Ukraine-Krise = Energie-Krise?

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Nach dem Erfolg der ersten beiden Veranstaltungen, lädt der KURIER erneut zur Podiumsdiskussion.

Kann Österreich in der Ukraine-Krise vermitteln? Wie stark ist unsere Wirtschaft abhängig? Ist unsere Energieversorgung in Gefahr?

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Im Rahmen unserer neuen VeranstaltungsreiheKURIER-Gesprächeladen wir ins Raiffeisen Forum: Diskutieren Sie mit AußenministerSebastian Kurzund dem Generaldirektor der OMVGerhard Roisszu diesen Themen.

Wann? Mittwoch, 26. März 2014 | 18 Uhr
Wo? Raiffeisen Forum | Friedrich-Wilhelm-Rai eisen Platz 1 | 1020 Wien
Moderation: Helmut Brandstätter, KURIER-Herausgeber
Anmeldung unter: events@KURIER.at

Der Eintritt ist frei.

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Gasengpass in Österreich unwahrscheinlich

Trotz gegenteiliger Versicherungen von Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) und OMV-Chef Gerhard Roiss hält sich hartnäckig die Sorge, dass eine weitere Eskalation der Ukraine-Krise in Europa und Österreich zu einem Engpass bei der Gasversorgung führen könnte. Experten sind sich aber einig, dass davon vorerst keine Rede sein kann.

Der russische Gasriese Gasprom hat zwar am Dienstag den Gaspreis für die Ukraine erhöht, das hat aber derzeit keine Folgen für Österreich, betont die OMV.

Europa von Russland-Importen abhängig

Tatsächlich ist Europa stark von Gasimporten aus Russland abhängig: Die EU-Kommission gibt den aktuellen Gasbedarf Europas mit 526 Milliarden Kubikmetern an - rund 30 Prozent davon kommen aus Russland, und davon wiederum rund 30 Prozent über Pipelines durch die Ukraine. Im vergangenen Jahr hat der russische Gaskonzern Gazprom seine Lieferungen in die EU und die Türkei um 16 Prozent auf 161,5 Milliarden erhöht. Österreich verbraucht knapp 8 Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr, rund die Hälfte davon wird aus Russland importiert.

Allerdings ist diese Abhängigkeit Europas von russischem Gas ein zweischneidiges Schwert, denn die Gasexporte sind Russlands wichtigste Einnahmequelle. Gut die Hälfte seines Umsatzes erzielte Gazprom im Vorjahr mit den Gaslieferungen nach Westeuropa.

Gas als Druckmittel

Davor, dass Russland sein Gas auch als Druckmittel oder "Waffe" zur Durchsetzung seiner politischen Ziele einsetzen könnte, wurde schon oft gewarnt. Tatsächlich ist das im aktuellen Konflikt ein Punkt, an dem die Ukraine besonders verwundbar ist. 2013 verbrauchte die Ukraine knapp über 50 Milliarden Kubikmeter Erdgas und importierte fast 26 Mrd. Kubikmeter von seinem großen Nachbarn.

Speicher ausgebaut

Österreich hat auf den russisch-ukrainischen Gasstreit von 2009 - es ging damals um den Gaspreis und angeblich nicht bezahlte Rechnungen - mit einem Ausbau seiner Gasspeicher reagiert. Heute entspricht die gesamte Speicherkapazität von etwa 7,4 Milliarden Kubikmetern fast dem österreichischen Verbrauch eines ganzen Jahres, allerdings gehört dieses Gas nicht zur Gänze Österreich, ein Teil müsste im Bedarfsfall also ins Ausland geliefert werden. Ziemlich genau ein Drittel dieser Kapazität gehört der OMV. Nach Angaben der E-Control sind die österreichischen Gasspeicher zu einem Drittel gefüllt.

Oettinger: "Kein Grund zur Beunruhigung"

Auch EU-Energiekommissar Günther Oettinger sieht wegen der Krise in der Ukraine und den Drohungen aus Moskau in Sachen Gasversorgung derzeit "keinen Grund zur Beunruhigung" für Europa. Die Versorgung mit Gas "ist in jedem EU-Land für Wärme und Strom bei Haushalten und Industrie gewahrt", sagte Oettinger am Dienstag nach dem EU-Energieministerrat in Brüssel.

Die Speicher in der EU seien "durch einen guten milden Winter voller als vor einem Jahr". Darüber hinaus vertraue er den russischen Gesprächspartnern beim Frühwarnsystem. "Wir bisher keinen Anruf aus Moskau erhalten", betonte Oettinger.

Gazprom streicht Gasrabatt

Inmitten der Krim-Krise hat unterdessen der russische Energieriese Gazprom angekündigt, der Ukraine die bisher gewährten Rabatte beim Gaspreis zu streichen. Ab April muss die Ukraine demnach den vollen Preis zahlen, wie Gazprom-Chef Alexej Miller am Dienstag in Moskau mitteilte. Das Unternehmen gewährt der Ukraine bisher einen Rabatt von 30 Prozent.

Gazprom schlug auch vor, der ukrainischen Regierung einen Kredit in Höhe von zwei bis drei Milliarden US-Dollar zu gewähren, damit sie ihre Gas-Schuld begleiche. Die Ukraine steht bei Gazprom gegenwärtig mit rund 1,5 Milliarden Dollar in der Schuld.

Noch am Montag hatte das russische Staatsunternehmen mitgeteilt, dass es nicht an eine Streichung des Rabatts denke. Russland hatte den Gaspreis schon mehrmals als politisches Druckmittel gegenüber der Ukraine eingesetzt. Im vergangenen Dezember vereinbarte der damalige Präsident Viktor Janukowitsch milliardenschwere Rabatte auf den Gaspreis. Nach dem Sturz von Janukowitsch war eine Streichung der Rabatte allgemein erwartet worden.

Erstellt am 28.01.2014