© Instagram/sattarkarim

Im Gespräch
03/09/2017

Star-Visagist: Was Frauen beim Make-up falsch machen

Make-up-Artist Karim Sattar im Gespräch über mehr Mut - und welche Produkte lediglich ein Marketing-Gag sind.

von Maria Zelenko

Stars wie Natasha Bedingfield und Heike Makatsch schwören auf seine Künste, denn Karim Sattar weiß, wie man ein Gesicht perfekt zur Geltung bringt. Seit 2012 schminkt der Visagist auch im Auftrag der deutschen Marke Dr. Hauschka – und beweist, dass dekorative Naturkosmetik in Sachen Farbenvielfalt und Haltbarkeit längst mit klassischen Produkten mithalten kann. Der KURIER traf den Beauty-Experten zum Gespräch über geliebte Make-up-Tricks und die fragliche Notwendigkeit von multifunktionalen Produkten.

KURIER: Herr Satra, wie lange arbeiten Sie bereits in der Beauty-Branche?

Karim Sattar: Seit 21 Jahren!

Das ist viel Zeit, um zu sehen, was Frauen bei ihrem Make-up falsch machen. Was sind die häufigsten Fehler?

Sicherlich gibt es Situationen, wo ich in ein Gesicht schaue und mir denke, dass das Gesicht unter dem Potenzial betont wurde. Ich würde mir mehr Experimentierfreudigkeit wünschen. Viele Frauen haben einen Schuh-Fetisch, aber der Beauty-Look hat sich seit dem 16. Lebensjahr nicht verändert. Es wäre schön, wenn sie mehr Vielfalt bei ihrem Make-up zeigen würden.

Ist das ein weltweites Phänomen?

Es ist überall so: Wenn einem etwas gefällt und man weiß, dass es einem steht, dann passiert es automatisch. In südlicheren Ländern wird Make-up ein anderer Stellenwert beigemessen, dort verwendet man es, um sinnlicher zu wirken. Japan und Korea sind vielleicht die einzigen Länder, wo das nicht der Fall ist. Sie sind uns ungefähr zehn Jahre voraus, was Make-up-Innovationen angeht.

Welche Make-up-Trends kommen 2017 auf uns zu?

Farben sind immer ein Thema. Zum Ende des Jahres werden diese immer plakativer, wie beispielsweise Petroltöne. Zum Frühling hin wird es naturgemäß heller. Dieses Hell-Dunkel-Spiel zwischen den Jahreszeiten wird es immer geben. Man merkt jedoch, dass viele Marken langsam an ihre Grenzen kommen, was innovative Farben angeht. Deshalb versucht man mit anderen Produktinnovationen die Kundin abzuholen. Cushion-Make-up ist ein Thema genauso wie Fusionen aus Lipgloss und Öl.

Welche Beauty-Tricks geben Sie besonders gern weiter?

Wenn man Puder und erst dann Foundation aufträgt, erhöht sich dessen Deckkraft. Die natürlichen Inhaltsstoffe, die wir bei Dr. Hauschka verwenden, sind sowohl in der Foundation als auch im Puder enthalten – und der Look wirkt nicht fleckig. Die Foundation kann als getönte Tagespflege fungieren, wenn man sie mit einer Creme vermischt. Mit der pudrigen Grundlage kann man sie aber auch als Camouflage anwenden.

Auf welches Produkt können Frauen getrost verzichten?

Ich bin bei multifunktionalen Produkten immer vorsichtig – vor allem in der Hautpflege. Es ist für mich ein Albtraum zu sagen, man duscht sich und danach ist man eigentlich schon eingecremt. Das funktioniert für mich nicht. Andersrum sehe ich nicht die Notwendigkeit jetzt auch noch ein Nasenspitzenserum auf den Markt zu bringen. Ich finde alles schwierig, was ganz offensichtlich nur dafür hergestellt wurde, um einen Marketing-Zweig zu bedienen. Ich mag klare, einfache Herangehensweisen. Alles, was als „ein Produkt für alles“ ausgelobt wird oder seine Farbe bei Hautkontakt verändert, finde ich gruselig. Stark parfümierte Produkte für das Gesicht mag ebenso wenig, das ist etwas, das ich nie verstanden habe. Synthetische Düfte haben im Gesicht nichts verloren.