Strom in den Beinen: Schüler entdecken das Wärmekraftwerk Theiß
Je schneller man in die Pedale tritt, desto schneller fährt das Auto – so konnten die Jugendlichen spielerisch lernen, wie Stromerzeugung funktioniert.
Am 18. Juni 2026 machten sich 14 Schülerinnen und Schüler des Lernhauses Herzogenburg gemeinsam auf den Weg zum Wärmekraftwerk Theiß. Was sie dort erwartete, war weit mehr als ein Lernhausausflug: Es war ein Nachmittag voller Entdeckungen, persönlicher Herausforderungen – und jeder Menge Energie.
Ankommen, spielen, stärken
Begleitet von einer Pädagogin und drei freiwilligen LernLesepat:innen rollte der Bus ans Kraftwerksgelände, wo die Gruppe herzlich willkommen geheißen wurde. Beim gemütlichen Come-Together durften die Schülerinnen und Schüler das weitläufige Areal erkunden – drinnen warteten Spieltische, draußen sorgte eine liebevoll gestaltete Hasenkoppel für leuchtende Augen. Auch für Energie wurde gesorgt: Ein reichhaltiger Snack stärkte die Gruppe für das, was noch kommen sollte.
Selber treten, selber leuchten
Den Auftakt des offiziellen Programms bildete eine Führung durch das Kraftwerk, geleitet von Mitarbeiter Emil – fachkundig, sympathisch und stets auf Augenhöhe mit den Jugendlichen. Besonderes Highlight im Inneren der Anlage war „Cordula“, eine technologisch faszinierende Anlage zur Wärmekrafterzeugung, die die Schülerinnen und Schüler aus nächster Nähe begutachten und anfassen durften.
Dann hieß es selbst aktiv werden: Auf speziellen Fahrrädern erzeugten die Jugendlichen durch Muskelkraft echten Strom – der prompt eine Carrerabahn zum Leben erweckte. Was folgte, war ein mitreißendes Wettkampftreten in die Pedale. Sieger gab es keine, müde Beine dafür schon.
Lernen, wie sich Muskelkraft in Strom ersetzen lässt: Wer schneller in die Pedale tritt, dessen Rennauto fährt folglich auch schneller.
50 Meter über dem Erdboden
Der wohl eindrucksvollste Moment des Tages: der Aufstieg auf das Kraftwerksdach in rund 50 Metern Höhe. Über steile Metallleitern, durch die der Blick auf den Boden jederzeit frei blieb, kletterten die Schülerinnen und Schüler nach oben – für manche eine echte Mutprobe.
Das Team der Betreuer bewies dabei feines Gespür: Ängste wurden sensibel aufgefangen, Mut gemacht, Vertrauen geschaffen. Oben angekommen wurden die Kinder mit einem einmaligen Ausblick für ihren Mut belohnt. Das gesamte Kraftwerksgelände, die im Bau befindlichen Photovoltaik- und Solaranlagen, die Donau, das Kraftwerk Zwentendorf und das Forschungszentrum Seibersdorf lagen wie ein Panorama zu Füßen der Gruppe. Emil erklärte die Landschaft, die Jugendlichen lauschten gebannt und wollten das Dach gar nicht mehr verlassen.
Hoch hinaus: Vom Kraftwerksdach, rund 50 Meter über dem Boden, hatten die Kids einen guten Blick über das Kraftwerksgelände, Photovoltaik- und Solaranlagen uvm.
Popcorn, Nebel und bunte Leuchtbänder
Nach dem Abstieg und einem gemeinsamen Gruppenfoto vor den Hochspannungsanlagen wartete noch eine letzte Überraschung: eine eigens für die Gruppe vorbereitete Disco. In einem leicht vernebelten Raum, ausgestattet mit bunten Leuchtbändern und guter Musik, tanzten und feierten die Schülerinnen und Schüler – mit Popcorn in der Hand und einem breiten Lächeln im Gesicht.
Unterstützung für alle, die sie benötigen
Der Ausflug zum Wärmekraftwerk Theiß ist Teil eines bewährten Konzepts. Seit 2013 betreibt das Rote Kreuz Niederösterreich gemeinsam mit Kurier Aid Austria Lernhäuser – kostenlose Lernförderangebote für Kinder, die schulische Unterstützung benötigen, deren Familien sich jedoch keine Nachhilfe leisten können.
Das erste Lernhaus entstand in Neunkirchen. Heute gibt es sechs Standorte in Niederösterreich: Neunkirchen, Tulln, Gänserndorf, Bruck, Herzogenburg und Mödling. Einige der Lernhäuser nehmen am Projekt „weiterlernen 2024–2026“ teil. Die Lernbegleitung im Rahmen des Projekts wird durch das BMFWF finanziert und von der Europäischen Union kofinanziert.
Seit 2013 wurden bereits 1.284 Kinder (inkl. Mehrfachzählungen) unterstützt.
Die Lernhäuser sind Lernförderangebote für Kinder, die schulische Unterstützung benötigen, deren Familien sich jedoch keine Nachhilfe leisten können.
Das Angebot geht aber weit über Hausaufgabenbetreuung hinaus. Ziel ist es, Freude am Lernen zu wecken, Selbstvertrauen aufzubauen und Chancengleichheit zu fördern. Kleine Erfolgserlebnisse – eine gelöste Rechenaufgabe, ein Lob zur Hausübung – geben den Kindern das Gefühl von Selbstwirksamkeit. Das stärkt nicht nur die schulischen Leistungen, sondern die ganze Persönlichkeit.
Getragen wird das Angebot von pädagogisch ausgebildeten Rotkreuz-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeitern sowie einem starken Team von freiwilligen LernLesepat:innen.
Lernen fürs Leben
Ein besonderes Augenmerk liegt auf der individuellen Förderung und der Stärkung der Eigenverantwortung der Kinder. Durch die unterschiedlichen Sozialformen lernen die Schülerinnen und Schüler, ihre eigenen Fähigkeiten realistisch einzuschätzen, Verantwortung für ihren Lernprozess zu übernehmen und konstruktiv mit anderen zusammenzuarbeiten.
Die Pädagoginnen und Pädagogen begleiten diesen Prozess gezielt, geben Impulse, unterstützen bei Schwierigkeiten und fördern vor allem auch die Selbstständigkeit der Kinder. So wird jedes Kind entsprechend seiner Fähigkeiten und Bedürfnisse in seiner Lernentwicklung unterstützt.
Erfolg, der weiterwirkt
Für viele Kinder wird das Lernhaus zu einem wichtigen Anker in ihrem Alltag. Einige sind traurig, wenn sie das Projekt verlassen – etwa beim Übergang in die nächste Schulstufe oder wenn ihre schulischen Leistungen sich so verbessert haben, dass sie keinen Betreuungsplatz mehr benötigen. Doch auch das ist Teil des Erfolgs: Manche kehren sogar zurück und engagieren sich nun selbst für die nächste Generation. Sie unterstützen die Jüngeren bei den Hausaufgaben, erklären Lernstoff und helfen dabei, sprachliche Barrieren zu überwinden. Eine schöne Bestätigung für das Konzept – und ein Zeichen für den nachhaltigen Wert dieser Einrichtungen.
Neben der Lernbetreuung gehören auch Ausflüge, gemeinsame Aktivitäten und soziale Erlebnisse fest zum Programm – so wie dieser Nachmittag in Theiß, der allen Beteiligten noch lange in Erinnerung bleiben wird.
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