Donna Karan: "Ich kann mehr als nur designen"

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Herzensangelegenheit: US-Designerin Donna Karan kleidet die Menschen nicht nur äußerlich, sie will ihre innere Einstellungen bewegen. Im Interview mit Jasmin Schakfeh.

Steht man vor Donna Karan, einer der besten zeitgenössischen Modeschöpferinnen, bleibt einem der Mund offenstehen. Sie strahlt innere Zufriedenheit aus und wirkt echt. Im Oktober wird sie 63 Jahre alt, doch sie ist top in Form - trotz ihrer Falten, denn für Botox und andere Eitelkeiten hat die engagierte Unternehmerin rein gar nichts übrig.

Die neue H/W 2011/12-Kollektion der US-Designerin "Perlen der Weisheit" ist eine Hommage an die kühle Eleganz vergangener Zeiten. Ein Blick auf die Entwürfe weckt Assoziationen zu Filmschauspielerinnen - entsprungen aus Filmklassikern von Alfred Hitchcock: Grace-Kelly-Haarknoten, ellbogenlange Handschuhe mit Pelzsaum, Blusen aus drapierter Seide, schmale Gürtel und Henkeltaschen. Die Abendkleider sind extravagant, doch schlicht. Unweigerlich versprühen die Kreationen retrohaftes Hollywood-Flair.

Ihr Defille am Ende jeder Modenschau beschreitet sie selbst. Obwohl sie sich vor langer Zeit aus dem operativen Geschäft zurückgezogen hat sorgt sie als Supervisor dafür, dass der typische "Donna-Karan-Stil" erhalten bleibt.

In den 80er- Jahren revolutionierte Donna Karan die Businessbekleidung der Frauen mit ihrem "Seven-easy-Pieces"-Konzept und wurde über Nacht bekannt.

Trendwende

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Ihr Baukastenprinzip enthält Hose, Rock, Bluse, Mantel, Jackett, Body und ein Kleid. Die Idee dahinter: "Man braucht keinen vollen Schrank, um gut angezogen zu sein, es reicht eine handvoll ausgewählter Stücke, die harmonieren." Sie versteht den Körper der Frau und ist überzeugt: "Nicht alle Frauen haben eine Elfentaille, Kleidung ist dazu da, Problemzonen zu kaschieren und Schokoladenseiten hevorzukehren. Das Erste, das man sieht, sollte immer die Frau und nicht ihre Kleidung sein."

Ihre Tochter Gabby inspirierte sie zum erschwinglichen Label DKNY, die "Pizza zum Kaviar einer Kollektion". Sie war glücklich, heiratete ihren Seelenverwandten, den Bildhauer Stephan Weiss. 2001 verkaufte sie ihr florierendes Unternehmen für 643 Millionen Dollar an den französischen Luxuskonzern Louis-Vuitton-Moët-Hennessy. Nach langem Leidensweg starb ihr Mann an Krebs, ihm zu Ehren gründete sie die Urban Zen Foundation, ihren neuen Lebensmittelpunkt. Fortan will sie mehr tun, etwas bewegen.

Interview: Donna Karan plädiert für Versöhnung der Kulturen

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In Berlin wurde die aufsehenerregende Fotoausstellung "Nomad Two Worlds" des Vogue - und Victoria's-Secret -Fotografen Russell James präsentiert. Ein Projekt, das er mit indigenen Künstlern auf die Beine stellte. Prominente Unterstützung fand er bei Donna Karan, die sich für unheilbar Kranke engagiert. Im KURIER-Interview spricht sie über die Hintergründe.

KURIER: Was genau ist Ihre Urban Zen Foundation?

Donna Karan: Nachdem mein Mann an Krebs erkrankte, begann ein langer Leidens weg. Zudem verlor ich viele meiner Freunde aus der Modebranche an Aids. Mir war klar, Ärzte versuchen, das Krankheitsbild zu behandeln, dabei blieb der Patient auf der Strecke. In meinem Zentrum arbeiten Ärzte für die Krankheit und Yoga-Lehrer für das Seelenheil, ein kleiner Beitrag für mehr Menschlichkeit. Ich selbst mache seit meinem 18. Lebensjahr Yoga, das stärkt mich von innen.

Warum unterstützen Sie "Nomad Two Worlds"?

Russell besuchte mich bei Urban Zen und war angetan, dort wurde in den USA die Ausstellung erstmals gezeigt. Zudem verbindet uns die Leidenschaft zum Reisen. Doch in der heutigen Zeit passiert viel Unheil. Es gibt unterschiedliche Kulturen, die uns als Inspirationsquelle dienen könnten, reich an Schätzen
sind. Uns ist die Versöhnung der Kulturen ein Anliegen. Ich habe gemerkt, dass ich nicht nur Kleider entwerfen kann, ich will helfen, die Menschen im Inneren zu berühren.

Konkret geht es um die Aborigines?

Jahrzehntelang wurden die Kinder der Aborigines ihren Eltern entrissen, diese "gestohlene Generation" hat viel Leid erfahren. Russell wuchs in Australien auf, in der Schule wurden die Ureinwohner als lästig abgetan. Als er sich mit seinen Wurzeln beschäftigte, wurde ihm klar, dass in den Geschichtsbüchern etwas falsch lief, seine Tochter sollte die Wahrheit erfahren.

Sie reisten gemeinsam durch Australien?

Erst 2008 hat sich der damalige Premier Kevin Rudd bei den Aborigines für das erlittene Unrecht entschuldigt. Wir reisten nach Australien und Haiti, unterstützten Entwicklungsprojekte nach den Erdbeben. "Nomad Two Worlds" basiert auf gegenseitigem Respekt, besonders unsere Kinder in den Schulen sollten genau damit aufwachsen. James arbeitete mit Ureinwohnern aus seiner Heimat und indigenen Künstlern aus Haiti und den USA zusammen. Die collagenhaften Bilder wirken lebendig und mystisch-spirituell, es ist bewegende Kunst.

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(KURIER) Erstellt am
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