Was sich die Gen Z in Österreich vom Journalismus wünscht
Was will die Gen Z vom Journalismus? Eine neue Studie gibt Aufschlüsse.
"Die Jungen sind nur noch auf Social Media unterwegs" oder "für Nachrichten interessieren sie sich ohnehin nicht mehr" – solche Einschätzungen sind in Redaktionen weit verbreitet. Doch stimmt das? Kleiner Spoiler: Nicht wirklich!
Eine neue qualitative Studie aus Österreich geht dieser Frage nach und zeichnet erstmals ein differenzierteres Bild davon, wie die Generation Z Medien nutzt, was sie erwartet und wo die Branche an ihr vorbeiarbeitet. Unter dem Titel "Knapp daneben ist auch vorbei" wurden dafür 27 junge Erwachsene zwischen 18 und 30 Jahren ausführlich zu ihrem Medienverhalten befragt.
Junge wollen nicht nur Unterhaltung
Ein zentrales Ergebnis der Studie widerspricht einem gängigen Klischee: Die Generation Z sucht keineswegs nur Unterhaltung. Vielmehr zeigt sich ein überraschend klassisches Verständnis von Journalismus. Die Mehrheit der Befragten wünscht sich objektive, ausgewogene Berichterstattung, die nachvollziehbar ist und auf klaren Fakten basiert. Transparenz spielt dabei eine zentrale Rolle, inklusive Quellen, Einordnung und weiterführende Links.
Text oder Videos: Gen Z liest lieber
Auch beim Konsum zeigt sich ein differenziertes Bild. Zwar gewinnen Videoformate weiter an Bedeutung, doch überraschenderweise bleibt das Lesen von Nachrichten für viele die erste Wahl. Der Grund ist pragmatisch: Texte ermöglichen einen schnellen Überblick und lassen sich flexibel konsumieren. Videos werden vor allem ergänzend geschätzt, idealerweise in Kombination mit geschriebenen Artikeln.
Die Studie wurde von Jana Koch und Alexandra Borchardt durchgeführt. Sie wurde vom in der Mediengruppe Wiener Zeitung angesiedelten Kontext Club in Auftrag gegeben. Die Autorinnen führten qualitative Interviews mit:
- 27 jungen Erwachsenen (18–30 Jahre),
- 18 Medienschaffenden aus Österreich sowie
- 13 internationalen Experten und Expertinnen
Podcasts und Print weniger beliebt
Audioformate wie Podcasts hingegen spielen bei den 18- bis 30-Jährigen eine geringere Rolle als oft angenommen. Der viel zitierte Podcast-Boom scheint sich eher in anderen Altersgruppen abzuspielen. Auch gedruckte Zeitungen haben kaum noch Relevanz. Selbst jene, die noch gelegentlich Printprodukte nutzen, greifen deutlich häufiger zu digitalen Angeboten.
Social Media als zentrale Nachrichtenquelle
Ein Punkt zieht sich klar durch die Ergebnisse: Der Weg zu Nachrichten führt für die Gen Z meist über soziale Netzwerke. Plattformen wie Instagram, TikTok oder YouTube sind für viele der erste Berührungspunkt mit aktuellen Themen. Klassische Einstiege, etwa über Startseiten von Medien oder Apps, verlieren zunehmend an Bedeutung. Laut Studie steuert nur noch etwa ein Drittel der jungen Nutzer gezielt solche Angebote an.
Hoher Anspruch, geringe Zahlungsbereitschaft
So klar die Erwartungen an Inhalte formuliert sind, so widersprüchlich zeigt sich das Verhalten beim Thema Bezahlung. Etwa die Hälfte der Befragten gibt an, grundsätzlich bereit zu sein, für Qualitätsjournalismus Geld auszugeben. In der Praxis passiert das allerdings kaum. Tatsächlich berichtet die Studie, dass nur eine einzige Person ein laufendes Abo besitzt. Einige wenige greifen gelegentlich zu Einzelkäufen, der Großteil konsumiert Nachrichten jedoch ausschließlich kostenlos.
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