"Haute Goth": Dark Glamour am Catwalk

Eine Mélange aus Schwarz, schlechtem Geschmack und schmierigem Make-up...? Das ist die vorherrschende Meinung über die Gothic-Szene. Hier ein kleiner Überblick.

Nach 2000 gewann der Gothic-Style immer mehr an Bedeutung in der Mode. Einige große Designer brachten Kollektionen mit Gothic-Einflüssen heraus. Man spricht hierbei auch von "Haute-Goth".

Im Bild: Beim 'Undeground Catwalk' bei der Fashion Week in Berlin 2011. Das Gothic-Fashion laufstegtauglich ist, ist längst kein Geheimnis mehr. Designer wie Naoto Hirooka arbeiten ausschließlich in diese Richtung. Andere Designer wie John Galliano, Alexander McQueen, Gareth Pugh, Ann Demeulemeester, Olivier Theyskens und Yohji Yamamoto haben Elemente des Gothic auf den Laufsteg gebracht. Aber was ist Gothic eigentlich? Schwarze, etwas lächerlich anmutende Kleidung, hell gepuderte Gesichter in denen tief verschattete Augen liegen und ein Hauch von Geschmacklosigkeit. Dieses Bild beschreibt die meisten Goths, die man heute auf der Straße trifft. Begonnen hat die schwarze Geschichte aber sehr ernsthaft und vor allem mit viel mehr Stil. Gothic beschreibt eine Subkultur, die sich durch ihre Musik und ihr aufwendiges Styling definiert. Ihre Wurzeln reichen zurück bis in die Londoner Clubs - genauer gesagt dem Batcave-Club - der Siebziger, wo düstere Gestalten durch ihren Kleidungs- und Schminkstil auf sich aufmerksam machten. Seit damals haben sich mehrere Strömungen herauskristallisiert, sowie unzählige Mischformen. In der Gothic-Fashion geht es vor allem um die Selbstinszenierung. Aufwendiges Make-up, sowie Haarschmuck, aber auch lange, an die viktorianische Zeit angelehnte Kleider sind Bestandteil des sogenannten Elegant Gothic. Die "Symbolfarbe" der Gothic-Szene ist Schwarz. Sie steht für Ernsthaftigkeit, Dunkelheit, Mystik aber auch für Trauer und Tod. Weitere gern verwendete Farben sind Bordeaux-Rot oder Violett. Besonders in Japan ist Gothic-Fashion sehr beliebt. Die Subkulturen dort sind lebendiger und vielfältiger als in unseren Breiten. Ein Beispiel sind die "Gothic-Lolitas". Mädchen, die sich bewusst niedlich oder elegant kleiden. Es geht ihnen nicht darum, sexy zu sein. Sie tragen keine weiten Ausschnitte, dafür aber umso mehr Rüschen, Kopfschmuck und süße Accessoires. Ihr Styling setzt sich konkret aus einem knielangen Kleid oder Rock in Glockenform, unter dem ein Petticoat getragen wird, Strümpfen, Kopfbedeckungen und anderen Accessoires zusammen. Meistens wird die Kleidung mit Spitze, Maschen und Perlen verziert. Das Farbspektrum ist hier etwas breiter; von schwarz und weiß über Babyblau und Pink bis hin zu Blumenmustern ist alles zu finden. Lolitas sind gestylt bis ins kleinste Detail: selbst die Fingernägel sind aufwendig geschmückt mit Strass-Steinchen, Maschen und Bonbons. Gothic Mode erwirbt man am einfachsten im Internet. Es gibt zahlreiche Online-Shops. Die Preise und Qualität der Produkte variieren allerdings sehr stark.

In Japan ist Gothic-Lolita Mode inzwischen schon so beliebt, dass man sie in ganz gewöhnlichen Kaufhäusern erwerben kann. Auch in Deutschland und Österreich gibt es Geschäfte speziell für Gothic-Mode, wenn auch nicht so zahlreich und mit keiner allzu großen Auswahl. 

Dennoch gibt es in Deutschland einige Festivals, sowie das Wave-Gotik-Treffen (WGT) in Leipzig oder das M'era Luna in Hildesheim, bei denen die verschiedensten Strömungen der dunklen Szene aufeinander treffen. Bei diesen Events geht es um die Musik und Kultur der Schwarzen- und Alternativ-Szene. Überbegriff des Gothic ist die Schwarze Szene. Jede Strömung hat ihren eigenen Kleidungsstil. Es ist schwierig bis unmöglich die verschiedenen Stile unter einen Hut zu bringen.

Zur Schwarzen Szene gehört eben nicht nur Gothic, sondern auch Strömungen wie Metal, Dark Wave, Neofolk und viele andere. Auch wenn das Gothic-Styling sehr aufwendig ist und nicht gerade praktisch, gibt es alltagstaugliche Varianten. Industrial-fashion: zwei sogenannte "Rivetheads", Anhänger der Industrial-Szene. Typisch für das Styling sind lange "Cyber-Dreads" in verschiedenen Farben, Schutzbrillen (goggles) im Militär- oder Pilotenstil und oft auch Atem- oder Gasmasken. Gewöhnungsbedürftig. Steampunk könnte man auch als Retro-Futurismus bezeichnen. Als die Vorstellung der Zukunft, die in der Vergangenheit vorherrschte. Sie wird im Steampunk, ebenfalls wie im Gothic, mit viktorianischer Mode kombiniert. Die Ästhetik der Kolben, Bolzen und Zahnräder... Eines steht jedenfalls fest: Auch wenn es seit 2000 den "Haute Goth" gibt, hat Gothic seine Blütezeit hinter sich und ist am abflauen. Den einen oder anderen Romantiker wird man selbstverständlich auch in Zukunft noch antreffen.
(KURIER.at / Valerie Bartonik) Erstellt am
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