Klaus und Jami Heidegger: Kiehl’s ist verkauft, jetzt kommt die Luxus-Pflegeserie Retrouvé

© KURIER/Rainer Eckharter

Beauty
07/13/2015

Jami Morse: "Die Zukunft der Kosmetik ist genderfree"

Die neue Luxus-Creme aus dem Hause Morse-Heidegger ist für Frauen und Männer geeignet.

von Julia Pfligl

Ein Tiegerl für die Frau, ein Tiegerl für den Mann – so sah es jahrelang auch im Badezimmer der Familie Morse-Heidegger aus. Bis Jami Morse, Kiehl’s-Erbin und Ehefrau des österreichischen Ex-Skirennläufers Klaus Heidegger, umdachte. "Ich wollte ein Produkt entwickeln, das sowohl mein Mann als auch ich verwenden kann", erzählt die studierte Biologin.

Zehn Jahre lang – Jami und Klaus hatten die Kultmarke Kiehl’s gerade erst an L’Oréal verkauft – tüftelte sie mit einem Chemiker an der perfekten Rezeptur, testete Inhaltsstoffe und neue Technologien. Das Ergebnis ist eine vierteilige Luxus-Pflegeserie mit dem Namen "Retrouvé", die seit kurzem auch in Österreich erhältlich ist (bei Nägele & Strubell und Kussmund). Geld spielte bei der Herstellung keine Rolle, heißt es im Pressetext, und das sollte es auch für den potenziellen Käufer nicht: Die Preise der vier Produkte (Gesichtsserum, Gesichtsaufbaupflege, Gesichtscreme, Augenkonzentrat) liegen zwischen 380 und 450 Euro.

Apfel & Weißer Tee

Die Edel-Creme, die ursprünglich nur für Jamis und Klaus’ persönlichen Gebrauch gedacht war, vereint so ziemlich alles, was die Kosmetikindustrie momentan an exklusiven und hochwirksamen Zutaten zu bieten hat: Apfel-Stammzellen, Hefe-Aminosäure, Granatapfel und Weißer Tee, dazu verschiedene Antioxidantien und Vitamine. Und sie ist "genderfree", also geschlechtsneutral.

Eine Creme für den Mann und eine für die Frau, das sei einfach nicht mehr zeitgemäß, ist die 54-Jährige überzeugt. "Produkte sollten auf dem Hauttyp und seinen speziellen Bedürfnissen basieren und nicht auf dem Geschlecht. Haut ist Haut! Ich war nie dafür, Düfte oder Verpackungen zu verwenden, um eine bestimmte Gruppe von Kunden anzuziehen." Auch Retrouvé duftet neutral, die Verpackung ist in dezentem Schwarz gehalten. Morse ist sicher: "Die Zukunft der pflegenden Kosmetik ist genderfree."

Unterschiede

Die Dermatologin Peri Bergmann-Caucig beobachtet in ihrer Ordination einen hohen Bedarf an geschlechtsneutralen Kosmetikprodukten. "Mir erzählen immer mehr Männer, dass sie die Cremen ihrer Frauen oder Freundinnen verwenden", berichtet die Hautärztin. "Dagegen ist nichts einzuwenden, solange er die Creme verträgt."

Vor 20 Jahren sei das noch kein Thema gewesen. "Erst seit dem Auftauchen des metrosexuellen Mannes Ende der 1990er ist Männerkosmetik gefragt." Geschlechtsneutrale Hautpflege sei bis jetzt auf Sonnen- und Sportcremes beschränkt. In der Kosmetik wird nach wie vor zwischen Männer- und Frauenpflege unterschieden. "So einfach ist das nicht", sagt Bergmann-Caucig. "Männerhaut ist viel grobporiger und robuster. Die Pflege muss kalmierend wirken für die Zeit nach der Rasur. Frauenhaut ist trockener und empfindlicher. Außerdem bekommen Frauen früher Falten, das heißt, auch bei der Anti-Aging-Pflege gibt es Unterschiede."

Ein genderneutrales Produkt sei kompliziert, aber nicht unmöglich, sagt die Dermatologin. Es sollte vor allem schnell einziehen und auf den individuellen Hauttyp abgestimmt sein – ein bisschen Weißer Tee kann aber auch nicht schaden.

Typisch Frau, typisch Mann ist out

Ganz neu ist der Trend nicht. Schon vor zwanzig Jahren brachte Calvin Klein mit "One" ein Unisex-Parum auf den Markt und Helmut Lang überraschte mit Männermodels auf einer Damen-Show. In den vergangenen Jahren ist die Entwicklung aber wieder verstärkt zu beobachten: Verschwimmende Geschlechtergrenzen gehören in der Mode zum guten Ton.

Erst Ende Juni sorgte Mode-Riese Prada in Mailand für Verwirrung, weil während der Männer-Modenschau auch weibliche Models über den Laufsteg geschickt wurden.

Der Unisex-Trend ist auch im britischen Modehaus Selfridges zu spüren: Hier wird Damen- und Herrenmode neuerdings nicht mehr nach Stockwerken sortiert, sondern wild durchgemischt.

Typisch männlich, typisch weiblich gibt es auch für die Berliner Designerin Esther Perbandt nicht. Sie entwirft Unisex-Kollektionen, ihre Kleidungsstücke sind für Frauen wie auch Männer gedacht. Auf der Fashion Week in Berlin bekam sie für ihre androgynen Kreationen viel Applaus. "Ich lebe die Auflösung zwischen dem Männlichen und Weiblichen", sagte sie im Interview mit dem Spiegel.

Als Model würde sich Elliott Sailors anbieten. Mit 30 bekam die US-Amerikanerin plötzlich keine Model-Aufträge mehr. Sie ging zum Friseur, ließ sich einen Kurzhaarschnitt verpassen – und arbeitet seither erfolgreich als Männermodel. Auf Instagram und Twitter postet Sailors Fotos aus ihrem Modelalltag - immer unter dem Motto: "Be true, be you."

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