in der Sonne liegen oder keine Sonnencreme verwenden, um im Gesicht rot zu werden. Auf der Nasenspitze und im oberen Wangenbereich soll der Sonnenbrand wie „natürliches Rouge“ wirken. Dafür cremen sich manche Userinnen nur einen bestimmten Teil des Gesichts ein, um diesen „Look“ zu erzielen.
Was wie ein harmloser Internettrend wirkt, kann schnell gefährlich werden: Das weiß auch Martin Schulze, Apotheker und Leiter der pharmazeutischen Kundenbetreuung bei mycare.de, der vor dem „Cute Sunburn“ warnt.
„Kleiner Brand“ mit großen Konsequenzen
„Ein Sonnenbrand ist kein ästhetisches Phänomen. Er ist das sichtbare Zeichen einer UV-Schädigung, die bereits stattgefunden hat, und zwar irreversibel. UV-Strahlung schädigt die DNA in den Hautzellen direkt. Der Körper versucht, diese Schäden zu reparieren. Gelingt das nicht vollständig, können die betroffenen Zellen entarten“, erklärt Schulze. „Jeder Sonnenbrand, auch ein vermeintlich kleiner, erhöht das Risiko für Hautkrebs, einschließlich des malignen Melanoms. Das ist keine abstrakte Langzeitgefahr, sondern ein belegter medizinischer Zusammenhang.“
TikTok-Trend blendet Krebsrisiko aus
In den Beiträgen sieht man, wie zahlreiche TikTok-User mit geröteter und sogar sich ablösender Haut in die Kamera blicken. „Seht zu, wie sich mein süßer Sonnenbrand in eine Sonnenallergie verwandelt“, schreibt eine Userin unter ihr Video. „Tragt Sonnencreme und schlaft nicht in der Sonne ein“, warnt sie weiter.
„In diesen Videos sieht man gerötete Haut, aber die gesundheitlichen Folgen werden konsequent ausgeblendet. Gerade Kinder und Jugendliche nehmen das als normalen Sommerlook wahr, ohne zu wissen, dass es sich bereits um eine Schädigung der Haut handelt. Wer früh wiederholt Sonnenbrände erleidet, trägt ein deutlich erhöhtes Krebsrisiko im Erwachsenenalter“, erklärte der Experte weiter.
Wie viel Sonnencreme für den Körper?
Martin Schulze betont, dass für den gesamten Körper eine Menge von Sonnencreme benutzt werden sollte, die etwa der Größe eines Golfballs entspricht. „Wer zu wenig aufträgt, erreicht den angegebenen Lichtschutzfaktor nicht. Ich empfehle grundsätzlich LSF 50. Und was die wenigsten wissen: Nachcremen verlängert nicht die maximale Schutzzeit, es erhält lediglich den bestehenden Schutz aufrecht“, weiß der Apotheker. Spätestens alle zwei Stunden sowie nach dem Baden oder Schwitzen sollte man seinen Körper neu eincremen.
Erhöhte Verantwortung für soziale Medien und Politik
Martin Schulz appelliert vor allem an Influencer, die diesen Trend verbreiten, mehr Verantwortung zu übernehmen. Vor allem, wenn sie eine große Reichweite haben, sollten ihre Fans über die „gesundheitlichen Risiken von UV-Strahlung aufklären“. Doch auch Social-Media-Plattformen hätten die Aufgabe, „gesundheitsgefährdende Inhalte zu kennzeichnen und richtigzustellen“. Vor allem junge User und Userinnen sollten im familiären und schulischen Umfeld mehr über die Gefahren des übermäßigen Sonnenbadens aufgeklärt werden.
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