Susanne Widl hat ein Buch über ihr bewegtes Leben geschrieben

© Conny de Beauclair

Kultfigur
06/18/2016

Susanne Widl: Mimin, Muse, Model

Die Kultfigur gibt in einem neuen Buch Einblicke in ihr exzessives Leben.

von Brigitte R. Winkler

Sie wurde als toxisch, exotisch, erotisch, als Fashionista, Mimin, Muse und Model beschrieben. Jetzt hat Susanne Widl all dem ein weiteres Schlagwort hinzugefügt: Herausgeberin. Das Multitalent stellte nun im Kunsthistorischen Museum in Wien ihr erstes Buch vor: "Susanne Widl – Mein Leben im Spiegel der Medien".

Sehr persönliche Einblicke

Welch ein Vergnügen, sich durch den bilderreichen Prachtband zu arbeiten. Zeitgenossen können in Erinnerungen an die 60er-, 70er-, 80er- und 90er-Jahre eintauchen und schwelgen, jüngere Leser bekommen sehr persönliche Einblicke. In ihrer Einleitung stellt die Wiener Kultfigur Fragen, die zum Nachdenken anregen. Indem sie selbst fragt, oder andere gescheite Menschen zitiert und fragen lässt: Robert Musil, José Ortega y Gasset, Soren Kierkegaard, Abraham Lincoln.

"Was ist Wirklichkeit des Individuums und was nur Fiktion? Ich weiß es nicht. Deshalb zeige ich mich nur im Spiegel der Medien, als Konstruktion dessen, was die Medien aus ‚meinem‘ Leben gemacht haben", steht da. Bald danach wieder eine Frage: "Das Leben eines Menschen – ist es sein Leben?"

Im Abschnitt "Model" kann man sich hemmungslos an dieser schönen, ausdrucksstarken Frau erfreuen. Danach erzählt Kunstexperte Gerald A. Matt in Form eines Interviews die Geschichte der Susanne Widl. Von ihrer strengen, konservativen Erziehung, dem Ausbüchsen aus der Klosterschule, dem Wunsch des Vaters, statt Ärztin oder Schauspielerin zu werden, auf die "Knödelakademie" gehen zu müssen, um danach als perfekte Hausfrau auf das Leben mit einem reichen Mann vorbereitet zu sein.

Heimlich bewarb sich Susanne Widl als Statistin beim Film, lernte 1965 bei Dreharbeiten Peter Falk kennen. Der sie auch als "Columbo" noch liebte und gerne gegen seine Frau ausgetauscht hätte. Doch da kannte Susanne bereits ihren Lebensmenschen Peter Weibel, dem sie bis heute treu ergeben ist. Aber: "Ich krieg heute noch Herzklopfen, wenn ich an Peter Falk denke. Er war eine große Bereicherung."

Man kann Widl, die Wilde, Kühne, Neugierige, Wissbegierige, Vielseitige durch ihr spannendes exzessives Leben begleiten. Als Model mit Greencard in New York, als (Hollywood-)Schauspielerin, Performance-Künstlerin und Muse der tollsten Künstler: Valie Export, Konrad Bayer, Kurti Kalb, Christian Ludwig Attersee, Walter Pichler, die 2009 verstorbene Elfriede Gerstl.

Opernball-Auftritt im Frack

Alles immer nach dem Motto: "Gelebter Eigensinn ist wichtiger als Eigentum." Texte von Elfriede Jelinek, Olga Neuwirth oder Mode-Expertin Yasmin El Mohandes unterbrechen immer wieder Bilderflut und Zeitungsausschnitte. Unvergessen ihr Auftritt 1980 am Wiener Opernball. Im Frack. Widl: "Es gab ja eine Kleidungsvorschrift: Frack oder Abendkleid."

Als ihre Mutter stirbt, übernimmt sie 2000 das legendäre Café Korb auf der Brandstätte in Wien, befreit es von Schulden und baut seine Anziehungskraft nicht zuletzt durch die Art-Lounge im Keller weiter aus. Zur 110. Jubiläumsfeier gibt es ein goldenes Verdienstkreuz von Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny. Letzte Veranstaltung dort vor der Sommerpause: Der Mittwoch-Salon mit dem Thema "Warum Liebe weh tut – heute", zur Kulturpsychologie der Geschlechterbeziehungen (22. Juni, Beginn 20 Uhr, Eintritt frei). Ein Thema, das Susanne Widl, wie auch das Buch zeigt, sehr am Herzen liegt.
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