Fall Timmy: Sprengen, retten oder aufgeben? "Wal-O-Mat" entfacht Debatte
Buckelwal Timmy kämpft vor Poel in der Ostsee ums Überleben. Ein "Wal-O-Mat" sorgt für Diskussionen über die Rettung des Tieres.
Der gestrandete Buckelwal, der auf den Namen "Timmy" getauft – inzwischen auch "Hope" genannt – wurde, kämpft seit Wochen vor der Insel Poel in der Ostsee ums Überleben. Seit Anfang März verfolgt die Öffentlichkeit das Drama und wird Zeuge seines Einzelschicksals.
Mehrfach ist der rund zwölf Meter lange Meeressäuger auf Sandbänken steckengeblieben. Zwar gelang es ihm zeitweise, sich aus eigener Kraft zu befreien, doch verlor er immer wieder die Orientierung, änderte seine Richtung und ist schließlich erneut gestrandet. Inzwischen läuft eine privat finanzierte, aufwendige Rettungsaktion, die nur schleppend vorankommt. Auf kurze Lichtblicke folgen Rückschläge, die sich teils über Tage hinziehen. Aktuell liegt das Tier in der Kirchsee-Bucht fest. Experten äußern Zweifel am Erfolg der Maßnahmen, während die Walretter nicht aufgeben wollen.
Gemischte Reaktion auf Rettungsaktion von Wal Timmy
Die Reaktionen sind stark geteilt: Manche verfolgen das Geschehen mit großer Anteilnahme und empfinden Hilflosigkeit ("Warum hilft ihm denn keiner?"), andere sind genervt, welch eine Präsenz dieses Thema medial und auch in vielen privaten Gesprächen einnimmt. Wal Timmy ist längst zum Politikum geworden.
"Wal-O-Mat": Test zeigt, wie man zu Wal Timmy steht
Eine Freundesgruppe griff die Debatte auf und kam auf die ungewöhnliche Idee, einen eigenen "Wal-O-Mat" zu erstellen, angelehnt an den Wahl-O-Mat. Das kostenlose Online-Tool versteht sich als Parodie auf die etablierte Wahlentscheidungshilfe und soll auf spielerische Weise zeigen, welche Haltung man zur Rettungsaktion einnimmt.
"Die Idee ist bei einem Weinabend mit Freunden entstanden", so der Entwickler der Website, Mattheus Berg (24). Seit Samstagnachmittag ist die Website walo-mat.org online, wie der Spiegel unter Berufung auf die dpa berichtet. Nutzer klicken sich durch 19 Aussagen und geben an, inwieweit man diesen zustimmt.
Beispiele der Aussagen:
- "Jede Spinne bei mir zu Hause wird mit einem Marmeladenglas vor die Tür gesetzt."
- "Ich liebe es, diesen bewegungslosen Körper im Livestream anzuschauen – meinetwegen könnte das ewig so weitergehen."
- "Freiheit ist der Ausgang des Fisches aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit."
Zu jeder Aussage gibt es eine ausführliche Einordnung, was es mit der Aussage auf sich hat und warum diese teils bewusst emotional zugespitzt formuliert ist. So lautete eine der Erklärungen: "Diese These misst Ihre Bereitschaft, strukturelles Unrecht zu benennen und Verantwortung extern zu verorten. Die Formulierung ist bewusst pauschal gehalten, um eine emotional aufgeladene Reaktion zu ermöglichen. Wer hier zustimmt, fühlt mit Opfern und neigt zu solidarischem Eingreifen. Der Wal-O-Mat nutzt diese Aussage als Indikator für Ihr Solidaritätsempfinden mit dem Leidenden."
Team "Sprengen", "Retten" oder "Liegenlassen"?
"Finde den besten Weg für Timmy Hope", heißt es auf der Seite, auf der ein animierter Wal gemächlich hin- und herschwimmt. Am Ende werden die Teilnehmenden einem von drei Lagern zugeordnet: Team "Sprengen", "Retten" oder "Liegenlassen". Das Ziel des Tests? "Wir wollten Menschen damit eine Flucht aus dem Alltag ermöglichen und ihnen ein kleines Lächeln ins Gesicht zaubern", so der 24-Jährige.
Im Einleitungstext des Tests heißt es augenzwinkernd: "Der Wal-O-Mat ist keine Walempfehlung, sondern eine Parodie über Wale und Politik."
Wie der Spiegel berichtet, hat der "Wal-O-Mat" seit Liveschaltung rund 80.000 Aufrufe verzeichnet.
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