Was ist der "Scientology Speedrun" auf Tiktok?
Auf TikTok posten immer mehr User und Userinnen, wie sie in Scientology-Gebäude laufen, bis sie aufgefordert werden, zu gehen. (Symbolbild)
Auf TikTok tauchen zurzeit immer mehr Videos auf, in denen User und Userinnen in Standorte der religiösen Bewegung Scientology laufen, bis sie des Grundstücks verwiesen werden. Gründe dafür sind unter anderem, dass einige neugierige TikToker und TikTokerinnen Tom Cruise (das berühmteste Mitglied der Kirche) finden wollen oder einen jahrelangen Vermisstenfall möchten.
Darum geht es beim „Scientology Speedrun“
Im neuen TikTok-Trend geht es um das geheimnisumwitterte Gebäude von Scientology, das neugierige Nutzer und Nutzerinnen im „Speedrun“-Stil (Schnelldurchlauf wie bei Videospielen) durchlaufen möchten. Vor allem das Informationszentrum der Scientology-Kirche am Hollywood Boulevard in Los Angeles, Kalifornien, war von dem Trend betroffen.
Anschließend wurde der Trend auch an europäischen Standorten, wie beispielsweise in Amsterdam und Paris, durchgeführt. In den Aufnahmen wird gezeigt, wie die filmenden Personen durch das Gebäude laufen, bis sie von Mitarbeitern der Organisation gebeten werden, zu gehen. Teilweise gab es Gruppenversammlungen von bis zu 20 Personen und mehr, die in das Gebäude eindringen wollten.
In manchen Aufnahmen sind die Personen, die in die Gebäude eindringen, auch in Kostümen - so war ein TikToker unter anderem als Jesus verkleidet. Einer der Hauptgründe, warum Menschen unter anderem das Scientology-Gebäude am Hollywood Boulevard gestürmt haben, war die Erstellung einer detaillierten Karte des Außenbereichs, wobei Grundrisse auf Reddit und anderen sozialen Medien geteilt wurden.
Woran glauben Scientologen?
Scientology wurde vom Science-Fiction-Autor L. Ron Hubbard gegründet und wird vor allem als umstrittene Glaubensgemeinschaft angesehen. Hubbard, der 1986 verstorben ist, glaubte daran, dass Geister, sogenannte „Thetane“, am Körper einer Person „festsitzen“. Diese sind sehr machtvoll und unsterblich, doch durch traumatische Erlebnisse haben die Menschen ihr vorheriges Leben vergessen.
Galaktischer Diktator Xenu
Ein galaktischer Diktator namens Xenu habe laut dem Autor vor 75 Millionen Jahren Wesen von seinem Planeten gefangen genommen, sie eingefroren und dann zur Erde geflogen. „[Er] warf sie in Vulkane, sprengte sie mit Wasserstoffbomben in die Luft und fing sie dann mit so etwas wie Seelenmagneten ein und diese körperlosen Seelen der Menschen, die in die Luft gesprengt wurden, sind hier auf der Erde einfach im Wind verweht und heften sich an Dinge“, erklärte das ehemalige Scientology-Mitglied Aaron Smith-Levin in einem Interview mit dem Podcaster Lex Fridman. Seitdem würden die Geister in menschlichen Hüllen wiedergeboren werden.
Wer unter „menschlichen“ Krankheiten oder Schmerzen leidet, würde laut den Lehren der Kirche mit bestimmten Methoden „behandelt“ werden: „Wenn man also auf den höheren Stufen von Scientology krank wird, Krebs hat oder etwas mit einem nicht stimmt, sagt Scientology: ‚Das ist eine deiner körperlichen Angelegenheiten, du musst dich auditieren lassen.‘“ Dabei würde sich der reaktive Verstand einschalten, den man durch Auditing-Sitzungen wieder „zurücksetzen“ soll. So werden negative Eindrücke wie Albträume, Ängste und schmerzhafte Emotionen gelöscht, damit der Verstand wieder fehlerfrei arbeiten kann. Das Ziel von Scientology ist es, eine Zivilisation ohne Wahnsinn, Kriminelle oder Krieg zu schaffen.
Die vielen Vorwürfe gegen Scientology
Tom Cruise, der bereits in den späten 80er-Jahren von seiner Ex-Frau Mimi Rogers von Scientology hörte und seit Mitte der 2000er-Jahre für die religiöse Bewegung wirbt, ist für seine Loyalität gegenüber Scientology bekannt. Auch „King of Queens“-Schauspielerin Leah Remini war seit ihrem siebten Lebensjahr ein Mitglied, bis sie 2013 ihren Austritt bekanntgab und seither gegen ihre ehemalige Religionsgemeinschaft warnte.
- Der Star war zudem ein Mitglied der Sea Organization (Sea Org), dem elitären Vollzeit-Orden der Scientology-Kirche, der 1967 gegründet wurde. Mitglieder dieser Organisation unterschrieben einen „Milliarden-Jahre-Vertrag“, mit dem sie ihre ewige Verpflichtung gegenüber Scientology bekunden, und sich der „Befreiung des Planeten“ durch lange Arbeitszeiten und strenge Disziplin widmen.
- 2023 verklagte sie Scientology, denn die Organisation habe seit 2006 eine Schmierkampagne gegen sie gefahren, der sie entgegenwirken wollte. Mit der Klage hoffe sie, das Recht zu schützen, dass sie und andere Personen Fakten über Scientology berichten können, „ohne Angst vor bösartiger und rachsüchtiger Vergeltung.“
Remini ist nicht die Einzige, die schwere Vorwürfe gegen Scientology erhebt: Seit Jahren wird davon gesprochen, dass die Religionsgemeinschaft Anhängern und Anhängerinnen das Geld aus der Tasche zieht, Mitglieder von Angehörigen trennt (vor allem, wenn Familienmitglieder aus der Kirche austreten) und „sektenhafte“ Missstände vertuscht.
Wo ist die Ehefrau von Scientology-Führer David Miscavige?
Remini war auch diejenige, die die Polizei aufgrund des Verschwindens von Michele „Shelly“ Miscavige, die Ehefrau des Scientology-Führers David Miscavige, kontaktierte. Miscavige ist seit August 2007 nicht mehr öffentlich gesehen worden. Während die Scientology-Kirche angibt, dass die Ehefrau des Leiters nicht verschwunden sei, sondern nur abseits der Öffentlichkeit für die Kirche arbeite, behaupten ehemalige Mitglieder, sie werde gegen ihren Willen in einer geheimen, abgelegenen Anlage in Kalifornien festgehalten.
Möglicherweise hat auch dieser Vermisstenfall dazu beigetragen, dass das Mysterium um die Scientology-Kirche gelüftet werden soll und immer mehr User und Userinnen herausfinden möchten, was sich hinter den sonst so verschlossenen Türen abspielt.
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